Die Kunst der Struktur im Raum

Die Ausstellung von Marion Ritzmann und Alex Hanimann kann am kommenden Sonntag bei einer Führung letztmals erkundet werden.
Marion Ritzmann präsentiert ihre raumspezifische Installation mit Stahlträgern: «Over the Horizon». (Bild: jor)

Quer durch den Raum ziehen sich gelblich lackierte, vierkantige Stahlrohre. Wie einen Rahmen umgeben sie die an ihnen aufgehängte Zeichnung, die sorgsam mit Tusche und Farbstiften angefertigt wurde. Geometrische Formen und Körper in zarten Farben wurden darauf angeordnet, teilweise verbunden oder umrahmt mit schnurgeraden schwarzen Linien, die sich wiederum zu einer grösseren exakten geometrischen Form zusammenfügen. Gleich daneben hängen violette, graue und schwarze Dreiecke frei an einer Kette wie Wimpel an einer Schnur ebenfalls von einem Stahlträger. Marion Ritzmanns raumspezifische Installation «Over the Horizon» entführt einen in die Welt der geometrischen Körper.

Im Gluri-Suter-Huus in Wettingen stellt sie seit dem 21. Mai gemeinsam mit dem Künstler Alex Hanimann eine Auswahl ihrer Werke aus. Ihrer Fas­zination für geometrische Formen, Linien und Zeichen, die sich wie ein ­roter Faden durch ihre Ausstellung ziehen, verleiht Marion Ritzmann mit Installationen, Objekte, Performances und Zeichnungen Ausdruck. Neben ihrer Rauminstallation präsentiert die in Zürich lebende Künstlerin im Erdgeschoss das Objekt «Free Floating» – einen mit geometrischen Formen, Pfeilen und Wellenlinien bedruckten Stoffvorhang, der den Raum in zwei Hälften teilt. Wer sich traut, einen Blick hinter den Vorhang zu werfen, wird die Zeichnung «Untitled (Time Dispenser)» entdecken. Auch sie wurde mit Tusche und Farbstiften erstellt. In ihren geometrischen Formen und Körpern verbergen sich Zitate von Kunstschaffenden, mit denen sich Marion Ritzmann künstlerisch aus­einandersetzte.

Suche nach Ordnung
Die beiden Ausstellungsräume im Dachgeschoss bespielt Alex Hanimann. Auf einem gut zwanzig Meter langen Tisch, der vom einen Ausstellungsraum in den anderen reicht, präsentiert er eine Vielzahl seiner Werke. Augenfällig ist dabei die breite Palette der Medien, deren sich der Künstler bedient: Von einer Glasplatte geschützt finden sich dort Fotografien, Zeichnungen, Digitaldrucke und Papierschnitte. Sie zeigen grösstenteils alltägliche Dinge wie Vogelvolieren oder gemusterte Fliesenböden, aber auch abstrakte Darstellungen von Kreisen, Punkten, Spiralen und Gitterstrukturen. Strukturen, Raster und Schemen beschäftigen den St. Galler Künstler in seinem Schaffen. Ausserdem gilt sein Interesse der Beziehung zwischen dem Dargestellten und dessen Bedeutung. Der Mitbegründer der Kunsthalle St. Gallen stellte schon international aus, so in der Kunsthalle Darmstadt und im Frac in Dunkerque.

Die Galerie im Gluri-Suter-Huus beherbergt jährlich fünf bis sechs Wechselausstellungen mit zeitgenössischer Kunst. Die Doppelausstellung von Marion Ritzmann und Alex Hanimann läuft seit etwas mehr als einem Monat. Am kommenden Sonntagnachmittag laden die Leiterin der Galerie Sarah Merten und die beiden Kunstschaffenden zur Finissage mit Ausstellungsrundgang und Gespräch. Die Werke der beiden Kunstschaffenden haben die Untersuchung von Ordnung, Struktur und Orientierung gemeinsam. Diese Konzepte entdecken sie in alltäglichen Situationen, Bildern und Handlungen. Der sanierte Fachwerkbau, in dem sich die Galerie befindet, bildet einen idealen Ausstellungsraum, da erstmalige Besuchende sich ebenfalls zuerst in dem multifunktionalen Gebäude zurechtfinden müssen. Sowohl Ritzmann als auch Hanimann nehmen mit ihren Werken auf den Ausstellungsort Bezug.

Finissage: Sonntag, 2. Juli, 15 Uhr
Galerie im Gluri-Suter-Huus
Bifangstrasse 1, Wettingen