Visitenkarte für die Stadt Brugg

Der Einwohnerrat debattiert am Freitag über die Kredit-anträge für die Aufwertung des Neumarktplatzes und die Stadtraumentwicklung.
Der Neumarktplatz am 17. Oktober: Über den Kredit für eine Neugestaltung befindet dem-nächst der Einwohnerrat. (Bild: cd)

An der nächsten Einwohnerratssitzung am 20. Oktober im Rathaussaal werden zunächst vier von acht Traktanden behandelt, eine Woche später schliessen vier weitere Verhandlungspunkte an. Insbesondere der Projektierungskredit für die Erneuerung und die Aufwertung des Neumarktplatzes sowie der Planungskredit für die Gebietsentwicklung Stadtraum Brugg Windisch und die Durchführung und die Nachbereitung der Testplanung bewegen die Einwohnerätinnen und -räte.

«Ein Jahrhundertprojekt»
Der Stand der Gebietsentwicklung Stadtraum Brugg Windisch wurde am Informationsanlass vom 19. September von einigen Mitgliedern der Gemeindeparlamente von Brugg und Windisch sowie der interessierten Bevölkerung diskutiert und kritisiert. Vor allem das Verkehrskonzept und ein fehlender Gegenentwurf in der Testplanung brachte viel Tadel ein (der «General-Anzeiger» berichtete). Am 20. Oktober wird der Einwohnerrat über den traktandierten anteilsmässigen Kreditantrag von 362 500 Franken (20 Prozent der Gesamtkosten) für die Testplanung befinden. Die GLP Brugg nennt die Entwicklung des Bahnhofgebiets in Brugg Windisch in ihrem Fraktionsbericht ein «Jahrhundertprojekt», bei dem es sich lohne, die Siedlungs- und Gewerbefläche sorgfältig zu planen. Sie fordert ein autofreies oder doch autoarmes Zen-trum und verlangt, dass in der Testplanung explizit eine Variante inte-griert wird, mit welcher der Durchgangsverkehr durch einen Tunnel unter dem Bahnhofgebiet geleitet wird, ohne dass das Quartier einen Anschluss erhält. «Für die GLP ist klar, dass auch autofreie und autoarme Varianten in den Projektbeschrieb gehören», so die GLP Brugg. Sie argumentiert weiter, dass es sich beim vorliegenden Projekt um ein Gebiet handle, das bestens mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen sei.

Die EVP Brugg sowie die SP Brugg kritisieren mit dem fehlenden Gegenentwurf den gleichen Punkt. Die Grünen aus Brugg und Windisch kündigen in ihrem Fraktionsbericht geschlossen an, dass sie den Planungskredit zurückweisen. Moniert wird der fehlende Einbezug bei der Ausarbeitung von Varianten mit und ohne Zentrumsentlastung, ausserdem von netto null und von autofreiem oder autoarmen Wohnen im zu entwickelnden Gebiet. Anders die Mitte Brugg, die dem Planungskredit für die Entwicklung des Gebiets zu einem neuen Wohn- und Arbeitsquartier mit hoher Wertschöpfung zustimmen wird. Ebenso befürwortet die FDP Brugg den Planungskredit.

Varianten für den Neumarktplatz
Weitgehend einverstanden sind die Fraktionen, die sich geäussert haben, mit dem geplanten Vorgehen zur Erneuerung und Aufwertung des Neumarktplatzes. Die Mitte-Fraktion heisst die angedachte Pergola als grüner Abschluss des Platzes gegen die Aarauerstrasse und die Sitzgelegenheiten gut. Einzig bei der Idee für eine Vertikalbegrünung an einem Teil der Fassaden kritisiert die Mitte Brugg den Kosten-Nutzen-Quotienten, der mit schätzungsweise 50 000 Franken für einen einzigen «Elefantenfuss» ungünstig ausfalle. Weiter sei der schwarze Asphaltbelag aus einer der Varianten inakzeptabel; die Mitte wird deshalb dem zwar teureren, aber helleren Bodenbelag den Vorzug geben. Eine knappe Mehrheit der Fraktion befürwortet zudem den Vorschlag einer Schwammstadt, in der Wasser versickern kann.

Die EVP Brugg unterstützt den Antrag zum Planungskredit von Variante 2 «Kompakt» (der «General-Anzeiger» berichtete), die auch der Stadtrat favorisiert. Die FDP Brugg steht dem Projektierungskredit «kritisch positiv» gegenüber. Sie sei jedoch bereit, eine schlankere Variante zur Sanierung zu unterstützen, und werde Änderungsanträge zur Variante 1 einreichen.

Für die GLP Brugg kommt nur die Variante 3 «Partizipation» infrage, da nur sie ökologischen und stadtklimatischen Aspekten genügend Raum gebe. «Der Neumarktplatz ist als zentraler Ort in Brugg eine Visitenkarte für die Stadt – seine Erneuerung stellt ein Generationenprojekt dar.» Auch die SP Brugg ist dieser Ansicht. Die Grüne Brugg fordert Elemente für eine Schwammstadt. «Das Thema Umwelt und Klima darf nicht nur als Zusatz vorkommen», stellt  sie in ihrem Bericht klar.

Freitag, 20. Oktober, 19 Uhr
Rathaussaal, Brugg