«Jetzt werden grosse Weichen gestellt»

Der Gemeinderat bekommt die Mittel für die weitere Planung des Oberstufenzentrums und darf eine Landparzelle gegen eine Wohnung tauschen.
458 Quadratmeter gross ist die Parzelle – sie endet am Zaun in der Mitte des Bildes – der Gemeinde Wettingen an der Hardstrasse. Soll sie verkauft oder gegen eine Eigentumswohnung getauscht werden? Fragen, die der Einwohnerrat vertieft diskutiert hat. (Bild: bkr)

Fehlender Schulraum und die Suche nach einer gangbaren und sinnvollen Lösung – das war letzte Woche nicht nur im Einwohnerrat Wettingen das grosse Thema, sondern auch in den Gemeindeparlamenten von Aarau und Lenzburg. Während es an der Limmat bereits um einen Studienauftrag für ein Oberstufenzentrum im Gebiet Zirkuswiese ging, sucht Aarau noch nach einem Standort. In Lenzburg beschäftigt man sich vorerst mit einem Masterplan.

Zurück zur Debatte im Wettinger Rathaussaal: Dass ein Studienwettbewerb für das mutmasslich bis zu 120 Millionen Franken teure Vorhaben ein richtiger und wichtiger Teilschritt ist, blieb unbestritten. Nur, was darf dieser kosten? Die FDP wollte den Kredit von 1,4 Millionen Franken für den Studienauftrag um 100 000 Franken gekürzt haben – statt sieben nur sechs Planerteams einladen. Eine Idee, die in der SVP-Fraktion auf Zustimmung stiess. Gegen eine solche Idee setzte sich Gemeinderat Martin Egloff (FDP) in seiner Funktion als Ressortleiter Hochbau zur Wehr. Er wollte den «Fächer der Ideen» speziell in dieser Phase der Planung offenhalten: «Jetzt gemachte Fehler oder Unterlassungen können später sehr teuer werden.» Lukas Rechsteiner (Die Mitte/EVP) sah im Studienauftrag die logische Umsetzung des Masterplans. «Jetzt werden die grossen Weichen gestellt.» Mit 28 gegen 16 Stimmen obsiegte der Gemeinderat, der somit 1,4 Millionen Franken für die weitere Planung des neuen Oberstufenzentrums zur Verfügung hat.

Ziel des Gemeinderats ist es, den Wettbewerb eng mit eigenen Fachleuten zu begleiten – zum einen durch die Abteilung Bau und Planung, zum anderen durch eine planerisch kompetente Person aus dem Kreis der «Bestellerin» des Oberstufenzentrums, der Schule. 100 Stellenprozent für Bau und Planung plus 40 für die Schule – das war der Finanzkommission zu viel des Guten. Lediglich 20 Stellenprozent für die Schule fand sie angebracht. Die FDP schloss sich den 20 Prozent an, wollte aber für Bau und Planung zusätzliche 80 Prozent genehmigen. Dem Basar ein Ende machten die verschiedenen Eventualabstimmungen, die schliesslich in ein Ja zum gemeinderätlichen Antrag mündeten.

Landparzelle gegen Wohnung
458 Quadratmeter gross ist die Parzelle – und heftig die Debatte über deren Zukunft. Der Gemeinderat wollte das Grundstück im Wert von 913 000 Franken an der Hardstrasse in ein privates Projekt für eine Wohnüberbauung einbringen und im Gegenzug eine rund 1 Million Franken teure 3,5-Zimmer-Wohnung ins Gemeindeeigentum übernehmen. Nicht einverstanden war die Finanzkommission, die einen Antrag auf Rückweisung des Geschäfts stellte. Das Ziel: Es sei ein besserer Preis auszuhandeln. Die SVP wollte keinen Tausch Land gegen Wohnung, sondern forderte den Verkauf der Wohnung und die Verwendung des Erlöses für den Schuldenabbau. Einverstanden mit den Plänen des Gemeinderats war die FDP, weil die Gemeinde mit der Tauschlösung zusätzliche Einnahmen (es geht um etwa 21 000 Franken netto pro Jahr) generieren kann. Und die SP? Sie wehrte sich gegen Landpreistreiberei und dachte laut über Möglichkeiten nach, wie die Gemeinde auf ihrer Kleinparzelle als Wohnbauherrin tätig werden könnte. In der Schlussabstimmung setzte sich der Gemeinderat mit 33 gegen 10 Stimmen durch, und das Grundstück kann gegen eine Wohnung eingetauscht werden.