Vergangene Zeiten erwecken

Vor 25 Jahren öffnete in Endingen ein Museum für Feuerwehr, Handwerk und Landwirtschaft. Ein Grund, um zu feiern und sich an den Exponaten zu erfreuen.
Der ehemalige Feuerwehrkommandant Richard Keller vor einem der Gebäude des Museums für Feuerwehr, Handwerk und Landwirtschaft im Endinger Schöntal, das am 17. September Jubiläum feiert.(Bild: bkr)

«Es ist mir ein grosses Anliegen, dass die Bevölkerung weiss, was für ein bedeutendes Museum es in der Region gibt», sagt der pensionierte Endinger Landwirt Richard Keller. Er ist ehemaliger Feuerwehrkommandant und nun Vizepräsident des Vereins Museum für Feuerwehr, Handwerk und Landwirtschaft (AFHM). Zudem ist er verantwortlich für die Organisation eines Jubiläumstags zum 25-jährigen Bestehen der Institution, der am 17. September stattfindet. Nationale, ja internationale Beachtung geniesst in Fachkreisen vor allem der Feuerwehrteil des Museums.

Wo soll man mit der Schilderung der unzähligen Exponate beginnen? Bei der mutmasslich ältesten erhaltenen Feuerwehrdrehleiter der Welt? Diese wurde 1805 vom Badener Wagnermeister Lang hergestellt und 1806 von der Stadt Baden für 110 Francs erworben. 96 Jahre lang war die Leiter mit einer maximalen Höhe von 14,5 Metern bei der Feuerwehr Baden im Einsatz. Lange Zeit vergessen, wurde sie schliesslich restauriert und Teil des Museums. Ein anderes Prachtstück ist ein zum Feuerwehrauto umgebauter Ford T aus dem Jahr 1907. Kurios, aber einst zweckdienlich, ein Motorradgespann, das anstelle des Seitenwagens eine Motorspritze angebaut hat. Neben den dicht an dicht stehenden Feuerwehrfahrzeugen und Motorspritzen umfasst die Sammlung alles, was Feuerwehrleute in vergangenen Zeiten für ihre Einsätze benötigten: Eimerspritzen, Strahlrohre, Handpumpen, Beile, Laternen – und Helme. Deren Kollektion umfasst Hunderte Exemplare, darunter «goldfarbene» aus Frankreich, die um 1860 im Einsatz waren.

Im Bann des Feuerwehrwesens
Wie kam es zu dieser Sammlung? Richard Keller: «Zusammengetragen wurden die Exponate grösstenteils von Walter Huber, im Surbtal bekannt als langjähriger Patron der Firma Huber Silobau in Lengnau.» Begonnen habe dessen Sammelleidenschaft mit einer zufällig in einem Garten in Mellingen entdeckten Feuerwehrspritze aus dem Jahr 1864, die er dem Besitzer abkaufen konnte. Um all die Dinge, die er aufkaufte oder geschenkt erhielt, unterbringen zu können, erwarb er 1982 die alte Schuhfabrik im Endinger Schöntal, in der einst (laut einer anderen Quelle) auch WC-Deckel gefertigt wurden. Nur drei Jahre später war eine Erweiterung des Feuerwehrmuseums nötig. In einem Interview sagte der vor einigen Jahren verstorbene Walter Huber, der selbst keinen einzigen Tag Feuerwehrdienst geleistet hatte: «Viele aus meinem Bekanntenkreis haben nicht begreifen können, dass ein Mann ohne Feuerwehrvergangenheit vom Feuerwehrvirus derart infiziert werden kann. Aber wenn ich das ungläubige Staunen der Museumsbesucherinnen und -besucher sehe, weiss ich, dass nicht nur ich dem Bann des Feuerwehrwesens erlegen bin.»

Neben der Entwicklungsgeschichte der Feuerwehr wollte Huber den Besucherinnen und Besuchern – seit 1999 ist das Museum für die breite Öffentlichkeit zugänglich – zeigen, wie die Menschen früher gelebt und gearbeitet haben. Mit Liebe zum Detail hergerichtet wurden eine alte Küche, ein Schlafzimmer und eine Wohnstube aus der Zeit der beginnenden Industrialisierung. Landwirtschaftliche Geräte und erste Maschinen skizzieren den Schritt zur heutigen Mechanisierung des Ackerbaus. In rund 50 Kojen werden ausserdem verschiedenste Berufe so gezeigt, dass man sich um 1900 in der Werkstatt eines Schuhmachers, Schreiners oder Kesselflickers fühlt. Die ausgestellten Utensilien reichen zum Teil bis ins 14. Jahrhundert zurück.

Die Zukunft des Museums
Nach Walter Hubers Tod bestand grosse Ungewissheit über die Zukunft des Museums, bis mit dem Unternehmer Samuel Wehrli aus Suhr ein Käufer gefunden wurde. Wehrli übernahm auch den Vertrag mit dem Museumsverein. Dieser war – was er heute noch ist – für den Betrieb des Museums zuständig. Samuel Wehrli hatte klare Vorstellungen von der Zukunft des Museums, die er in einem Neubau mit noch unbekanntem Standort sah. «Vorerst werden nun sämtliche Gegenstände katalogisiert und in einem speziellen Museumstool erfasst», erklärte er 2014 an der Generalversammlung des Vereins. Das war allerdings nicht das, was Richard Keller und den anderen Vereinsmitgliedern vorschwebte – sie wollten «ihr» Museum im Surbtal behalten. Das ist inzwischen insofern garantiert, da seit 2022 die Familie des Lengnauer Unternehmers und ehemaligen Gemeindeammanns Kurt Schmid Eigentümerin des Museums ist.

Verein und Eigentümer feiern gemeinsam mit allen Interessierten am 17. September zwischen 10 und 18 Uhr 25 Jahre Museum mit Gratiseintritt, einer Festbeiz und zahlreichen Attraktionen. Details sind auf afhm.ch zu finden.