Röstichehrer pulverisierten Weltrekord

Beim 4 mal 25 Meter Weinfassrollen liessen die Nachwuchsathleten des STV Oberflachs die Konkurrenz weit hinter sich.
In Oberflachs rollten die Fässer – wie hier beim Schlussroller des Quartetts Die 4 alte Säck. (Bilder: pb)

Oberflachs – Die Spannung steigt. Die Wetten sind abgeschlossen. In dichten Reihen drängen sich die Fans entlang der Wettkampfstrecke. OK-Präsident Adrian Hartmann räuspert sich, rückt die Sonnenbrille zurecht. Platzspeakerin Judith Wernli versucht, Ordnung in ihre Unterlagen zu bringen. Sie bittet die Finalisten zum Start. Head-Schiedsrichter Hansueli «Puma» Dietiker mustert mit scharfem Blick die Piste, kontrolliert die Präsenz der Wettkämpfer, den ordnungsgemässen Zustand des etwa 50 Kilogramm schweren Weinfasses und die einwandfreie Funktion des Mikrofons. Alle spüren: Etwas ganz Grosses bahnt sich an. «Kommando gilt!» Der Startläufer greift sich das Fass, kippt es leicht auf den Rand, geht in eine angespannt-leichte Hocke. «Auf die Plätze, fertig», kleine Kunstpause, «los!» Die Menge jubelt, klatscht, feuert an. Erster Wechsel, perfekt, hopp, hopp, zweiter Wechsel, ja!, dritter Wechsel, Endspurt, Zieleinlauf. Das Volk tobt, jubelt, schreit. Es ist geschafft. Puma kann den neuen Weltrekord verkünden: 39,6 Sekunden für 4 mal 25 Meter Weinfassrollen. Die Sieger lassen sich feiern. Die magische 40-Sekunden-Marke ist geknackt.

Selbstverständlich ging es am Oberflachser Räbfescht nicht nur um sportliche, sondern vor allem um ­önologische Höchstleistungen. Beschränkten sich die Winzer im Schenkenbergertal vor vielen Jahrzehnten weitgehend auf den Anbau von Weisswein, so bieten sie heute eine beeindruckende Bandbreite von qualitativ höchststehenden Produkten an. Mehr als 50 Weine konnten die Festgäste am vergangenen Wochenende degustieren. Adrian Hartmann bringt es auf den Punkt: «Noch immer wird der Aargau als Rebbaukanton unterschätzt. Dabei verfügt er klimatisch, topografisch und in Bezug auf die Böden über super Voraussetzungen für eine erfolgreiche, hochklassige Weinproduktion.» Von der Richtigkeit dieser Aussage konnten sich die Festbesucherinnen und -besucher an acht Ständen überzeugen, wo alle Oberflachser Weinproduzenten ihre Erzeugnisse präsentierten.

Die Röstichehrer des STV Oberflachs haben einen Weltrekord aufgestellt

Dorfleben und Dorfkultur
Auch in gastronomischer Hinsicht ­kamen die Festbesucherinnen und -besucher auf ihre Kosten. Was zum Beispiel mit Röstivariationen, Grill­braten, Pizzen oder Weinspezialitäten mit kalten Plättli begann, konnte in der Kafistube abgerundet werden. Gemütlichkeit war angesagt, das dörfliche Zusammenleben wurde zele­briert. Dazu nochmal Adrian Hartmann: «Das Räbfescht soll einen Beitrag zur Dorfkultur sein. Um das zu ermöglichen, leisten die Dorfvereine wahrhaft Ungewöhnliches.» Tatsächlich bot der Anlass reichlich Gelegenheit für spontane Treffen, informelles Zusammensein und um sich in der Gemeinschaft wohlzufühlen. Bettina bot ihr Bänkli zum Härehocke an, Peter und Wilma luden zu einem Schwatz, Roland berichtete über seinen neuen Lebensabschnitt, Sven erinnerte sich an seine Jugend – die Geborgenheit des Kleinräumigen.

Das Fest lief unter dem Motto «Wein trifft Kunst». Im altehrwürdigen Zehntenstock fanden Kunstwerke von Daniel Schwarz, Effingen, und Lukas Senn, Rothrist, grosse Beachtung. Sie zeigten dort ihre Eisen- beziehungsweise Holzskulpturen. Und Ryan Little aus Bern war auf dem Festgelände unterwegs und hielt mit Urban Sketching Szenen und Eindrücke zeichnerisch fest.

Übrigens: Ob 4 mal 25 Meter Weinfassrollen zur olympischen Disziplin erhoben wird, stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest