Brugg – Das Ladensterben ist in Brugg ein omnipräsentes Thema. Immer mehr Geschäftsräume in der Stadt stehen leer, eine markante Abnahme der Standortattraktivität befürchtet nicht nur die Bevölkerung und macht der Wirtschaft Sorgen, sie ruft auch die Politik auf den Plan. Kürzlich äusserte sich Frau Stadtammann Barbara Horlacher im «General-Anzeiger» zu diesem Thema, nun haben Mitglieder der FDP und der Mitte beim Stadtrat ein Postulat eingereicht. Gefordert wird die Einführung eines City-Managements für Brugg.
Die Einwohnerrätinnen und Einwohnerräte Matthias Rüede, Robert Wehrli, Patricia Gloor, Titus Meier, Nadine Christen und Alexandra Darioli sind überzeugt: «Wegzüge von namhaften Geschäften und leere Schaufenster an mehreren attraktiven Orten machen die Herausforderungen sichtbar: Strukturwandel im Detailhandel, Leerstände und die Konkurrenz durch Onlinehandel und Einkaufszentren.» So lautet das Statement in ihrem Vorstoss.
Beste Voraussetzungen
Gleichzeitig verfüge Brugg über beste Voraussetzungen: «Einen Bildungsstandort, ein vielfältiges Kultur- und Freizeitangebot sowie eine attraktive Lage. Dieses Potenzial gilt es zu nutzen», heisst es im Postulat weiter. Als Instrument schlagen die sechs Rätinnen und Räte ein City-Management vor. «Es kann als zentrale Schnittstelle zwischen Stadt, Wirtschaft, Immobilieneigentümern, Bevölkerung und Kultur wirken, Synergien schaffen sowie konkrete Massnahmen zur Steigerung der Attraktivität entwickeln und umsetzen», sagen sie. In Aarau, Bremgarten, Rheinfelden, Baden und Zurzach habe sich bereits gezeigt, dass eine solche Stelle wesentlich zur Belebung des Stadtzentrums und zur Stärkung der Standortattraktivität beitragen könne.
Ein proaktiver Partner
«Das City-Management soll unter anderem ein proaktiver Gesprächspartner für Vermieter und Mieter von Geschäfts- und Gewerbeliegenschaften sein», erklärt Rüede auf Anfrage. «Es könnte ausserdem Zwischennutzungen bei Leerflächen in Gebäuden ermöglichen, Zwischennutzungen bei verzögerten Bauprojekten im öffentlichen Raum kreieren oder neue Ladenkonzepte vorschlagen, prüfen und fördern.»
Koordination und Bewerbung
Des Weiteren sieht Rüede die Aufgaben eines City-Managements in der Koordination und der Bewerbung von Veranstaltungen, die in der Stadt stattfinden. «Hier läuft heute schon einiges, oft fehlt aber die Koordination, und die Veranstaltungen sind der breiten Öffentlichkeit zu wenig bekannt», sagt der Mitte-Politiker. Das City-Management solle ein Partner von Gewerbetreibenden, der Gastronomie und von Veranstaltungsorganisatoren sein. «Ein solcher Ansprechpartner fehlt in Brugg unseres Erachtens ganz klar.» Des Weiteren gehe es um die Belebung und damit die Attraktivitätssteigerung von öffentlichen Plätzen und Gebäuden. Der Auftritt von Brugg in der Stadt selbst, aber auch gegen aussen solle verbessert werden, so Rüede.
«Ein neues Logo reicht nicht»
«Brugg wird heute nicht als attraktiv wahrgenommen, und ein neues Logo bringt noch keine Attraktivitätssteigerung mit sich», führt Rüede weiter aus. Deshalb brauche es das City-Management. «Unser Ziel ist, dass wir mit einer Attraktivitätssteigerung die Zufriedenheit des ansässigen Gewerbes erhöhen, neue Unternehmen nach Brugg ziehen, mehr Besucherinnen und Besucher nach Brugg kommen und die Bevölkerung von Brugg wieder stolz auf ihre Stadt ist», sagt Rüede. «Eine attraktive und prosperierende Stadt wirkt sich mittel- und langfristig auch positiv auf die Einnahmen der öffentlichen Hand aus. Ein Return on Investment für ein City-Management sollte somit gegeben sein.» Der Entwicklung einfach zuzuschauen, sei dagegen keine Lösung. «Die Stadt muss das Heft in die Hand nehmen, und wir erachten ein City-Management als richtigen Ansatz.»
Zum Beispiel drei Jahre
Im Postulat wird für das City-Management «zum Beispiel eine befristete Teilzeitstelle für drei Jahre» vorgeschlagen. «Wir sind offen für verschiedene Varianten. Aber falls sich der Stadtrat in einem Antrag für eine befristete Stelle entscheidet, erachten wir ein Minimum von drei Jahren als notwendig, damit das City-Management nachhaltig etwas gestalten und bewirken kann», sagt Rüede. «Als Referenz für diese Zahl diente uns die Stadt Olten, die im letzten Jahr ein City-Management für eine befristete Zeitdauer von drei Jahren eingeführt hat.»