Die Exponate der Kunstschaffenden, die vom 27. November bis zum 22. Januar in der Brugger Galerie Immaginazione ihr Schaffen zeigen, könnten unterschiedlicher nicht sein. Da sind die Lichtobjekte von Inhaber Claudio Cassano, die jedem Raum eine besondere Magie verleihen. Oder die Bilder von Fotograf Markus Graf, die ihre eigene Sprache sprechen und mit den Betrachtenden zu kommunizieren scheinen. Dann die Skulpturen und Malereien von Milan Spacek, der sich mit seiner durchdachten, im weitesten Sinn an die etruskische Kultur erinnernden Formensprache einen Namen in der Schweizer Kunstszene gemacht hat.
Ihm entgegen steht ein Künstler, der mit seinen explosiven, abstrakten und stark von spontanen Impulsen geprägten Bildwelten das allererste Mal an die Öffentlichkeit tritt: Claudio Lobosco aus Mülligen. Der 53-Jährige malt ohne Konzept: «Meine Motive entstehen schnell und ganz und gar aus dem Bauch heraus. Farbe und Form, die auf die Leinwand kommen, sind ein unmittelbarer Ausdruck meiner Seele», sagt der Künstler zu seinem Œuvre. Daraus resultieren kraftvolle, bisweilen wilde und farbsprühende Universen, die Betrachtende zu eigenen Interpretationen einladen. «Nur beim Malen fühle ich mich absolut frei», meint Claudio Lobosco, dessen Traumberuf eigentlich Fotograf gewesen wäre.
Ein bewegtes Leben
Die Eltern von Claudio Lobosco stammen aus Apulien und wanderten in den späten Sechzigerjahren in die Schweiz ein. Claudio Lobosco besuchte die Schule in Windisch und hatte viele Interessen. Besonders zog es ihn zur Fotografie. Doch eine entsprechende Ausbildung an der Kunstgewerbeschule blieb ihm aufgrund mangelnder schulischer Leistungen verwehrt. Stattdessen machte er eine Lehre als Kunstreprodukteur in einem kleinen Atelier in der Badener Altstadt. Mit seinem ersten selbst verdienten Geld wanderte er für zwei Jahre nach Griechenland aus, machte dort recht erfolgreich Fotoshootings von Menschen und organisierte Partys. Dann zog es ihn wieder zurück in den Aargau, der für ihn stets sein fester Hafen war.
Seine kommunikativen Fähigkeiten brachten ihn 1995 in den Promotionsbereich. Er führte eine Getränkemarke ein, die damals noch relativ unbekannt war, aber heute jedes Kind kennt. Nicht zuletzt dank Claudio Lobosco. Bald kamen weitere Brands hinzu, und er reiste in der ganzen Welt herum. «In Südamerika war ich praktisch in jedem Land», erzählt der Weltenbummler. Den Gegenpol zu seinem intensiven Leben bietet ihm sein Haus in Mülligen, in dem er mit seinem erwachsenen Sohn in einer Männer-WG lebt.
Seine Inspirationsquelle
Schon der Vater von Claudio Lobosco malte, wenn er nicht in der Fabrik arbeitete. «Bei uns zu Hause roch es immer nach Ölfarbe», erinnert er sich. Auch er war äusserst kreativ, zeichnete in seiner Jugend viel und machte Musik in einer Band. Den Weg zur darstellenden Kunst eröffnete ihm aber vor allem die Malerin Karin Klöckl. «Die Leidenschaft, mit der sie auf ihre Sache fokussierte, faszinierte mich», erinnert er sich, «sie war Künstlerin durch und durch, während ich einfach zu viele verschiedene Interessen hatte.» Von ihr inspiriert, begann er zu malen. In der Coronapandemie intensivierte er seine kreative Tätigkeit. Und langsam werden ihm die Räume bei ihm zu Hause in Mülligen zu klein. Er möchte grossformatige Exponate schaffen und sucht ein Atelier. «Für mich ist die Freude am Malen meiner Bilder wichtig und nicht, ob ich damit Erfolg erziele», meint er zum Schluss und sieht seiner ersten Ausstellung in der Galerie Immaginazione ganz entspannt entgegen.
Weihnachtsausstellung mit Vernissage
Donnerstag, 27. November, 18.30 Uhr
Galerie Immaginazione, Brugg