Buchtipps für die Gesellschaft

Das Team der Bibliothek Windisch schreibt regelmässig Buchtipps für die Zeitung und fördert das Lesen an allen Fronten.
Laura Schnellmann und Gabi Umbricht in einem der Lesebereiche der Bibliothek. (Bild: sma)

Windisch – Über 200 verschiedene Buchtipps haben in den vergangenen Jahren ihren Weg von der Bibliothek Windisch in den «General-Anzeiger» und die «Rundschau» gefunden. Seit dem vergangen Jahr ist das Team der Schreibenden der Bibliothek noch einmal angewachsen. So kümmern sich inzwischen die Mitarbeitenden Gabi Umbricht, Laura Schnellmann, Denise Maurer, Joris Widmer, Jara Umbricht und Tanja Ott abwechselnd um die literarischen Empfehlungen der Woche – und können so noch mehr Geschmäcker und Genres abdecken.

Ausgedruckt, archiviert und sortiert nach Autoren finden sich die Buchtipps auch in der Bibliothek selbst in einem der Lesebereiche wieder. Im Gespräch vor Ort erklären die beiden Co-Leiterinnen Gabi Umbricht und Laura Schnellmann, was ein gutes Buch ausmacht und was die Bibliothek Windisch aktuell beschäftigt.

In den Bann ziehen
«Gute Bibliotheksbücher sind die, die ihre Leser und Leserinnen in ihren Bann ziehen. Also die Leute zum Lesen bringen», sagt Laura Schnellmann. Während es bei Kindern oft nicht das ist, was die Erwachsenen gut finden, sondern die Geschichten, in denen sich die Kinder wiedererkennen können.

Bei den stetigen Neuerscheinungen und dem begrenzten Platz im Obergeschoss des Gebäudes in dem sich die Gemeinde- und Schulbibliothek befindet, stellt sich stets die Frage, welche Bücher man anbieten möchte und welche Neuzugänge dem Publikum gerecht werden. So werden jedes Jahr zehn Prozent des Bestandes aussortiert. «Was älter als zehn Jahre ist oder was zwei Jahre nicht ausgeliehen worden ist, fliegt raus», erklärt Gabi Umbricht. Dabei nimmt man aber schon Rücksicht auf den einen oder anderen Klassiker, gerade im Jugendbuchbereich. «Wir müssen die Ressourcen sinnvoll einsetzen, und am Ende bestimmt das Publikum, was es will», ergänzt Schnellmann. Die Balance zu finden zwischen Bestsellern und Buchpreisbüchern ist nicht immer einfach.

So sei etwa das gefeierte «Blutbuch» von Kim de l’Horizon kein Publikumsliebling in der Bibliothek gewesen. Aber man sei immer froh über Eindrücke und Nachfragen zu Büchern. «Dass man mit den Kunden im Gespräch bleibt, ist etwas, das ich sehr schätze», erklärt Co-Leiterin Schnellmann.

Wenn der Buchtipp frisch erschienen ist, dann ist das entsprechende Buch meist auch ausgeliehen. Auch weil man nur in Ausnahmen Bücher doppelt kaufen möchte. Dafür gibt es in Windisch keinen Aufschlag für Neuheiten, wie ihn manche Bibliotheken haben.

Gedankengänge
Beide Leiterinnen schätzen, dass sie ungefähr 50 bis 80 Bücher im Jahr lesen. Alles potenzielle Kandidaten für einen Buchtipp. «Bevor ich Bibliothekarin geworden bin, habe ich Bücher fertig gelesen», gesteht Umbricht. Heute sei die Auswahl und Masse schlicht zu gross. Und wenn man ein Buch aus der Bibliothek liest, kann man es bei Nichtgefallen einfach zurückbringen. Die Rechtfertigung der eigenen Kaufentscheidung entfällt damit. «Das Schöne an einem Team mit sieben Leuten ist, dass Lesegeschmäcker ganz unterschiedlich sind. So kann man vielfältige Tipps geben», ergänzt Schnellmann.

Um im Buchtipp zu landen, müsse ein Roman oder ein Sachbuch überdurchschnittlich gut sein, die lesende Person beeindrucken oder gerade im Gespräch sein. «Ich lese gerne Bücher, die Leerstellen und Raum für die eigenen Gedanken lassen», ergänzt Umbricht und verweist darauf, dass sie und Schnellmann einen recht ähnlichen Geschmack haben und somit die einzigen im Team sind, die bezüglich Überschneidungen aufpassen müssen. «Wir haben auch dazu gelernt beim Schreiben, einige können den Buchtipp inzwischen locker aus dem Ärmel schütteln», blickt Umbricht auf die Erfahrung der vergangenen Jahre zurück.

Der dritte Ort
Kurz vor dem Interview war noch reger Betrieb in der Bibliothek. Familien checkten noch kleine Stapel an Kinderbüchern und Hörspiel-Tonies aus, zwei Mädchen sassen zusammen im Jugendbereich und am Tisch näherte sich das Lesetandem dem Ende. «Man muss hier bei uns nichts konsumieren, sondern kann einfach da sein», ordnet Umbricht die Bibliothek als «dritten Ort» ein.

Das Lesetandem, bei dem ein Erwachsener gemeinsam mit einem Kind liest, welches sich aus verschiedenen Gründen noch nicht so sicher beim Lesen fühlt, ist eines der zusätzlichen Angebote der Bibliothek. «Es geht nicht nur darum, dass das Kind liest, sondern man kann Kindern nie genug vorlesen», erklärt Umbricht.

Wenn es nur um das Zuhören ohne Vorurteile geht, springt der Lesehund von Gabi Umbricht ein: «Er liegt neben dem Kind, hört zu und leckt vielleicht mal die Hand ab.» Zwei Kinder pro Woche «betreut» Hündin Vesta, die dafür mit ihrer Besitzerin eine kurze Ausbildung absolviert hat. Die fünf tierischen Termine seien für viele Kinder schon ein guter Startpunkt.

Angebote machen
Seitdem die beiden Co-Leiterinnen vor über sechs Jahren in der Bibliothek Windisch angefangen haben, haben sich die Öffnungszeiten der Einrichtung mehr als verdoppelt. Mit 155 Stellenprozenten für alle Angestellten kommt man so auf insgesamt 24 Stunden pro Woche. «Die ersten zwei Jahre konnten wir viel bewegen», erzählt Umbricht. Heute muss man sich vor allem im Budget der Gemeinde behaupten. «Ich hoffe, dass wir der Gemeinde noch etwas besser vermitteln können, wie wichtig eine Bibliothek für die Gesellschaft ist», fährt Umbricht fort und verweist darauf, dass man ein niederschwelliges Bildungsangebot für alle ist. Zumal man mit der Anbindung an die benachbarte Schule direkt mit dem Nachwuchs verbunden ist. So kommen 900 Kinder regelmässig in den Kontakt mit neuen und alten Medien.

Und warum sollte man sich nun unbedingt eine Bibliothekskarte holen? «Weil man nie so günstig zu Wissen und sozialen Kontakten kommt», betont Gabi Umbricht noch einmal. Beide Co-Leiterinnen machen ihren Job leidenschaftlich gerne, aber manchmal sei es auch schwer, wenn neue Ideen am Budget scheitern.