Rotkehlchen übergibt an Eisvogel

Der Vogel des Jahres 2026 von Birdlife Schweiz ist der Eisvogel. Wie schon sein Vorgänger, das Rotkehlchen, wurde er per Volkswahl bestimmt.
Einen orangen Bauch haben sowohl das Rotkehlchen (links) als auch der Eisvogel. (Bilder: bhe)

Natur entdecken – Der Vogel des Jahres von Birdlife Schweiz steht immer symbolisch für ein Naturschutzthema, das den Schweizer Natur- und Vogelschutz aktuell stark beschäftigt. So wurde beispielsweise im Jahr 2022 die Feldlerche zum Vogel des Jahres gewählt, weil sie in offenen Agrarlandschaften durch die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft zunehmend in Bedrängnis geriet und an Lebensraum verlor. Als Stellvertreter für den Niedergang vieler Arten des Kulturlandes stand sie damals für eine dringend nötige Neuausrichtung der Agrarpolitik. Bis zum Jahr 2024 wurde der Schweizer Vogel des Jahres nach solchen Gesichtspunkten vom Landesverband Birdlife Schweiz bestimmt. 

Demokratische Volkswahl
Im Jahr 2025 änderte man den Wahlmodus, indem Birdlife Schweiz zwar das Naturschutzthema vorgibt und fünf Vogelarten bestimmt, die zu diesem Thema passende Repräsentanten darstellen. Die Auswahl erfolgt dann aber in einer Volkswahl, bei der jede Schweizerin und jeder Schweizer in einer demokratischen Wahl aus den fünf Kandidaten den Vogel des Jahres auswählen kann.

Für das vergangene Jahr sollte ein Botschafter für mehr Natur im Siedlungsraum gewählt werden. BirdLife stellte hierfür fünf Kandidaten, die repräsentativ für folgenden Zielbereiche stehen: mehr Natur und Wildnis im Garten zulassen, einheimische Hecken mit ausgeprägtem Unterwuchs oder dornenreiche Büsche sowie Stauden und blütenreiche Wiesen anpflanzen. In der Publikumswahl wurde das Rotkehlchen gewählt und damit der Schwanzmeise, dem Grünspecht, dem Kleiber und der Mönchsgrasmücke vorgezogen. Der charismatische Singvogel mit seinem orangeroten Brustfleck, der runden Gestalt mit den dunklen Knopfaugen und dem neugierigen und vertrauensvoll wirkenden Auftreten erobert schnell die Herzen der Menschen.

Das neue Wahlverfahren zeigt, dass neben den Lebensraumansprüchen und den nüchternen biologischen Faktoren auch die Sympathie zu einer Vogelart zum Zug kommt. Das «Rotbrüstli» stand tapfer seine Amtszeit durch, bis es zum Jahreswechsel vom neugewählten Vogel des Jahres 2026 abgelöst wurde.  

Eisvogel-Männchen überreichen ihrem Weibchen Fische und zeigen so, dass sie gute «Ernährer» sind (Bild: bhe)

Einer der schönsten Vögel unserer Gewässer
Für dieses Jahr suchte Birdlife Schweiz eine Vogelart, die für klare Flüsse, intakte Natur und Lebensräume voller Dynamik steht, ein Symbol für lebendige Gewässer und biologische Vielfalt. Zur Auswahl standen die Kandidaten Uferschwalbe, Flussregenpfeifer, Wasseramsel, Gebirgsstelze und Eisvogel. Fast schien die haushohe Überlegenheit des Eisvogels als gesichert, doch der «blaue Pfeil» siegte nur hauchdünn mit 30,47 Prozent vor der Wasseramsel mit 30,19 Prozent der 18 000 abgegebenen Stimmen.

Mit seinem leuchtenden Gefieder und seiner eindrücklichen Jagdtechnik ist der Eisvogel einer der schönsten und beliebtesten Vögel der Schweiz. Er bewohnt das ganze Jahr über langsam fliessende oder stehende Gewässer wie Bäche, Flüsse, Altarme, Auenlandschaften und Seen. Dabei ist sein Name etwas irreführend, denn der Eisvogel ist alles andere als ein Freund von vereisten Gewässern. Im Gegenteil: Frieren im Winter allzu viele Gewässer zu, kann er seine Jagdtechnik, das Stosstauchen nach kleinen Fischen von einer erhöhten Warte aus, nicht mehr ausüben. Dann muss er in eisfreie Gebiete ausweichen, oder aber er verhungert.

Doch warum dann der Name Eisvogel? Am wahrscheinlichsten ist die Erklärung, dass der Name vom Althochdeutschen «eisan» stammt, was so viel wie «schimmern» oder «glänzen» bedeutet und damit bestens zu dem kleinen Vogel passt. Der Eisvogel ist in der Schweiz selten und steht aufgrund seines Bestands auf der Roten Liste der vom Aussterben bedrohten Arten. Sein Bestand hat sich in den letzten Jahren jedoch erholt und liegt aktuell wieder bei 400 bis 500 Brutpaaren.

Das glänzende Juwel
Neben gefrierenden Gewässern haben für den Eisvogel auch warme Winter ihre Tücken. So führten im warmen, regenreichen Januar 2025 viele Flüsse des Mittellands Hochwasser. Die braunen Fluten hindern den Eisvogel ebenfalls am Fischen, da er seine Beute nicht mehr erspähen kann. So flogen etwa die Eisvögel von der Aare auf der Suche nach Fischen den noch sauberen Nebenbächen entlang. Mehrmals tauchten die schillernden Vögel dabei am Gartenteich des Autors auf, um dort ihr Glück zu versuchen.