Teamgeist, Kameradschaft und Respekt

129 Mitglieder des Rettungskorps waren am vergangenen Samstag am traditionellen «Ripplifrass» und der Generalversammlung dabei.
Korpschef Marcel Wiederkehr, umrahmt von Manuel Keller (rechts), dem abtretenden Kommandanten der Brugger Feuerwehr, und Marc Bovet, seinem Nachfolger (links). (Bild: pbe)

Brugg – Heute bildet das Rettungskorps Brugg einen integralen Bestandteil der Feuerwehr. Das war nicht immer so. Vor über 160 Jahren ins Leben gerufen, sollte es im Brandfall Menschen und Güter retten, während die eigentliche Brandbekämpfung der Feuerwehr überlassen wurde. Längst hat das Rettungskorps aber eine ganz andere Aufgabe übernommen: Es will die menschliche Beziehung unter den Mitgliedern fördern, die Kameradschaft stärken und damit die Verwurzelung der Feuerwehrleute im Korps vertiefen. Einer der Anwesenden sagte: «Wir müssen uns im Brandfall hundert Prozent aufeinander verlassen können. Da ist eine gute Kameradschaft unabdingbar.»

129 Mitglieder des Rettungskorps nahmen am traditionellen «Ripplifrass» teil. 14 von ihnen, davon drei Frauen, wurden als Neumitglieder per Handschlag ins Rettungskorps aufgenommen. Korpschef Marcel Wiederkehr konnte ausserdem eine ganze Anzahl Gäste begrüssen, darunter Behördenvertreter und Exponenten der Nachbar-Feuerwehren.

Jahresrückblick und Ausblick
In seinem Jahresbericht rief Wiederkehr verschiedene Veranstaltungen des vergangenen Jahres in Erinnerung, darunter den Vortrag über die Explosion in einer Tiefgarage in Nussbaumen. Ein weiterer Vortrag thematisierte den Entschärfungsdienst Zürich und die Arbeit der Forensik der Kapo Aargau. Im Mai ging die Reise nach Rottweil – nach dem Empfang im Rathaus besichtigte man die Baustelle der neuen JVA, die für 500 Gefangene ausgelegt ist. Das Jahresprogramm 2026 sieht unter anderem einen Schneesporttag vor, zwei Vorträge, den Feuerwehrmarsch Zofingen, eine Motorrad- und eine Korpsreise.

Kommandant Manuel Keller nannte die Zahl von 109 Einsätzen der Brugger Feuerwehr im Jahr 2025, was einem durchschnittlichen Wert entspreche. Glücklicherweise handelte es sich dabei durchwegs um kleinere Ereignisse. Weiter erwähnte er verschiedene Spezialübungen, zum Beispiel das Verhalten bei einem Vegetationsbrand samt Löscheinsatz durch Helikopter. Keller verwies auf stattgefundene und bevorstehende Ergänzungen im Fahrzeugpark und auf Unterhaltsarbeiten insbesondere am Oldtimer «Mary».

Zu jeder Generalversammlung gehört die Rechnungsablage. Diese weist ein Korpsvermögen von rund
65 000 Franken aus. Sie wurde wie auch das Budget 2026 einstimmig genehmigt. Hier hofft der Quästor Markus Obrist auf einen namhaften Gewinn, der aus der Beteiligung am Brugger Stadtfest resultieren sollte. Das Rettungskorps will dort die Bar «Brandhuus» betreiben.

«Eine grosse Ehre»
Ein zwar nicht bierernster, aber doch würdiger Moment war die Übergabe der Kommandantur von Manuel Keller an Marc Bovet. Stadtpräsidentin Barbara Horlacher vollzog die Beförderung Bovets zum Hauptmann und bedankte sich bei Keller für die geleisteten Dienste. Sodann wurden einige Kameraden nach zum Teil vieljährigem Engagement aus der aktiven Feuerwehr entlassen, darunter Michael Merk nach 14 Dienstjahren, Lukas Item nach 21 Dienstjahren und Franz Riner nach sage und schreibe 41 Dienstjahren. Letzterer hatte an über 1000 Übungen und 514 Einsätzen teilgenommen.

Darauf wandte sich Marc Bovet an die Anwesenden: «Es ist mir eine grosse Ehre, als neuer Kommandant der Brugger Feuerwehr vor euch zu stehen. Die bedeutungsvolle Aufgabe trete ich mit viel Respekt, Verantwortungsbewusstsein und Begeisterung an.» Er bedankte sich für das in ihn gesetzte Vertrauen und betonte: «Eine starke Feuerwehr lebt vom Teamgeist, von der Kameradschaft und von gegenseitigem Respekt.» Darauf will Bovet auch in Zukunft bauen und die genannten Elemente pflegen und stärken. «Ich gebe alles!»

Nach sieben Jahren tritt Urs Vogel aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand zurück. Er hat sich in dieser Zeit intensiv um die Oldtimer und die Fahrerausbildung gekümmert. Der übrige Vorstand stellte sich erneut zur Verfügung und wurde mit Applaus wiedergewählt.

Dankesworte und Mitgefühl
Der frühere Gemeindeammann von Villnachern, Roland König, konnte der Versammlung nicht beiwohnen. Er liess aber einige Worte des Dankes und des Respekts verlesen. In ihrem Grusswort kam Barbara Horlacher wiederum auf die Brandkatastrophe von Crans-Montana zu sprechen. Sie bezeugte ihr Mitgefühl für die Betroffenen und zollte allen Einsatzkräften ihren uneingeschränkten Respekt «im Wissen, dass ein solches Ereignis auch uns treffen kann». Der Vorfall rufe die schwierige, oft auch belastende Aufgabe der Feuerwehr ins Bewusstsein. Sie verdiene darum Dank und Wertschätzung.

Ein weiteres Dankeswort kam von Florian Immer, Kommandant der Feuerwehr Baden. Er betonte die fruchtbare Zusammenarbeit der beiden Korps. Mit einem Quiz und kameradschaftlicher Geselligkeit klang der Abend schliesslich aus.


Franz Riner trat nach 41 Dienstjahren aus der Feuerwehr zurück. (Bild: pbe)

Rücktritt nach 41 Dienstjahren
Franz Riner hat der Öffentlichkeit 20 Jahre in der Feuerwehr Umiken
und 21 Jahre lang in derjenigen von Brugg gedient. Jetzt ist er zurück-getreten.

Herr Riner, erinnern Sie sich noch an Ihren Eintritt in die Feuerwehr? Was war damals Ihre Motivation?
Ich bin in Umiken aufgewachsen, und dort habe ich schon früh mitbekommen, wie sich die Feuerwehr auf eventuelle Einsätze vorbereitet. Ich wurde auch Zeuge von solchen Unglücken. Das hat mich fasziniert; da wollte ich unbedingt auch dabei sein. Lapidar gesagt: Ich fand die Feuerwehr einfach gut.

Welches sind Ihre frühesten Erinnerungen an Ihr Engagement bei der Feuerwehr?
Im Jahre 1985 nahm ich an einem Einführungskurs teil. Er fand in Brugg statt, in der Hofstatt. Ich weiss noch, dass es stark regnete, und ich erinnere mich an die alten Helmmodelle, die wir damals trugen.

Nach zwei Jahrzehnten wechselten Sie in die Brugger Feuerwehr.
Ja, es reizte mich, eine ganz andere Dimension mitzuerleben: mehr Fahrzeuge, mehr Einsätze, einen breiteren Aufgabenfächer. Ich ging diesen Übertritt neu motiviert an und übernahm in Brugg verschiedene Chargen. Ich wollte noch einmal richtig Gas geben.

Welches Ereignis hat Sie im Rahmen Ihrer Tätigkeit bei der Feuerwehr besonders aufgewühlt?
Dazu gehören sicher die Strassenrettungen. Bei einigen Einsätzen mussten wir nach Verkehrsunfällen Schwerverletzte und sogar Tote bergen – keine einfache Aufgabe! Und dann der Brand im Hause Boutellier: Die persönliche Betroffenheit durch den Umstand, dass hier ein lieber Freund zu Schaden kam.

Und jetzt treten Sie zurück.
Ja. Offen gestanden verspüre ich nicht mehr das gleiche Feuer wie ehemals für die Tätigkeit in der Feuerwehr. In einem längeren Prozess begann ich mich innerlich etwas zu distanzieren. Dazu kamen terminliche Schwierigkeiten im Zusammenhang mit meinem Beruf. Die Kameradschaft mit den vielen Weggefährten werde ich aber gerne weiterhin pflegen. (pbe)