Annäherung an den Brückenentscheid

Der Neubau der Spinnerei- brücke, das Fischwanderprojekt beim Axpo-Kleinkraftwerk und die kantonale Veloroute beschäftigen Unterwindisch.
Das Axpo-Kleinkraftwerk braucht eine hindernisfreie Fischpassage. (Bild: hpw)

Windisch – Vizepräsidentin Anita Bruderer hat von der zurückgetretenen Gemeindepräsidentin Hedi Ammon den Lead in der umstrittenen Erneuerung der Spinnereibrücke übernommen. Sie informierte am Montagabend an einer gut besuchten Veranstaltung über den Stand des Verfahrens. Ob die 110-jährige, schmale Stampfbetonbrücke durch eine stützenlose, breitere Stahlträgerbrücke ersetzt wird, wie es der Einwohnerrat Windisch und die Gemeindeversammlung Gebenstorf 2021 beschlossen, hängt noch von der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutz-Kommission ab. Mit der Brückenfrage sind zudem das Fischpassageprojekt für das Axpo-Kleinkraftwerk und die Veloroute Brugg-Baden verbunden.

Wichtige Haltung abwarten
Gegen das im Herbst 2024 aufgelegte Brückenprojekt gingen fünf Einwendungen ein. Dazu wurden Ergänzungsgutachten eingeholt und offenbar im Dezember 2025 – warum nicht schon früher? – auch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) in das Verfahren einbezogen.

Die ENHK ist zur Stellungnahme legitimiert, weil der Brückenneubau im Perimeter des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler (BLN) liegt. Von ihrer Haltung hängt einiges ab. Sobald die Rückmeldung vorliege, informiere der Gemeinderat weiter, versprach Vizepräsidentin Anita Bruderer. 

Hält die ENHK das neue Projekt für landschaftsverträglich, ist wohl eine wichtige Hürde genommen. Aber was passiert beim Gegenteil? Bleibt dann die alte Brücke bestehen? Ihr wird neuerdings aufgrund von Nachforschungen eine kulturhistorische Bedeutung zugemessen, aber sie ist laut einem Gutachten hochwassergefährdet. Die Pfeiler wurden 2019 notfallmässig verstärkt – mit fünfjähriger Garantiedauer. Als wichtiges Argument für einen Neubau dient nicht nur der aktuelle Zustand des Stegs, sondern er erscheint den Behörden zu schmal, um auch noch die kantonale Veloroute Brugg-Baden aufzunehmen. 

Der Grosse Rat verankerte vor zwei Jahren das Velonetz im Richtplan. Die Verbindung Brugg-Baden führt in Unterwindisch über die Reuss – voraussichtlich über die neue Spinnereibrücke. Doch der Kanton prüft inzwischen mehrere Varianten, sowohl durch das Quartier wie über die Reuss, wie Jeannine Geiser darlegte. In Frage kommen entweder die etwas längere Strecke auf der Dorfstrasse, via Restaurant «Kurve» und Spinnereiareal, oder die kürzere, steilere und gepflästerte Ländestrasse. Die Wahl hängt nicht zuletzt davon ab, an welcher Stelle die Reuss überquert wird. Entschieden ist noch nichts.

Neu ins Spiel brachte die Kantonsvertreterin neben der alten respektive neuen Spinnereibrücke eine separate Velobrücke in Verbindung mit dem von der Axpo geplanten neuen Horizontalrechen schräg über den Fluss. Das könnte bedeuten, dass die von Velofahrenden entlastete bisherige Spinnereibrücke nicht aus Dimensionsgründen ersetzt werden müsste. Die Kombination von neuem Rechen und Velobrücke ergäbe allerdings ein stattliches Bauwerk, das nach den BLN-Kriterien wohl auch noch das Interesse der Eidgenössischen Natur- und Heimschutzkommission wecken dürfte.

Sichere Fischpassage
Die Axpo als heutige Besitzerin des früheren Spinnerei-Kraftwerks muss nach Gewässerschutzgesetz für einen sicheren Fischdurchlass flussauf- und -abwärts sorgen. Sie sucht im Einvernehmen mit den Behörden, Fischer- und Naturschutzkreisen eine einvernehmliche Lösung, wie Julian Meister bekanntgab. Gerade der Standort Wasserschloss ist für die Fischzirkulation wichtig. 

Am Informationsanlass konnten Verständnisfragen gestellt werden. Über das Für und Wider der Projekte wurde dabei nicht weiter diskutiert. Kritische Anmerkungen, etwa zu den unterschiedlich breiten Velostrecken über Brücken und Strassen, gab es dennoch.