Die Kunst der Kommunikation

Ein Projekt des Zukunftslabors Wettingen regt durch Teddys glückliche Zufallsfunde in Form von neuen Begegnungen und Bekanntschaften an.
Bärenstarke Begleiter im Alltag. (Bild: sim)

Wettingen – Das Kunstprojekt «Bär*in ‹ad› Option» wurde vor über einem halben Jahr vom Team des Zukunftslabors Wettingen initiiert. Dabei wurden sieben Riesenteddybären, jeder misst rund 1,6 Meter, für sechs Monate zur Adoption ausgeschrieben. Die Vorgabe: Wer einen davon in Obhut nahm, sollte den Teddybären an seinem oder ihrem Alltag teilhaben lassen und die sich daraus ergebenden Gespräche und Begegnungen in Text, Bild oder Film festhalten.

Die Menschen mit etwas Überraschendem zu konfrontieren und sie damit aus ihrem Alltagstrott zu holen, war Ziel der Aktion zum Thema Serendipität. Serendipität respektive das Serendipitätsprinzip meint die Fähigkeit, in zufälligen Beobachtungen ursprünglich nicht gesuchte vorteilhafte Gelegenheiten und Möglichkeiten zu erkennen. Die gesammelten Beiträge der verschiedenen «Adoptiveltern» wurden am Wochenende in einer Kurzausstellung im Zukunftslabor auf der Klosterhalbinsel in Wettingen gezeigt. «Wir haben uns überlegt, wie sich dieses Prinzip in der Kunst anwenden lässt», erläuterte Urs Dätwiler vom Zukunftslabor die Idee hinter dem Projekt anlässlich der Vernissage am Freitagabend. «Uns wurde bewusst, dass wir dafür einen Auslöser brauchen», ergänzt seine Kollegin Simona Hofmann. Weil sie selbst seit ihrer Kindheit von Teddybären begeistert ist, fiel die Wahl schlussendlich auf die sieben Riesenteddys.

Das Kunstprojekt «Bär*in ‹ad› Option» des Zukunftslabors Wettingen dreht sich um sieben 1,6 Meter grosse Teddybären. (Bild: sim)

Nie zu alt für Teddybären
Auf die Ausschreibung zur «Adoption» meldeten sich sowohl Privatpersonen als auch Organisationen, die einem der Teddys ein Zuhause auf Zeit bieten wollten. Während sechs Monaten sorgten die Teddys in ihrem neuen Umfeld für Verwunderung, Belustigung, Neugier und viele Gespräche. Die Ausstellung im Zukunftslabor in Wettingen gab einen Einblick in die Begegnungen und Erfahrungen der «Adoptiveltern». Einer der Teddys fand beispielsweise in der Neuropraxis in Wohlen ein neues Zuhause. Dort sass der Teddy Kiwi häufig im Wartezimmer und sorgte durch seine blosse Anwesenheit für zahlreiche Gespräche zwischen den Wartenden.

Auch die Schule Neuenhof übernahm die Sorgepflicht für einen der Teddys, der nach einem aufwändigen Abstimmungsverfahren auf den Namen «Teddy» getauft wurde. Hier wanderte der Teddy wochenweise von Klasse zu Klasse und erfreute sich grosser Beliebtheit. Er nahm am Unterricht teil und machte mit den Schülerinnen und Schülern Hausaufgaben. Obwohl gerade ältere Schülerinnen und Schüler dem Bären gegenüber anfangs skeptisch gewesen seien, wie Gesamtschulleiter Reto Geissmann erklärt, wurde der Bär schnell zu einem Symbol, insbesondere für den Klassenzusammenhalt. «Am Ende waren es sogar vor allem die älteren Schülerinnen und Schüler, die Teddy für sich beanspruchten.» In diesen wenigen Monaten war der Teddybär bereits zum festen Bestandteil der Schulgemeinschaft geworden. «Als ich mich heute Abend auf den Weg zur Vernissage machte und zwei Schülerinnen sahen, wie ich den Teddy dafür ins Auto lud, fragten sie mich: ‹Geht er jetzt weg für immer?›», bekräftigt Reto Geissmann.

Spontane Heiterkeit
Das Team des Badener Reisebüros Dreamtime Travel taufte seinen Bären auf den Namen «Ukuku». Gerade im Zug, auf Geschäftsreise zwischen Baden und Bern, habe der Teddy für zahllose spontage Gespräche und gute Laune gesorgt, wie Co-Managing Director Dominic Eckert erklärte: «Die Menschen sind einfach neugierig, wenn sie dem Bären begegnen. Sogar dem grummeligsten Kondukteur zauberte die Begegnung ein Lächeln ins Gesicht.» Nur einmal musste der Bär wegen des hohen Fahrgastaufkommens in die Gepäckablage umziehen.

Im Regionalen Pflegezentrum Baden fingen Seniorinnen in der Strickgruppe an, warme Pullis für ihren Ueli und die übrigen der sieben Teddys anzufertigen. Eine Seniorin war von dem Bären derart begeistert, dass ihr die Familie zum 80. Geburtstag ihren eigenen Riesenteddy schenkte. «Ich nahm Ueli auch mit an eine Sitzung der Geschäftsleitung», offenbarte RPB-Geschäftsleitungsmitglied Markus Simon anlässlich der Vernissage. «Es war sehr spannend zu sehen, was für Reaktionen das auslöste.»

Im Hotel Limmathof in Baden weilte der Adoptivbär oft im Eingangsbereich, wo er die Gäste empfing und ein beliebtes Fotomotiv war. Weil alle Beteiligten die Plüschtiere während dieses halben Jahres ins Herz geschlossen haben, dürfen sie diese behalten. Nur einer der sieben Teddys geht als Wanderbär weiterhin auf Tour.