Der Blick in die Zukunft ist schwierig

Über 100 Personen erhielten einen Einblick in den Stand der Planungsarbeiten «Stadtraum Bahnhof», die noch längst nicht abgeschlossen sind.
Das Gebiet rund um den Bahnhof soll sich verändern. (Bild: Archiv)

Windischs neu gewählte Gemeindepräsidentin Luzia Capanni begrüsste nebst der Brugger Stadtpräsidentin Barbara Horlacher auch überraschend viele Interessierte – die Aula des Schulhauses Chapf war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Kein Wunder, ging es doch um die visionäre Entwicklung des Stadtraums Bahnhof, dem Zentrum zwischen Windisch und Brugg. Begrenzt wird die fragliche Zone durch die Bahnlinien und die Zürcherstrasse bis zum Bachnagel-Kreisel. Direkt betroffen sind also das Campus-Gelände und die Windischer Quartiere Reutenen und Klosterzelg.

Reto Candinas – im Gemeinderat Windisch für die Raumplanung zuständig – betonte, dass es sich um eine langfristige Planung mit einem Horizont irgendwo um die Jahre 2040 oder sogar 2050 handle. Als Zielsetzung nannte er die Erschliessung und den möglichst autoarmen Ausbau des Stadtraums Bahnhof. Hauptsächliche Themen sind die Verkehrsführung (Autos, ÖV, Langsamverkehr), allfällige Verkehrsumlagerungen und Parkiermöglichkeiten. Als übergeordnete Erkenntnis nannte Candinas den Verzicht auf einen Anschluss an die geplante Zentrumsentlastungsstrasse.

Luzia Capanni, Gemeindepräsidentin von Windisch (links) und Bruggs Stadtpräsidentin Barbara Horlacher. (Bild: pbe)

Attraktive Wohnquartiere
Roland Schneider, seines Zeichens Windischer Leiter Planung und Bau, vermittelte einen vertieften Einblick in den Stand der Planungsarbeiten. Mit Blick in die Jahre 2040 plus rechne man für das genannte Gebiet mit bis zu 6000 Bewohnenden und einem Bedarf von 1000 Parkplätzen in zentralen Parkierungsanlagen. Die Industriestrasse entlang der Bahnlinie soll weitgehend autofrei sein.

Im Fokus stehen die beiden oben genannten Wohnquartiere, die gegenwärtig von rund 2000 Personen bewohnt werden, gut erschlossen sind und eine ebenso gute Anbindung an das übergeordnete Verkehrsnetz aufweisen. Auch die Belastung zu den Tagesspitzenzeiten zwischen 17 und 18 Uhr hält sich sehr in Grenzen. Bis ins Jahr 2040 rechnet man mit einer Zunahme von 15 Prozent, also mit ungefähr 2300 Personen. Auch unter diesen Voraussetzungen liegt die Auslastung, etwa der Knotenpunkte, noch weit unter einer kritischen Grösse.

Roland Schneider, Leiter Planung und Bau in Windisch, erläutert einige Planungsvarianten. (Bild: pbe)

Reutenenstrasse im Fokus
Welche Erschliessungsvarianten sind unter diesen Voraussetzungen überhaupt denkbar? Die «billigste» wäre natürlich, gar nichts zu tun und den Status quo einfach weiter bestehen zu lassen. Denkbar wäre sodann eine gesteuerte Beschränkung der Fahrtenzahl in den Stadtraum, etwa mittels geringerer Parkiermöglichkeiten oder einer Schrankensteuerung. Auch eine Aufklassierung der Klosterzelgstrasse wurde geprüft, aber nicht für sinnvoll erachtet. Hingegen steht für die Planer die Reutenenstrasse zur Erschliessung der Wohnquartiere als beste Lösung im Vordergrund: Eine moderate Erhöhung des Verkehrsaufkommens erscheint verkraftbar, die weitere Klassierung als Velohauptroute und ÖV-Trassee bleibt möglich. Es versteht sich von selbst, dass die Reutenenstrasse bei einer Realisierung dieser Variante einiger baulicher Massnahmen bedürfte, zumal sie nicht auf ihrer ganzen Länge eine einheitliche Fahrbahnbreite aufweist.

Manche der anschliessenden Fragen aus dem Publikum thematisierten Detailfragen, die in dem gegenwärtigen Planungsstadium noch nicht beantwortet werden konnten. Der Aargauer Abteilungsleiter Verkehr, Carlo Degelo, ging jedoch auf die Möglichkeit einer verlängerten Tunnelvariante ein, die für die Zentrumsentlastungsstrasse auch schon erwogen wurde. In erster Linie aus finanziellen Gründen wurde diese jedoch nicht weiterverfolgt, verursache sie doch Mehrkosten von mindestens 300 Millionen Franken, womit das ganze Vorhaben gegen eine Milliarde Franken verschlingen würde.

Eine weitere Frage betraf die Ausbaupolitik der SBB. Eine erhöhte Nutzung der Bahn könnte auch Auswirkungen auf die angedachte Verkehrsführung im Stadtraum Bahnhof haben. Da kein SBB-Vertreter anwesend war, blieb die Frage offen. Allerdings wurde darauf verwiesen, dass die SBB einen derart hohen Investitionsbedarf hätten, dass hier in näherer Zukunft keine grösseren Projekte umgesetzt werden dürften.

Der Abend machte deutlich, wie notwendig und gleichzeitig wie schwierig eine Planung dieser Grössenordnung ist. Roland Schneider brachte diesen Umstand in urchigem Berndeutsch auf den Punkt: «Das brucht meh als drü Chesseli Farb und es paar Dachlattli!»