Wettingen – 49 von 50 Einwohnerrätinnen im Saal anwesend – sowie Angehörige, Bekannte und Freunde in grosser Zahl auf der Tribüne: das Wettinger Gemeindeparlament traf sich zur feierlichen Inpflichtnahme seiner Mitglieder und der Wahl seiner Gremien. Anders als in Baden, wo ein Alterspräsidium bis zur Wahl der neuen Ratsleitung das Zepter übernimmt, eröffnet der Gemeindeammann die neue Legislatur. Amtsinhaber Markus Haas erinnerte die Gewählten daran, dass jede und jeder von ihnen 440 Wettingerinnen und Wettinger vertritt – eine Verantwortung, der man sich immer bewusst sein müsse.
Alle Wahlen geheim
Im Gegensatz zu Baden sind in Wettingen alle Wahlen geheim – die Möglichkeit, dass eine Mehrheit des Einwohnerrats fallweise offene Wahlen verlangt, gibt es nicht. So wechselten sich die Wahlgänge mit grösseren Pausen für die Auszählung der Stimmen ab. Bei der Wahl zur Präsidentin erhielt Ursula Depentor (Mitte) 39 von 49 Stimmen. Sie wurde damit die zweite Präsidentin in der Geschichte des Wettinger Einwohnerrats. Die erste Frau, welche dieses Amt vor 25 Jahren bekleidet hat, war Margrit Wahrstätter (EVP). Sie gehört (mit einer Pause) noch immer dem Gemeindeparlament an. Vizepräsident wurde mit 35 Stimmen Markus Bader (SVP). Bader ist seit 2007 Einwohnerrat und damit dessen amtsältestes Mitglied. Zu Stimmenzählerinnen wurden Gabriela Keller (FDP) und Katharina Urfer-Steiner (SP/Wettigrüen) bestimmt.
Für die Zusammensetzung der Finanz- sowie Geschäftsprüfungskommission und des Wahlbüros folgten die Fraktionen dem Parteienproporz. So hiess es aus den Reihen der SVP: «Wir stellen uns auf den Standpunkt, dass die Kommissionen ein Abbild der Fraktionsstärken darstellen sollen.» Zu Kampfwahlen kam es denn auch nur für die Besetzung des Präsidiums der Finanzkommission (Fiko). Dieses wurde gegen Ende der letzten Legislatur durch Adrian Knaup (SP) wahrgenommen. Ihm, respektive seiner Partei, machte die Mitte dieses Amt mit Roland Brühlmann streitig. Brühlmann und Knaup sind letztes Jahr bei den Gemeinderatswahlen gescheitert (beide Parteien verloren dabei ihren zweiten Sitz im Gemeinderat). Die beiden haben jedoch äusserst erfolgreich für das Gemeindeparlament kandidiert.
Zittersieg für Brühlmann
Für Brühlmann als Fiko-Präsidenten hatten sich im Vorfeld FDP, GLP und SVP ausgesprochen. Die GLP begründete ihre Unterstützung so: Für Orun Palit, GLP-Gemeinderat und Ressortvorsteher Finanzen, sei eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem Fiko-Präsidium wichtig. «Roland Brühlmann hat mit seinen Führungsvisionen und seiner Bereitschaft zur Zusammenarbeit in finanztechnischen Fragen eine Mehrheit der Fraktion von sich überzeugt.» Eine klare Sache also? Die Überraschung war gross, als Brühlmann mit nur 31 Stimmen in die Kommission gewählt wurde, während Knaup 44 bekam.
Dann die Wahl des Präsidiums: 24 Stimmen für Brühlmann, 23 für Knaup, womit das absolute Mehr von 25 Stimmen verfehlt wurde. Zweiter Wahlgang, Hochspannung im Saal, als die Stimmenzählerinnen mit ihrem Resultat zurückkamen: 25 Stimmen für Brühlmann (der damit gewählt ist) und 23 für Knaup.