Auf der Suche nach Theaterleuten

Wer will in Bözberg auf die Bühne? Der Chor Bözberg ist auf der Suche nach neuen Mitgliedern für die Theatergruppe. (Bild: Archiv)

Bözberg – «Dieses Jahr findet leider kein Theater der Theatergruppe Bözberg statt.» Wer die Website des Theaters besucht, stösst auf der Startseite auf diesen Satz vom letzten Herbst – dazu gibt es einen Link zu Fotos von vergangenen Aufführungen. In der Rubrik «Über uns» steht wiederum ein letzter Aufruf: «Falls du gerne in unserem Theater mitmachen möchtest oder einfach nur wissen willst, wie das bei uns so läuft, dann melde dich hier ganz ungeniert und unverbindlich.»

Die Internetseite gibt es noch, die Theatergruppe in der bisherigen Form jedoch nicht mehr. «Ja, wir sind nicht mehr aktiv», bestätigt Lilly Bolomey. Die Theaterfrau sagt, der Aufruf vom letzten Jahr, verbunden mit einer Plakataktion, habe zwar das Interesse einiger jüngerer Leute geweckt. Gewisse von ihnen würden jetzt auch gerne auf der Bühne stehen. Ein Grossteil der Theatergruppe sei aber überaltert gewesen. Zweimal pro Woche proben von August bis zur Aufführung jeweils im Spätherbst inklusive einem Probewochenende, an dem man weg sei von zuhause – das sei sehr aufwendig gewesen. «Dann kamen wie in meinem Fall noch gesundheitliche Aspekte dazu. Ich selbst konnte nicht mehr auf die Bühne», erklärt Bolomey. Am Ende hätten sich die Regisseurin Christa Crausaz und Didi Gygli, der einige der Stücke selbst verfasst hatte, zurückgezogen. Das alles habe zum Ende der Theatergruppe geführt.

Zusammen mit den Vereinen
Einmal pro Jahr hatte die Gruppe seit den frühen 80er-Jahren in Bözberg ein Stück auf die Bühne gebracht; es war jeweils ein wichtiger Termin im Kalender der Gemeinde. Mit dabei waren der Chor Bözberg, der zur Einstimmung in den Abend ein kurzes Konzert gab, der Feuerwehrverein, danach der STV Bözberg, der für das Kulinarische sorgte, und der Kurverein, der die Bar organisierte.

Während die Theatergruppe selbst nun auf Eis gelegt ist, hat es sich eben dieser Chor zur Aufgabe gemacht, sie zu retten. Er hat einen Aufruf gestartet und diesen an die lokalen Medien versandt. Darin steht: «Über viele Jahre gehörte das Theaterspielen fest zu Bözberg. Auf und hinter der Bühne trafen sich Jugendliche, Eltern, Grosseltern, Neuzugezogene, Auswärtige und Urgesteine des Dorfes – alle mit demselben Ziel: gemeinsam einen Abend zu gestalten, den niemand so schnell vergisst». Viele ehemalige Theaterleute oder deren Angehörige erzählten noch heute von lustigen Proben, spontanen Einfällen, Versprechern auf der Bühne, wenn jemand vor Lachen kaum weiterspielen konnte, und vom besonderen Gefühl, wenn das Publikum lacht und applaudiert.

«Damit diese schöne Tradition auf dem Bözberg wieder aufleben kann, werden nun neue Mitspielerinnen und Mitspieler gesucht», heisst es abschliessend. «Ob auf der Bühne, beim Kulissenbauen, in der Organisation oder als helfende Hand im Hintergrund – jede und jeder ist willkommen.» Es brauche keine Profis, sondern Neugier, Offenheit und Freude am Miteinander. Als Kontaktpersonen werden die Chormitglieder Christine Kohler, Cees Verbree und Werner Roth genannt.

Der Chor Bözberg setzt sich für die Theatergruppe ein. Im Bild: Christine Kohler. (Bild: leh)

Etwas Verbindendes
«Wir hoffen, genug Leute zu finden, damit die Theaterabende wieder stattfinden können», sagt Christine Kohler. «Bözberg hatte seit Jahren sein eigenes Theater. Jeder und jede im Dorf kennt jemanden, der einmal auf der Bühne stand – wie auch mein verstorbener Mann.» Die Theatergruppe habe etwas Verbindendes gehabt, und es wäre extrem schade, wenn diese Tradition nun für immer vorbei wäre, so Kohler.

Warum sich die Theatergruppe selbst nicht ins Zeug legt, damit es weitergehen kann, vermag die heute in Windisch wohnhafte ehemalige Bözbergerin nicht genau sagen. «Das ist eine gute Frage», sagt Kohler. «Die Gruppe hat es ja versucht und im vergangenen Jahr ebenfalls einen Aufruf gestartet. Aber irgendwann ist die Energie draussen. Es bräuchte Leute, die sich weiterhin engagieren.»

Beschluss an der GV
Diese finden sich nun im Chor. «Wir haben an der letzten Generalversammlung beschlossen, das Projekt zu starten.» Eine Wiederbelebung der Theaterabende wäre dabei nicht nur für die Gemeinde von Bedeutung, sondern für den Chor auch von eigenem Nutzen. «Wir konnten unsere jährlichen Ausgaben zu einem beträchtlichen Teil aus den Einnahmen der Abende finanzieren», sagt Kohler. «Wir organisierten eine Tombola und das Kuchenbuffet.» Dieses Einkommen falle nun weg.

Ob der Aufruf erfolgreich sein wird, muss sich weisen. Im Dorfblatt war der Aufruf des Chors im Januar jedenfalls drin. «Und fünf Leute haben sich bereits gemeldet», sagt Kohler – womit ein Anfang gemacht wäre. Melden sich noch weitere Interessierte, dürfte das Stück «De Yeti vom Chrüzmoor» aus dem Jahr 2024 keine Derniere gewesen sein.