Auf der Suche nach der Eleganz

Beauty, Lifestyle, Rezepte – Fiorina Marietta hat sich ihren Auswandertraum erfüllt und schreibt am anderen Ende der Welt über Branchentrends.
Foto-Shootings sind ein Teil von Fiorina Mariettas Arbeit. (Bild: zVg)

Ehrendingen – Die Faszination für Amerika war schon immer da, erzählt Fiorina Marietta im Video-Interview, welches gleich mehrere Zeitzonen überbrückt. Denn die Modebloggerin, die in Ehrendingen aufgewachsen ist, hat sich ihren Traum vom Auswandern bereits sehr früh erfüllt und lebt heute in Beverly Hills, Kalifornien – im direkten Umfeld der Stars und der Westküstenmetropole Los Angeles.

Das Interesse für Mode war ebenfalls schon immer vorhanden. «Nur hätte ich damals nie gedacht, dass ich wirklich eine Karriere damit aufbauen kann», erzählt die 23-Jährige über ihre grosse Leidenschaft. Auf das erste Austauschjahr an der US-Westküste folgte fast direkt die eigenständige Anmeldung an eine Privatschule in Torrance, Kalifornien – High School statt Kanti.

2022 startete Fiorina Marietta Hein, die bei ihrer Arbeit auf den Nachnamen verzichtet, ihren heutigen Blog. Ein Modetagebuch als Hobby und spätere Grundlage für ihre berufliche Karriere. Denn in den USA ist Bloggerin eben doch ein Ausbildungsberuf, wie ihr Studium an einer privaten Hochschule, dem Fashion Institute of Design and Merchandising, zeigt. Dort lernte sie nicht nur viel über die Modeindustrie, sondern auch über Marketing, Geschäftsmodelle und das professionelle Schreiben. Die meisten ihrer ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen arbeiten heute in Boutiquen, Modefirmen oder Modemagazinen, wie Fiorina Marietta berichtet.

Leben einer Influencerin
Der Alltag der Influencerin unterscheidet sich dabei gar nicht so sehr von der Redaktionsarbeit der Medienlandschaft. Gezählt werden am Ende des Tages die Klicks, die Interaktionen oder eben «die Views». Diese waren am Ende ihres vierjährigen Studiums in Kalifornien so gut, dass sich die gebürtige Ehrendingerin für den Schritt in die Selbstständigkeit entschied. Neben ihrer eigenen Website fiorinamarietta.com ist sie ausserdem auf den Plattformen Instagram, Tiktok und Pinterest aktiv. «Die grösste Plattform für mich ist Pinterest; um die Weihnachtszeit habe ich ungefähr eine Million Views. Und ich benutze sie als Trichter, um die Leute auf meine Website zu locken», erzählt Fiorina Marietta.

Der Tag einer richtigen Influencerin beginnt natürlich mit einer Tasse Kaffee. «Meist produziere ich dabei gleich Content, indem ich zum Beispiel filme, wie ich den Kaffee zubereite. Danach geht es los mit der Recherche nach aktuellen Keywords und SEO-Begriffen – was ist trendy?», berichtet Fiorina Marietta von ihrem Alltag. So werden Beiträge mit neuen Schlagworten oder Fotos angepasst, damit man bei Google und Co. eine höhere Präsenz hat. «Wenn ich keine passenden Bilder im Archiv habe, mache ich noch ein Foto-Shooting», ergänzt die Unternehmerin. Am Nachmittag wartet die Videobearbeitung für die jeweiligen Plattformen und ein einstündiges Laufprogramm. Wenn man selbst vor der Kamera steht, darf die Selbstoptimierung natürlich nicht fehlen. «Selbst beim Coiffeur oder beim Shoppen werden mir Themen von Leuten vorgeschlagen», berichtet Fiorina Marietta.

Als Selbstständige arbeitet sie meist zwischen 50 und 60 Stunden pro Woche: «Manchmal spät in die Nacht hinein.» Vor allem die zweite Jahreshälfte sei intensiv. Die Arbeit für Weihnachten beginnt für die Fashion-Bloggerin bereits Anfang September. Dafür schätzt sie es auch sehr, die volle Kontrolle über alle Aspekte zu haben. «Und ich liebe es, wie kreativ die Arbeit ist», sagt Fiorina Marietta.

Arbeit ist auch für die Produktion von Online-Inhalten genau das richtige Wort. So nimmt ein Foto-Shooting inklusive Bildbearbeitung schon mal drei Stunden in Anspruch. Neben einer guten Idee benötigt man auch das richtige Licht; ein Vorteil im sonnigen Los Angeles ohne europäische Jahreszeiten. «Ich habe ein Pre-Set, welches ich für die meisten Instagram-Fotos benutze, und dann noch eines für den Blog, aber manchmal funktionieren die nicht für alle Fotos», erklärt Fiorina Marietta. «Mir gefällt es, wenn meine Fotos alle sehr ähnliches Licht und Farben haben.» Dafür stehen allein in ihrem Büro zehn Kameras und noch mehr Objektive zur Verfügung. Bei grösseren Kampagnen unterstützen aber neben Make-up-Artist und Coiffeuse auch eine professionelle Fotografin.

Mindsets
Das Schweizerdeutsch sei inzwischen nicht mehr so gut wie früher, gesteht die Bloggerin. Aber der nächste Besuch in Ehrendingen, wo ihr Vater und ihre Schwester leben, ist bereits geplant. Das Amerikanische ist inzwischen zu ihrer «Second Nature» geworden, auch wenn die junge Frau in ihrem Umfeld als sehr europäisch angesehen wird. «Ich backe immer noch jedes Jahr die Weihnachtskekse nach dem Rezept meiner Oma – das verstehen die Amerikaner nicht», erzählt Fiorina Marietta mit einem Lachen.

An den USA schätzt sie dafür die Offenheit für neue Ideen und den berühmten Gründungsgeist: «Wenn jemanden einen Traum hat, egal in welchem Alter – hier ist alles möglich.» Ein Traum, den sie sich selbst noch erfüllen möchte, ist der der eigenen Modemarke. «Ich liebe es, mit neuen Ideen zu spielen», sagt Fiorina Marietta.

Und was ist für die Modeexpertin in diesem Jahr ganz klar «out»? «Animal Print. Und im Frühling 2025 war alles buttergelb, das will ich dieses Jahr nicht mehr sehen», lacht die Bloggerin.