Schweizer Autobesitzer setzen auf Eigentum

Trotz spannender Alternativen zum Barkauf wollen Herr und Frau Schweizer ihr Auto nach wie vor besitzen. Das zeigt eine Befragung des TCS. Für ein Leasing entscheidet sich nur ein Bruchteil.
Die Schweizer kaufen ihr Auto vorwiegend beim Händler und bezahlen es bar oder per Überweisung. (Bild: zVg)

Region – Eine Erhebung, die der Touring Club Schweiz (TCS) 2025 durchführte, zeigt: Wer in der Schweiz ein Auto fährt, will es auch besitzen. Neuen Mobilitätsangeboten und flexiblen ­Finanzierungsmodellen zum Trotz bleibt der Direktkauf die mit Abstand bevorzugte Variante. Auch das klassische Leasing ist in der Schweiz im Vergleich wenig beliebt, obwohl es in bestimmten Situationen klare Vorteile haben kann.

Etwa 4,8 Millionen Personenwagen sind aktuell auf Schweizer Strassen unterwegs – der Bestand hat sich in den letzten rund 40 Jahren verdoppelt. Die Anzahl Fahrzeuge pro Person ist in diesem Zeitraum allerdings weniger stark gestiegen, da Angebote wie Autoabos oder Carsharing hinzugekommen sind. Vor diesem Hintergrund untersuchte der TCS im vergangenen Jahr in einer Onlinebefragung, wie Herr und Frau Schweizer ihr Fahrzeug finanzieren. Das Resultat ist eindeutig: 92 Prozent der Befragten besitzen ein eigenes Auto. ­Alternative Nutzungsmodelle wie Autoabos sind also noch eine Randerscheinung.

Regionale Unterschiede
Die Studie zeigt ausserdem eine klare Präferenz für den Direktkauf: Vier von fünf der befragten Schweizerinnen und Schweizer haben ihr Fahrzeug bar oder per Überweisung bezahlt. Für ein Leasing haben sich nur 10 Prozent entschieden, weitere 10 Prozent haben ihr Auto nach Ablauf eines Leasingvertrags übernommen. Ins Auge fallen dabei regionale Unterschiede: Während der Leasinganteil in der Deutschschweiz lediglich bei 8 Prozent liegt, ist er im Tessin mit 18 Prozent deutlich höher. Der französischsprachige Landesteil rangiert mit 13 Prozent dazwischen.

Natürlich sind die individuellen Gründe für den Direktkauf sehr unterschiedlich. Gemäss der Studie folgen sie aber einem klaren Muster: Über 80 Prozent der Befragten gaben an, keinen Vorteil in einer Fremdfinanzierung zu sehen und ausserdem über ausreichende finanzielle Mittel zu verfügen. Ebenfalls äusserten  vier von fünf der Käuferinnen und Käufer die Absicht, ihr Fahrzeug langfristig behalten zu wollen. Hinzu kommt die klare Haltung, dass man keine Schulden machen möchte. 

Die Leasingkunden argumentieren anders: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sie ihr Kapital nicht im Fahrzeug binden, sondern es anderweitig verwenden oder investieren wolle. Der Zugang zu einem neuen, modern ausgestatteten Fahrzeug war für 46 Prozent ausschlaggebend. Für 17 Prozent war eine kurzfristig veränderte Lebenssituation der Grund für ein Leasing.

Neue Finanzierungsmodelle wie das Autoabo sind hierzulande eine Randerscheinung

Langfristige Bindung schreckt ab
Die Zurückhaltung gegenüber dem Fahrzeugleasing wird in erster Linie damit begründet, dass die langjährige Bindung an einen Kreditvertrag als belastend empfunden werde. Das gaben immerhin 60 Prozent an. Zudem befürchtet mehr als die Hälfte der ­Befragten, bei einem Leasing am Ende mehr zu bezahlen, als das ­Fahrzeug tatsächlich wert ist. Denn neben den monatlichen Leasingraten ent­stehen zusätzliche Kosten: Eine obligatorische Vollkaskoversicherung, vertraglich geregelte Reparaturpflichten sowie mögliche Rücknahmegebühren erhöhen die Gesamtbelastung. Der TCS empfiehlt deshalb eine einfache Faustregel zur Kalkulation der Kosten: Die Leasingrate mal zwei entspricht ungefähr den tatsächlichen Gesamtkosten pro Monat. Bei Occasionen sollte sogar mit dem Drei­fachen der Leasingrate gerechnet werden. 

Ein Leasing kann aber – trotz der ­offenbar weitverbreiteten Skepsis – unter bestimmten Voraussetzungen sinnvoll sein. Gerade wer regelmässig ein neues, technisch aktuelles Auto fahren möchte, ohne sich langfristig an ein Modell zu binden, findet im Leasingmodell eine passende Lösung. Ein stabiles Einkommen in der entsprechenden Höhe ist dafür natürlich eine Grundvoraussetzung. Auch bei Elektroautos kann ein Leasing vorteilhaft sein: Da die Restwerte von Elektrofahrzeugen derzeit schwer prognostizierbar sind, kann ein Leasing vor finanziellen Einbussen beim Wiederverkauf schützen. Eine Auswertung aus Deutschland zeigt, dass dort Elektroautos bei Leasingnehmern besonders gefragt sind (vgl. Box). 

Bemerkenswert ist daneben ein ­anderes Ergebnis der TCS-Umfrage: Nur 22 Prozent der befragten Schweizerinnen und Schweizer setzen sich vor dem Fahrzeugkauf vertieft mit den verschiedenen Finanzierungs­modellen auseinander. Der TCS sieht hier – in Anbetracht der finanziellen Tragweite einer solchen Entscheidung – deutlichen Informationsbedarf.