Lebendige Eisenbahngeschichte

Mit historischen Extrazügen, einem Buch und einem Fest werden am 16. August 150 Jahre Bahnstecke ­Koblenz–Winterthur gefeiert.
Die Historische Vereinigung des Bezirks Zurzach, vertreten durch Georg Edelmann, Thomas Färber und Rolf Lehmann (hier als NOB-Direktoriumspräsident Peyer im Hof), sowie Martin Seeger und Jonas Lissa vom Verein Depot und Schienenfahrzeuge Koblenz organisieren zum Bahnjubiläum ein Fest. (Bild: bkr)

Region – Schweizerische Nordostbahn (NOB): ein Name, der Zugreisenden von heute kaum etwas sagen dürfte. Bekannter ist die ab 1847 zwischen Baden und Zürich verkehrende Spanisch-Brötli-Bahn. Sie befuhr die erste Eisenbahnstrecke der Schweiz und wurde 1853 durch Fusion ihrer Trägergesellschaft mit der Zürich-Bodenseebahn zur NOB. Deren erster Präsident war Eisenbahnpionier Alfred Escher – Promotor der Gotthardbahn und Gründer der Kreditanstalt.

Ab Turgi ins Ausland
Rasch wuchs die NOB unter der Führung Eschers zur Eisenbahngesellschaft mit dem grössten Schienennetz der Schweiz. Im Rahmen der Expansion konnte das Unternehmen am 18. August 1859 die Strecke Turgi–Waldshut und damit eine direkte Schienenverbindung ins Ausland eröffnen. Heute ist sie für zahlreiche Grenzgängerinnen und -gänger aus dem Raum Waldshut-Tiengen ein wichtiger Anschluss an die Regionen Baden und Brugg. Gross gefeiert wurde in Koblenz auch am 1. August 1876. Nein, nicht den Bundesfeiertag (diesen gibt es erst seit 1891), sondern die neue Bahnlinie Winterthur–Ko­blenz. Präsident des Direktoriums der NOB war damals der Schaffhauser ­Johann Friedrich Peyer im Hof. An einer Präsentation der für das Jubiläum geplanten Aktivitäten schlüpfte Rolf Lehmann, Präsident der Historischen Vereinigung des Bezirks Zurzach (HVBZ), in dessen Rolle und ­berichtete aus jener Zeit. Einer der Passagiere der ersten Fahrt war Bundesrat Emil Welti – zuständig für das Eisenbahnwesen und gebürtiger Zurzacher. Eine Fussnote: Weltis Sohn hat eine Tochter Eschers geheiratet.

Rolf Lehmann, Präsident der Historischen Vereinigung des Bezirks Zurzach, in der Rolle von Johann Friedrich Peyer im Hof, dem damaligen Präsidenten des Direktoriums der Schweizerischen Nordostbahn. (Bild: bkr)

Für eine gebührende Feier des 150-Jahr-Jubiläums haben sich zwei Vereine zusammengefunden: Zum einen die HVBZ, zum anderen der Verein Depot und Schienenfahrzeuge ­Koblenz (DSF). Thomas Färber, Journalist und promovierter Historiker, schilderte die Vorgeschichte dieser Zusammenarbeit. So hat Roland Baldinger, Besitzer des ehemaligen Bahnhofs Rümikon-Mellikon, den er als historische Bahnstation weiter betreibt, auf das Jubiläum aufmerksam gemacht. Baldinger ist auch Mitautor eines Buches, das die HVBZ zum Jubiläum herausgeben wird.

Der «Füdliwäsch-Express»
Für Martin Seeger vom DSF war klar, dass Rümikon-Mellikon Teil des Festperimeters sein muss. Drei historische Züge – der DSF konzentriert sich auf Elektroloks – werden im Einsatz stehen und in Richtung Koblenz pendeln. Dort gibt es einen Einblick in die Sammlung des DSF. Zudem wird eine Modelleisenbahn mit Bahnhöfen der NOB gezeigt, und man kann in einem Loksimulator Platz nehmen. Zwischen den beiden Endpunkten befindet sich der Bahnhof Bad Zurzach.

Georg Edelmann, Vizepräsident der HVBZ, ist der Sohn eines Mitgründers des Thermalkurorts. Sehr gut vermag er sich noch an den in den 1960er-Jahren von den SBB angebotenen Badezug Zürich–Zurzach erinnern – im Volksmund «Füdliwäsch-Express» genannt. «Bedient wurde der Kurs mit einem Roten Pfeil», weiss Martin Seeger vom DSF und hofft, am 16. August das ikonische Schienenfahrzeug in Zurzach zu haben.