Vom Wohnzimmer zur Wäscherei

Nach 35 Jahren übergibt Anita Umiker ihr Lebenswerk, die Wäscherei Umiker, in jüngere Hände. Die Geschichte einer regionalen Institution.
Anita Umiker übergibt offiziell und feierlich den «Schlüssel» für die Wäscherei Umiker ihren Nachfolgern Nico Bufalo und Dana Eichner. (Bild: isp)

Gebenstorf – Generationenwechsel im Gebenstorf: Vergangenen Freitag übergab Anita Umiker nach 35 Jahren ihre Wäscherei an der Wambisterstrasse 4 ihrer Nachfolgerschaft. Die Schlüsselübergabe stand für mehr als Räume und Maschinen. Sie symbolisierte eine ­Geschichte, die klein begann und zur regionalen Institution wurde. «Es ist nicht leicht loszulassen», sagte die 64-Jährige. «Die Wäscherei ist mein Baby, und ich bin stolz auf das Erreichte.»
Begonnen hat alles 1991 mit einer kleinen Gefälligkeit. Als Anita Umiker ihrem Nachbarn beim Bügeln half, entstand die Idee, eine eigene Wäscherei aufzumachen. Aus dem Hobby wurde rasch ein gefragter Service. Erst im Wohnzimmer, dann im umgebauten Keller mit ersten Maschinen und Helfenden. Wichtig war der dreifachen Mutter stets, Familie und ­Beruf in Balance zu halten. Später unterstützten sogar ihre Kinder den Betrieb und lieferten die frisch ge­waschene Wäsche persönlich an die Kunden aus.

Eingeschworene Gemeinschaft
2001 zog die Wäscherei ins BAG-Areal in Turgi, und die Mitarbeitenden wurden zu einem kleinen, eingeschworenen Team. Im Jahr 2009 wagte Anita Umiker die Expansion nach Lenzburg und eröffnete dort eine Filiale. Drei Jahre später wandelte sie diese in ein Depot um, um die Wege zu verkürzen und die Logistik zu vereinfachen. 2016 fand Anita Umiker in Gebenstorf ein neues Zuhause für den Betrieb. Mit mehr Platz, modernen Abläufen und einem motivierten Team, das inzwischen auf 18 Mitarbeitende angewachsen war. Unterstützung erhielt sie mehrere Jahre lang von Tochter Sabine und ihrem Partner Hausi Siegenthaler, die bei Büroarbeiten, bei der Eventplanung sowie in der Produktion mit anpackten. «Er half bei der Suche der neuen Räumlichkeiten, richtete diese ein und organisierte den Wäschereiumzug ohne Produktionsunterbruch», erinnert sich Anita Umiker. «Und er war mein Retter in der Not, wenn eine Maschine ausstieg oder ein Chauffeur ausblieb. Auch half er aktiv beim grossen Abschiedsfest mit.»

Anita Umiker hat Grosses erschaffen. Nun ist es an der Zeit, kürzer zu treten und in den Ruhestand zu gehen. (Bild: isp)

Über all die Jahre bewahrte sich Anita Umiker ihre persönliche Handschrift. Ihre Kundinnen und Kunden schätzten nicht nur die Qualität der Arbeit, sondern ebenso ihre Herzlichkeit. «Vielleicht war das mein Erfolgsrezept», sagt sie rückblickend. «Ich nahm mir immer Zeit für einen Schwatz und den persönlichen Kontakt.» So entstanden aus Geschäftskontakten oft echte Freundschaften. Wer seine Wäsche vorbeibrachte, wusste, dass sie hier mit Sorgfalt behandelt wird.
Nach 35 Jahren ist für Anita ­Umiker nun aber die Zeit gekommen, ihr Lebenswerk weiterzugeben. Obwohl der Abschied mit Wehmut verbunden ist, freut sie sich, künftig mehr Zeit mit ihren drei Enkeln, der Verwandtschaft und Freunden zu verbringen sowie Reisen mit dem Wohnmobil zu machen. All das war wegen des Geschäftsalltags bisher zu kurz gekommen.

Anfangszauber bewahren
Die Wäscherei Umiker bleibt allerdings bestehen und operiert künftig unter neuer Führung. Der ehemalige Kunde und Auftraggeber Nicolo ­Bufalo (44) übernimmt mit seiner Partnerin Dana Eichner (38) den Betrieb und will ihn im Sinne der Gründerin Anita Umiker weiterführen. Seit letztem Jahr arbeiten beide in der ­Wäscherei, wo sie viel von Anita ­Umiker lernen konnten, obwohl sie zusammen über eine 22-jährige Branchenerfahrung verfügen. «Wir werden das Rad nicht neu erfinden», sagen sie. «Der Anfangszauber von 1991 soll auch bei uns spürbar bleiben.» Gleichzeitig wollen sie den Betrieb behutsam weiterentwickeln, besonders im Bereich Nachhaltigkeit. Geprüft wird zum Beispiel eine Umstellung des Fuhrparks auf Elektrofahrzeuge sowie ein noch sorgsamerer Umgang mit Wasser, Strom und Gas. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus gelebter Tradition und vorsichtigem Blick nach vorn, welche die Wäscherei Umiker auch in den kommenden Jahren prägen wird.