«Wir stehen noch am Anfang»

Dem regionalen Wald gehe es nicht gut. Das sagt Otto Suhner anlässlich der ordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins Pro Bözberg.
Der Unternehmer Otto Suhner kämpft als Präsident des Vereins Pro Bözberg seit Jahren für den Schutz des Waldes. (Bild: leh)

Bözberg – Vergangene Woche trafen sich die Mitglieder des Vereins Pro Bözberg in der Turnhalle Chapf zur 24. Mit-gliederversammlung. Zentrales Thema war der Wald. Auch Regierungsrat Dieter Egli und Grossrat Matthias Betsche waren an der Veranstaltung dabei.

Otto Suhner, wie geht es der Natur und dem Erholungsraum auf dem Bözberg im Jahr 2026?
Nicht gut, und wir sind nicht einverstanden mit der Art der Waldbewirtschaftung, die auf dem Bözberg und im oberen Fricktal betrieben wird. Es gibt ja zwei Arten der Bewirtschaftung: Im sogenannten Dauerwald werden einzelne Stämme entfernt. Dann gibt es die Bewirtschaftung, wie sie derzeit auf dem Bözberg praktiziert wird – mit Flächenhieben, die grauenhafte Spuren in der Landschaft hinterlassen.

Anstatt den Wald auszudünnen, werden also ganze Flächen ­gerodet?
Genau, und das darf nicht sein. Es gibt im Aargau Wälder, die auf die andere Art bewirtschaftet werden, zum Beispiel im Suhrental. Das sind wunderbare Wälder, das ist Naturwachstum und sieht wunderschön aus.

Wie kann der Verein Pro Bözberg Einfluss nehmen, damit auf dem Bözberg auf einen Dauerwald ­umgestellt wird?
Der Verein benötigte zwölf Jahre, um ein grosses Steinbruchprojekt in unserer Gegend zu bodigen. Ebenso braucht es nun Zeit, um das Bewusstsein für eine schonendere Waldbewirtschaftung zu fördern. Wir müssen immer wieder mit Presseberichten und Führungen auf das Thema aufmerksam machen – und Gespräche mit den Verantwortlichen des Bundesinventars der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung führen, zu dem Bözberg gezählt wird.

Stossen Sie bei den zuständigen ­Behörden mit Ihren Anliegen auf ­offene Ohren?
Wenn ich ehrlich bin: Wir stehen noch ganz am Anfang.

Sie haben an der Versammlung ­gesagt, dass es vor allem den Fichten und Tannen, wenn alles weitergehe wie bis anhin, bis 2055 an den Kragen gehen werde.
Ja, denn der Holzvorrat hat im Aargau in den letzten 30 Jahren von 371 auf 292 Kubikmeter pro Hektar abgenommen – das vor allem auf Kosten des Nadelholzes. Die Statistik der Landesforstinventur zeigt: Bei der Fichte waren es 1993 noch 110,2 Kubikmeter pro Hektar, 30 Jahre später nur noch 63,3. Bei der Tanne waren es 1993 noch 43,8 Kubikmeter, heute sind es 33,8.

Pro Bözberg kann im kommenden Jahr sein 25-jähriges Bestehen ­feiern. Wie steht es um das ­Inte-
resse an dem Verein?

Zu Beginn hatten wir fast 2000 Mitglieder. Das war, als wir gegen das Steinbruchprojekt kämpften. Heute sind es immerhin noch 1420. Und nach dem aargauischen Baugesetz sind wir ein einspracheberechtigter Verein. Wir haben also durchaus einen gewissen Einfluss.

Und wie lang werden Sie dem ­Verein als Präsident noch erhalten bleiben?
Ich bin eng mit dem Bözberg verbunden, und ich wohne dort. Es tut mir weh zu sehen, was mit der Natur passiert. Deshalb werde ich den Job gern weitermachen, solange das die Mitglieder wollen und ich fit genug bin.