Villigen – Eine Erweiterung des Steinbruchs Gabenchopf West steht zur Debatte. Nun teilt die SP Aargau im Rahmen der Anhörung zur Richtplananpassung mit, dass sie die Erweiterung unterstütze, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass ökologische, landschaftliche und volkswirtschaftliche Interessen gleichermassen berücksichtigt würden, wie es in einem Communiqué heisst.
Der Kanton Aargau leiste bereits heute einen zentralen Beitrag zur Versorgung der Landes mit mineralischen Rohstoffen. So stamme ein erheblicher Teil der inländischen Zementproduktion aus der Region rund um das Werk Siggenthal. Gleichzeitig trage der Kanton überproportional viele Belastungen, zum Beispiel durch Verkehr, Emissionen sowie Eingriffe in Natur und Landschaft, so die SP.
Die SP anerkenne, dass die Erweiterung des bestehenden Steinbruchs grundsätzlich sinnvoll sei, sagt Grossrat Marius Fideli auf Anfrage. Durch die Nutzung bestehender Infrastruktur und Logistik könne ein zusätzlicher Flächenverbrauch andernorts vermieden werden. Zudem entspreche die Erweiterung der langfristigen Sicherung der Rohstoffversorgung, wie sie im Richtplan vorgesehen sei.
Bedarf transparent nachweisen
Die Zustimmung der SP sei jedoch an klare Voraussetzungen geknüpft, schreibt die Partei. So müsse der Bedarf an zusätzlicher Zementproduktion «nachvollziehbar und transparent nachgewiesen werden». «Der Bund muss seine koordinative Rolle wahrnehmen und schauen, wer eine Konzession hat und wie viel Zement benötigt wird – nicht dass es überall Werke gibt und zu viel produziert wird oder umgekehrt», erklärt Marius Fideli.
Eine weitere Forderung der SP ist, dass die Beeinträchtigung des Gebiets Aargauer Tafeljura auf ein absolutes Minimum reduziert werden muss. Die gesetzlichen Anforderungen an die grösstmögliche Schonung seien konsequent einzuhalten. «In diesem Gebiet gibt es Wälder mit seltenen Orchideen, und es geht uns auch um das Landschaftsbild. Essenziell ist, dass, wenn die Zementgewinnung dereinst abgeschlossen ist, die Landschaft wieder intakt ist wie zuvor», erläutert der Grossrat, «dass man nicht mehr sieht, dass an dieser Stelle einmal ein Steinbruch war.» Besonders schützenswerte Lebensräume wie Gewässer, Trockenwiesen oder Wälder mit Orchideen seien also zu erhalten und zu schützen.
Des Weiteren fordert die SP, dass der ökologische Mehrwert des bestehenden Steinbruchs – zum Beispiel als Lebensraum für seltene Arten – nicht nur erhalten, sondern gezielt weiterentwickelt wird. Und schliesslich, dass der Kanton stärker vom Materialabbau profitiert. «Denkbar wäre beispielsweise ein Fonds für ökologische Aufwertungen, gespeist durch einen Beitrag pro abgebautem Kubikmeter Rohstoff», so die SP Aargau.
Mitte sieht «richtigen Ansatz»
Auch die Mitte Aargau unterstützt die geplante Anpassung des Richtplans im Grundsatz, wie sie in einem Communiqué mitteilt. Aus ihrer Sicht ist die Erweiterung einer bestehenden Anlage «der richtige Ansatz». Sie sei gegenüber einer Neuanlage deutlich schonender und effizienter – «insbesondere weil die notwendige Erschliessung bereits vorhanden ist und bestehende Infrastrukturen wie die Förderbandanlage weiter genutzt werden können», so die Mitte. Zudem zeige sich, dass zentrale Herausforderungen wie Eingriffe in die Natur und Landschaft auch bei alternativen Standorten in vergleichbarer Weise auftreten würden. Gleichzeitig sei der Bedarf an Rohstoffen langfristig ausgewiesen und gewinnt in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung. «Die Erweiterung eines bestehenden Standorts ist die vernünftigste Lösung. Sie ermöglicht eine effiziente Nutzung vorhandener Infrastruktur und vermeidet zusätzliche Eingriffe an neuen Orten», sagt Mitte-Grossrat Philipp Laube.
Für die Mitte sei jedoch ebenso klar: Die offenen Fragen – etwa zu Rodungen oder zum Schutz von Natur und Landschaft – müssen in den nachgelagerten Verfahren sorgfältig geprüft und verbindlich geklärt werden. Entscheidend sei, dass die Interessenabwägung und die zugesicherten Schutzmassnahmen konsequent umgesetzt würden. «Versorgungssicherheit und Umweltschutz dürfen kein Widerspruch sein. Es braucht eine sorgfältige Abwägung – und genau diese muss in den weiteren Verfahren konsequent umgesetzt werden», ergänzt Philipp Laube.