Schinznach – Der Hund einer Spaziergängerin entdeckte am 17. März 2025 auf dem Linnerberg im Gemeindegebiet Schinznach einen toten Luchs. Wundmale deuteten darauf hin, dass das Tier ein bis zwei Tage vorher erschossen worden war, und zwar mit Jagdmunition, wie die nachfolgende Untersuchung des Kadavers am Institut für Fisch- und Wildgesundheit der Universität Bern ergab. Weil der Luchs als bundesrechtlich geschütztes Wildtier gilt und keine Täterschaft erkennbar war, erstattete die kantonale Sektion Jagd und Fischerei bei der Staatsanwaltschaft Anzeige gegen unbekannt.
Trotz eines Zeugenaufrufs und enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Jagdinstanzen blieben die strafrechtlichen Abklärungen bislang erfolglos. Anfang dieses Jahres sistierte die Staatsanwaltschaft Brugg-Zurzach das Verfahren. Aber daraufhin gelangte der Fall auf die politische Ebene, denn fünf Grossratsmitglieder aus der Region Brugg stellten Fragen zur Wilderung des Luchses. Darauf hat der Regierungsrat jetzt geantwortet.
Verwendete Jagdmunition
Die Regierung kann zum Vorfall nur bestätigen, dass der Luchs illegal getötet wurde, und zwar mit Jagdmunition, was immerhin den Verdacht schüren könnte, dass eine mit der Jagd verbundene Person in den Abschuss involviert gewesen wäre. Das müsse jedoch nicht sein, wie eine Rückfrage beim Leiter der Sektion Jagd und Fischerei, Thomas Stucki, ergab. Demzufolge ist die Verwendung von Jagdmunition nicht nur Jägern, sondern allen Personen erlaubt, die eine Waffe tragen und benutzen dürfen.
Umgekehrt gilt, dass auf der Jagd nur die dafür zugelassene Munition verwendet werden darf. Bei der Wilderung des Luchses auf dem Linnerberg wurde nicht Schrotmunition, sondern ein Büchsengeschoss verwendet. Leider gebe es immer wieder Totfunde, sagt Thomas Stucki. Aber bisher stets nach Verkehrsunfällen. Letztes Jahr wurden im Aargau drei Luchse überfahren. Der Abschuss von einzelnen schadenstiftenden Luchsen sei im Kanton noch nie nötig gewesen.
Im Fricktal verbreitet
Doch Luchse haben laut Thomas Stucki im Aargau auch schon vereinzelte Nutztiere gerissen, darunter Schafe, Ziegen und Damhirsche in Gehegen. Es waren indessen weniger als 15 Nutztiere seit 2009, als der erste Luchs im Aargau mit einer Fotofalle nachgewiesen wurde. Wildtiere werden häufiger gerissen, in den meisten Fällen sind es Rehe, seltener Gämsen.
Der Jagd- und Fischereichef bestätigt, dass Luchse mittlerweile im ganzen Fricktal verbreitet sind. Sie pflanzen sich erfolgreich fort und sind Teil der Jurapopulationen. Es gebe zudem vereinzelte, seltene Sichtungen im aargauischen Mittelland, östlich der Aare. Der Luchs gehöre zu den eindrucksvollsten und zugleich seltensten Wildtieren in den Aargauer Wäldern und geniesse in der Bevölkerung nach wie vor viele Sympathien, hält der Regierungsrat in seiner Antwort auf die grossrätliche Interpellation fest.
Luchse sind Einzelgänger, die grosse Reviere beanspruchen. Sie werden 20 bis 25 Kilogramm schwer, bis zu 70 Zentimeter gross und bis zu 20 Jahre alt. Im Februar und März war bei ihnen Paarungszeit, dann lebten Männchen und Weibchen vorübergehend zusammen und paarten sich immer wieder. Nach 70 Tagen Tragzeit bringt das Weibchen zwei bis fünf Junge zur Welt.