Ohne Musik geht für sie gar nichts

Zwei Klavierlehrerinnen – die eine aus der Ukraine, die ­andere aus den USA – organisieren Konzerte, um Musikschaffende zu fördern.
Marina Korendfeld (links) und Carol Bauer beim Blättern in alten Programmunterlagen ihrer Konzertreihe. (Bild: ub)

Baden – Die Pianistin Marina Korendfeld lebt für die Musik. Sie wurde in Odessa geboren und studierte in Russland Musik, bevor private Gründe sie in die Schweiz brachten. Die Anfänge waren harzig. «Ich nahm unterschiedlichste Jobs in Restaurants und Hotels an, um mich über Wasser zu halten», erinnert sie sich. Verschiedene Musikschulen in den Regionen Zürich und Baden erkannten schliesslich ihr Talent und stellten sie als Lehrerin an. Sie blieb allein. Ein Teil ihrer Familie wanderte nach Israel aus, der andere blieb in der Ukraine. Beide Länder sind von Krisen gebeutelt, und Korendfeld macht sich oft Sorgen um ihre Liebsten. Vor Kurzem starb ihre Mutter. «Ich weiss nicht, ob ich ohne Musik noch existieren würde», sagt sie oft.
Vor 30 Jahren lernte sie an der Schule Neuenhof, wo sie im Auftrag der Musikschule Baden als Musikpädagogin angestellt war, ihre Berufskollegin Carol Bauer kennen. Die in Bethlehem, Pennsylvania, geborene Amerikanerin gab nach ihrem Studium Kurse für Musiklehrerinnen und Musiklehrer und war in dieser Mission in ganz Europa unterwegs. 1989 kam sie mit ihrem Mann wegen seiner Anstellung in die Schweiz. Weil sie einen Klavierlehrer für ihre beiden Töchter suchte, wurde sie an der Musikschule Baden vorstellig und kam dort auch zu ihrer Stelle als Musiklehrerin an der Schule Neuenhof. Die Begegnung der beiden Frauen mit einem so unterschiedlichen Hintergrund sollte schicksalhaft und den Auftakt für eine Konzertreihe sein, die in ihrer Art ein Unikat ist.

Marina Korendfeld und Carol Bauer fördern junge Musiktalente. (Bild: ub)

Förderinnen junger Talente
Korendfeld hat ein grosses Herz. Bis heute sammelt sie regelmässig Geld für ukrainische Menschen in Not. Und sie unterstützt besonders begabte Musikerinnen und Musiker bei ihrem Karrierestart, der sich meist nicht einfach gestaltet. Den Anfang machte 1996 die junge russische Pianistin Elina Kaikova. «Wir organisierten verschiedene Konzerte mit ihr. Von den Gagen konnte sie ein Jahr über­leben», erinnern sich die beiden Frauen. Kaikova studierte schliesslich am Musikkonservatorium in Zürich und gibt bis heute Konzerte in renommierten Konzerthäusern.
Korendfeld und Bauer entschieden sich danach, weitere junge Künstlerinnen und Künstler zu fördern. Bis heute verteilt Korendfeld in dieser Mission persönlich Flyer in der ganzen Stadt Baden. «Das ist mein Fitnessprogramm», sagt sie und lacht. Mit der Zeit wurde das Netzwerk grösser und grösser. Die beiden ­Veranstalterinnen lernten zudem bekannte Musikschaffende kennen, die ihrerseits Vorschläge machten. Bald fanden jeden Monat mindestens ein bis zwei Konzerte – vor allem im ­Gartensaal der Villa Boveri in Baden – statt.
«Vor 14 Jahren wurde uns das Ganze dann etwas zu gross. Wir brauchten mehr Struktur, um weiterzumachen», erinnert sich Bauer. Deshalb gründeten die beiden Frauen gemeinsam mit Hans Lutz als Kassier und Aktuar einen eigenen Verein. Bauer ist Präsidentin, Korendfeld künstlerische Leiterin. Bis vor fünf Jahren war der bekannte Badener Sepp Schmid Vizepräsident. Dieses Amt hat heute Linus Eberle inne. Die Finanzierung kommt durch Mitgliederbeiträge, Gönnerinnen und Gönner, Ticketing sowie Sponsorenbeiträge zusammen.

Internationale Grössen
Zum klassischen Genre kamen mit der Zeit Jazz und Volksmusik hinzu. Mehr und mehr gaben sich auch bekannte Grössen die Ehre. Schlagzeuger Pierre Favre tritt innerhalb der Reihe regelmässig auf. Genauso Pianist ­Oliver Schnyder, der jedes Jahr einen dreitägigen Konzertzyklus veranstaltet. Im März 2026 trat Violinist ­Bartek Niziol (erster Konzertmeister im Zürcher Opernhaus) in der Villa Boveri auf. Zu den Entdeckungen von Korendfeld und Bauer gehört mitunter der heute international erfolgreiche Cellist Christoph Corisé.
Das nächste Konzert innerhalb des Jubiläumsjahres steht am 26. April um 17 Uhr bevor. Dann konzertieren in der Villa Boveri drei Meister ihres Fachs. Violinist Boris Livschitz, Violoncellist Mark Drobinsky und die Klaviervirtuosin Viktoria Postnikova spielen Werke von Haydn, Beethoven und Schostakowitsch. «Wir haben einen wesentlichen Beitrag geleistet, um das Musikschaffen in der Region Baden zu fördern, und sind in der Region zu einem fest etablierten Format geworden, das vor allem Kammermusik fördert. Darauf sind wir schon ein wenig stolz», sagt Bauer.
Die beiden Musikpädagoginnen sind mittlerweile pensioniert. Korendfeld gibt innerhalb des Programms «Musik für alle» aber bis heute ehrenamtlich Klavierunterricht für Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen. Und sie engagiert sich zusammen mit Bauer natürlich weiterhin mit viel Herzblut für ihre Konzertreihe, mit der sie schon so viele Erfolge zeitigen konnte.