Stolze Winzer und feine Weine

Vom 1. bis 3. Mai stehen bei 37 Aargauer Weingütern und -genossenschaften die Kellertüren für Degustationen und Informationen offen.
Die Aargauer Weingüter laden zum Tag der offenen Weinkeller ein. (Bild: Archiv)

Der Name ist Programm: Winzerinnen und Winzer öffnen ihre Kellertüren und laden auf ihren Betrieben zu Entdeckungsreisen ein. Jeder Betrieb gestaltet das Programm selbst, was den Anlass zu einem authentischen Erlebnis für Klein und Gross macht. Geboten werden Degustationen und Verpflegungen, Führungen und Lehrpfade. Am diesjährigen gesamtschweizerisch durchgeführten Tag der offenen Weinkeller nehmen 37 Betriebe aus dem Aargau teil. Zu finden sind sie vorwiegend im Osten des Kantons mit seinen privilegierten Wein­lagen – im Verbreitungsgebiet des «General-Anzeigers» sowie der «Rundschau Nord» und der «Rundschau Süd». Alle Teilnehmenden sind auf deutschschweizerwein.ch/offene-weinkeller zu finden.

Wunderschöner Hofladen
Zu den Winzern, die mitmachen, gehören jene des Zelglihofs in Rüfenach. «Unsere Weintradition geht auf 1914 zurück», sagt Matthias Schwarz, der den Betrieb zusammen mit Bruder ­Samuel führt. Der Zelglihof ist ein vielseitiger Landwirtschaftsbetrieb inklusive Ackerbau, der auf Direktvermarktung setzt. Angeboten werden unter anderem Natura-Beef aus Muttertierhaltung, vor allem aber Weine und Traubensäfte in einem stilvollen Hofladen, der 2024 vom Obstverband zu einem der zehn schönsten des Landes gekürt wurde. Auf einer Fläche von etwa 260 Aren sind die artenreichen Rebhänge mit Blauburgunder, Riesling-Silvaner, Pinot gris, Johanniter und Solaris bestückt. Solaris ist eine weisse, pilzresistente Sorte (sogenannte Piwi), welche die Familie Schwarz seit 2003 kultiviert. Entsprechend gross ist die Erfahrung bei der Vinifizierung. «Was hier geschmacklich entsteht, ist eine Fruchtbombe, die mit Aromen von Aprikose bis Pfirsich begeistert.» 2022 hat der Solaris des Zelglihofs bei der «Piwi International Wine Challenge 2023» eine Goldmedaille gewonnen. 

Matthias Schwarz im Laden des Zelglihofs in Rüfenach. Der Hofladen wurde 2024 vom Obstverband zu einem der zehn schönsten des Landes gekürt. (Bilder: bkr)

Pünktlich zum 1. Mai ergänzt eine zweite weisse Piwi-Sorte das Sortiment. «Wir produzieren einen Sommerwein mit nur 12 Prozent Alkohol», sagt Schwarz. «Bereits ein Drittel der Rebfläche ist mit naturnahen Piwi-Sorten bepflanzt. In den nächsten Jahrgängen wird auch ein roter Piwi unser Weinangebot ergänzen», sagt Schwarz erfreut. Bewirtschaftet wird in Remigen die Lage «Boden». Deshalb heissen die hier kultivierten Weine «Bödeler» – vom Pinot noir Barrique bis zum Grand Vin Mousseux Brut AOC Aargau. Eine Ausnahme im Sortiment bildet ein Auensteiner Riesling-Silvaner – seit 2017 wird ausserdem ein Rebberg unterhalb der Gisli­flueh bewirtschaftet. 

Offen hat der Zelglihof am 1. Mai von 11 bis 17 Uhr und am 2. Mai von 9 bis 17 Uhr. Dazu ergänzt Matthias Schwarz: «Wir feiern jedes Jahr am Pfingstsamstag ein Fest mit Unterhaltungsprogramm und kulinarischem Angebot.»

Genossenschaft sucht Moderne
Ein anderes Betriebsmodell verfolgen die zahlreichen Aargauer Weinbau­genossenschaften, wie jene in Döttingen. Gegründet wurde sie 1912, und gegenwärtig sind in ihr rund 80 Winzerinnen und Winzer zusammengeschlossen. Zehn Hektar Rebfläche sind es insgesamt, deren Trauben im 1869 erbauten und inzwischen mit viel Fingerspitzengefühl moderni­sierten Keller vinifiziert werden. ­Simon Scheurer ist Geschäftsführer der Genossenschaft und studierter Önologe. Zusammen mit einem Kellermeister und einem Winzer zeichnet er für die Weine verantwortlich. «Ein Vollzeitwinzer ist auch deshalb erforderlich, weil immer mehr Mitgliedern die Arbeit in den steilen Döttinger Reb­lagen zu viel wird und wir dann, um die Qualität weiterhin sicherzustellen, die Arbeiten übernehmen», sagt Scheurer. Übrigens: Ab diesem Sommer kann jede Frau, jeder Mann der Genossenschaft beitreten und mitwirken – Teil des Weinmachens und der Weingemeinschaft werden. «Das ist bei den Döttinger Weingenossen unkompliziert möglich», erklärt Scheurer.

Simon Scheurer ist Geschäftsführer der Döttinger Weinbaugenossenschaft. Er befasst sich mit modernen Weinen, Etiketten und Namen.

Zu den Weinen sagt er: «Die Steilhänge, das Klima und der Boden – das Terroir – sind es, welche die Döttinger Weine einzigartig machen.» Die Klimaerwärmung kommt ihm und seinen Leuten insofern entgegen, als die Trauben Jahr für Jahr die volle Reife erreichen. «Zudem können wir die Schwere der Weine mit dem Zeitpunkt der Lese steuern und so beispielsweise leichtere Tropfen gewinnen, wie sie von jüngeren Leuten nachgefragt werden.» Zur Modernisierung des ­Angebots gehören auch der Zeit ­angepasste Etiketten und moderne Namen.

Im Keller der Genossenschaft wird eine Vielfalt von Weinen mit hohem Spezialitätenanteil gepflegt, welche Kellermeister und Winzer am 1. und 2. Mai von 11 bis 22 Uhr und am 3. Mai von 11 bis 17 Uhr präsentieren. Begleitet werden die Degustationen von frischen Spargeln vom Bottlanghof aus Hettenschwil und von Schinken von der Metzgerei Köferli.

Klosterbrüder unter sich
Rotweine mit den Namen Abt, Prior, Kantor oder Mönch. Und Weissweine, die Novize, Pilger und Laienbruder heissen: Wir sind bei Klosterweine in Wettingen. Hoch über dem Dorf in der Lägernschutzzone befindet sich das Weingut von Benedikt Egloff und ­Katrin Weixler. Der passionierte Winzer und Obstfachmann kam als Leiter der Wettinger Klostergärtnerei mit den Reben der heutigen Kantonsschule in Kontakt. Seit 2023 kümmert er sich um seine eigene Firma. Während er Chef Rebbau der Klosterweine Wettingen GmbH ist, kommt Kollegin Weixler die Funktion einer Betriebsleiterin Weine zu. Sie ist zudem Berufsbildnerin. Stolz berichten die beiden, dass sie derzeit eine Lehrtochter auf dem Betrieb haben. «Wir bewirtschaften einen Hektar eigene Reben, und im selben Umfang betreiben wir Lohnarbeit – beispielsweise in den Rebparzellen der Gemeinde Wettingen», sagt Egloff. 

Château Mouton? Benedikt Egloff und Katrin Weixler in der Remise der Wettinger Klosterweine, in der bei schlechtem Wetter die Degustationen im ­Beisein ­ihrer Schafe stattfinden.

Zu den eigenen Weinen gehören die erwähnten «Klosterbrüder». «Der Prior war vor 20 Jahren der erste dieser Weine», erzählt Egloff. «Ein Prior ist nicht nur Vorsteher eines Mönchsklosters, sondern auch ein Piwi-Wein.» Mit ihm war Egloff damals ein Piwi-Pionier. «Die weiteren Wein­namen haben wir hierarchisch vergeben», so Egloff. «Der Abt ist ein kräftiger Blauburgunder, der im Barrique ausgebaut wurde – der Mönch ein klassisch gekelterter Rotwein.»

Auf Gäste freut man sich bei den Klosterweinen am 1. und 2. Mai jeweils von 11 bis 20 Uhr. Begleitet wird der Wein von Käseküchlein, Schinkengipfeli und vielen Informationen zu Rebbau, Wein, Flurnamen und Eigentümern der Wettinger Reben, die einst den Klöstern St. Blasien, Fahr und Muri gehört haben. «Abgerundet wird das Ganze von einem Kuchenbuffet», ergänzt Weixler.