Drohenden Verkehrskollaps verhindern

Die Sanierung der Landstrasse und verschiedene ­Bauprojekte führen ab 2027 zu einer schwierigen Verkehrssituation.
Die Landstrasse – im Hintergrund der Kreisel Niedermatt – wird täglich von 14 000 Autos befahren, für die während der rund zweieinhalb Jahre dauernden Bauarbeiten nur eine Fahrspur zur Verfügung steht. (Bild: bkr)

Ehrendingen – Auf den ersten Blick sind es gute Nachrichten, die der Gemeinderat ­Ehrendingen am 22. April an einer öffentlichen Informationsveranstaltung mitteilte. Die Sanierung der Landstrasse K282 wird nächstes Jahr in Angriff genommen, und die Projektarbeiten an der Mehrzweckhalle sind auf Kurs. Der Zustand der K282 im Abschnitt Höhtal-Niedermatt ist in Ehrendingen seit Jahren ein Thema. Der Strassenbelag verlangt nach einer Erneuerung, die Trottoirs und der Veloweg weisen Netzlücken auf, wie auch die meisten Bushaltestellen die Vorgaben des Behindertengleichstellungsgesetzes nicht erfüllen.
Ein erstes Projekt wurde 2020 vorgelegt und danach überarbeitet. Inzwischen sind die Pläne baureif, und der Kanton will das 11,4 Millionen Franken teure Vorhaben im Frühling 2027 in Angriff nehmen, wie Gemeinderat Dany Amstutz an einer Orientierungsversammlung bekannt gab. Der 1,6 Kilometer lange Strassenabschnitt, den täglich 14 000 Autos und 3 Buslinien befahren, wird für zweieinhalb Jahre zu einer weitgehend einspurigen Baustelle mit Verkehrsregelung. Staus und Ausweichverkehr sind vorprogrammiert. Erschwerend stehen im fraglichen Zeitraum mehrere grössere private Bauvorhaben an, die umfangreiche Strassentransporte auslösen werden.

Mehrzweckhalle ab 2027 in Bau?
Amstutz sprach von einer «Operation am offenen Herzen», versicherte aber, dass an Verkehrskonzepten gearbeitet werde, die Entlastung bringen sollten. Nicht einfacher macht das Ganze der Baubeginn am Mehrzweckgebäude. Laut Gemeinderat Erich Frei könnte dieser im Idealfall im Herbst 2027 erfolgen. Seit dem Ja der Gemeindeversammlung zum Baukredit im Sommer 2025 habe man einiges am Projekt optimiert, sagte Erich Frei. «So bekommt das Gebäude ein um 70 Zentimeter weniger tiefes ­Fundament, womit man beim Aushub Kosten spart.»
Apropos Bauen: Für die Bearbeitung von Baugesuchen und die Erteilung von Bewilligungen ist die Abteilung Bau, Planung und Umwelt (BPU) zuständig, die einst in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Schneisingen aufgebaut wurde. Heute ist sie ausschliesslich für Ehrendingen zuständig und wurde einer Analyse unterzogen. Dazu Vizeammann Roger Frei: «In der BPU gibt es kein Leistungs-, sondern ein Strukturproblem.» Für dieses seien hauptsächlich die Baugesuchstellerinnen und Baugesuchsteller verantwortlich. «75,5 Prozent der eingereichten Unterlagen sind unvollständig und verursachen einen enormen Zusatzaufwand.» Dem will der Gemeinderat einen Riegel vorschieben und die Gebühren nach dem Verursacherprinzip ausgestalten. Inte­ressant ist die Dauer zur Bearbeitung eines durchschnittlichen Baugesuchs. Sie beträgt in Ehrendigen 57 Tage. ­Berücksichtigt man, dass allein die ­öffentliche Auflage obligatorische 30 Tage dauert, ein guter Wert.

Bau- und Nutzungsordnung
Zum Stand der Dinge bei der Überarbeitung der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) orientierte Frau Gemeindeammann Dorothea Frei: «Der Gemeinderat hat im Januar vom Kanton den zweiten Vorprüfungsbericht erhalten.» Dieser werde derzeit gemeinsam mit einem Planungsbüro ausgewertet. «Vom 29. Mai bis zum 29. Juni liegt die revidierte BNO öffentlich zur Einsicht auf», sagte Dorothea Frei. Über die Resultate und die folgenden Schritte orientiert der Gemeinderat am 2. Juni an einem Informationsabend.
Infos zum Asylwesen gab es von Gemeinderat Samuel Kamm. Ehrendingen arbeitet hier im Verbund mit Freienwil und Schneisingen. Während Ehrendingen seit Jahren deutlich mehr Asylbewerberinnen und -bewerber beheimatet, als es Pflicht wäre, wird das Soll in den Nachbargemeinden nicht erfüllt. «Der Gemeinderat», so Kamm, «sieht Handlungsbedarf und will den Gemeindevertrag überprüfen.»