Brugg – Mittlerweile ist es ein Vierteljahrhundert alt, aber das weit gereiste Asasello-Quartett ist hörbar jung geblieben. Es frischt den Konzertbetrieb mit originellen Ideen auf, arbeitet szenisch mit Choreografen zusammen und pflegt über das klassisch-romantische Standardrepertoire hinaus mancherlei Spezialitäten. So spielt es zum Beispiel alle 23 Streichquartette von Mozart in einer zyklischen Aufführung oder die avantgardistischen Gattungsbeiträge von Morton Feldman, György Ligeti und Alfred Schnittke.
Seinen Namen leitet das Quartett von einer Figur aus dem Roman «Der Meister und Margarita» von Michail Bulgakow her. Es wurde 2000 in Basel gegründet und setzt sich heute aus dem russischen Geiger Rostislaw Koschewnikow, der schweizerischen Geigerin Barbara Streil, der polnischen Bratschistin Justyna Śliwa und dem finnischen Violoncellisten Teemu Myöhänen zusammen. Seine grundlegenden Studien hatte das Ensemble an der Musikakademie Basel bei Walter Levin begonnen, dem Primarius des legendären LaSalle String Quartet.
Früh gestorbene Hoffnung
Sein unter dem Motto «Incipits» stehendes Brugger Konzert eröffnet das Asasello-Quartett mit einer Rarität, einem viersätzigen Werk von Michail Quadri (1897–1929). Als Adliger, der erst mit 30 Jahren sein Musikstudium in Russland begonnen hatte, wurde er von Revolutionären umgebracht. Das in der reichhaltigen Tradition slawischer Streichquartette verwurzelte und an die gemässigte Moderne anknüpfende Werk zählt zu den spannendsten Entdeckungen des Asasello-Quartetts.
Interessanterweise haben besonders viele früh verstorbene Komponistinnen und Komponisten Streichquartette hinterlassen. Solche Werke gibt es vom Brugger Frühromantiker Theodor Fröhlich (1803–1836), von Juan Crisóstomo de Arriaga, Norbert Burgmüller, Pierre-Octave Ferroud, George Gershwin, Hermann Goetz, Fanny Hensel-Mendelssohn, Hyacinthe Jadin, Jaroslav Ježek, Vítězslava Kaprálová, Guillaume Lekeu, Felix Mendelssohn Bartholdy, Pierre Menu, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und Hugo Wolf.
Vielversprechender Erstling
Seit seinem 50. Todestag, der im letzten Jahr weltweit beachtet wurde, gehört Dmitrij Schostakowitsch (1906–1975) zu den am häufigsten aufgeführten slawischen Komponisten. Aus seinen insgesamt 15 Quartetten ragt der 1938 entstandene Erstling seiner Schlichtheit und fast neoklassizistischen Klarheit wegen heraus. Sein Autor hatte ihn als «frühlingshaft» bezeichnet und meinte, er sei der Stimmung nach «heiter, lustig und lyrisch». Die formale Orientierung an Beethoven ist kaum zu überhören. Als eigenwillig fällt der zweite Satz auf, beginnt er doch mit einem langen Solo der Bratsche. Mit seinen störrischen Tonrepetitionen weist das Scherzo, das einen schnellen Walzer einschliesst, vielversprechend auf spätere Quartette voraus. Das mit vielen Motivwiederholungen ausgestattete Finale gibt sich wie der Kopfsatz klassisch.
Vielfach bearbeitetes Andante
Von den drei Beiträgen, mit denen Peter Tschaikowsky die slawische Streichquartettliteratur auf sehr persönliche Weise bereicherte, erfreut sich das 1871 komponierte, aber erst drei Jahre später uraufgeführte 1. Quartett in D-Dur op. 11 seines zweiten Satzes wegen nach wie vor grosser Beliebtheit. Zwischen einem «dolce» beginnenden Kopfsatz mit einem sanft wiegenden Hauptthema in synkopiertem Rhythmus und dem energischen, «con fuoco» zu spielenden Scherzo springt im Andante cantabile ein liedartiges Thema in B-Dur in die Ohren, dessen melodischer Charme sogleich gefangen nimmt. Tschaikowsky liess sich vom Tonfall russischer Volkslieder inspirieren, die sich auch durch mehrmaligen Taktwechsel auszeichnen. Die grosse Beliebtheit dieses langsamen Satzes widerspiegelt sich in zahlreichen, vom Komponisten autorisierten Bearbeitungen von einst berühmten Solisten.
Freitag, 8. Mai, 19.30 Uhr
Zimmermannhaus, Brugg