«Früher war das Leben mühsam»

Was Emil Hartmann für sein Dorf geleistet hat, sucht ­seinesgleichen. Vor allem sein Einsatz für das Heimatmuseum ist bemerkenswert.
Emil Hartmann vor dem Eingang «seines» Heimatmuseums. (Bild: pbe)

Schinznach-Dorf – Mehr Schinznach geht nicht! Emil «Migg» Hartmann, Jahrgang 1944, von Beruf Winzermeister, ist hier ­aufgewachsen und hat sein ganzes ­Leben in Schinznach gewohnt. Aber nicht zurückgezogen im Schneckenhaus – er hat sich vielmehr für sein Dorf engagiert, wo immer er gebraucht wurde: 12 Jahre im Gemeinderat, 4 davon als Vizeammann, 30 Jahre in der Feuerwehr, 22 Jahre als Re­daktionsmitglied der «Nachlese», 10 Jahre als Ableser der ­Wasseruhren, weiter als Initiant der drei unvergessenen Grossveranstaltungen «Kultur schiint z Nacht», die schweizweit Beachtung fanden. Er hat 60 Jahre lang im Männerchor mit­gewirkt, er hat 500 Marchsteine gesetzt: Die Liste liesse sich fast be­liebig erweitern. Und nun wird sein 40 Jahre lang dauerndes Engagement für das Schinz­nacher Heimatmuseum gefeiert.

Emil Hartmann, wie, wann und ­warum kamen Sie zum Museum?
1986 hiess es im Gemeinderat: «Das Museum gehört in dein Ressort. Du machst das, Punkt.» Mir war das recht. Schinznach ist mein Heimatort, das Dorf, mit dem ich mich zutiefst verbunden fühle.

Was war bezüglich des Museums ­damals anders als heute?
Damals war das Museum «statisch». Die Sammlung wurde präsentiert, und damit hatte es sich. Jetzt ist es ein lebendiger Ort. Jedes Jahr nehmen wir uns ein Thema vor und stellen die Exponate zusammen. Ausserdem setzen wir allmonatlich einen speziellen Akzent, der auf das Thema Bezug nimmt. So lohnt sich der Museumsbesuch immer wieder von Neuem.

Wie lautete anfänglich Ihr Auftrag?
(Lacht.) Es hiess im Gemeinderat einfach: «Luegsch, dass es lauft.» ­Alles Weitere war mir anheimgestellt.

Wie würden Sie Ihre gegenwärtige Aufgabe umschreiben?
Ich sehe mich zunächst als Ideengeber für mögliche Jahresthemen und deren Realisierung. Wir sind nun sieben Museumsleute, alle sind sehr motiviert. Die Umsetzung des jeweiligen Themas erledigen wir gemeinsam.

Gab es in den 40 Jahren etwas, das Ihnen missfiel?
Die Museumsarbeit habe ich immer sehr gern geleistet. Geärgert habe ich mich jedoch, wenn ich erfuhr, dass ­jemand irgendwelche Gegenstände oder Dokumente gedankenlos weg­geworfen hat, die wir doch gern in unsere Sammlung aufgenommen ­hätten.

Und Dinge, die Sie freuten?
Ja, da wüsste ich einiges zu erzählen. Mich faszinierte stets, wenn es gelang, über ein Exponat Näheres zu erfahren, etwas über dessen Biografie oder über die Menschen, die damit zu tun hatten. Zu Beginn meiner Museumstätigkeit wurden manche Dinge einfach angeliefert und in unseren Fundus integriert. Jetzt fragen wir: Was hat uns dieser Gegenstand zu ­erzählen? Wer hat ihn benutzt? Wofür genau und bei welchen Gelegenheiten? Das erlaubt es uns, die Museumsführungen sehr viel lebendiger zu ­gestalten.

Worin liegt Ihrer Meinung nach die Bedeutung eines solchen Heimatmuseums?
Es vermittelt ein Bild der Lebensumstände unserer Vorfahren. Wir erkennen hier, wie mühsam das Leben früher war und wie uns heute vieles so selbstverständlich geworden ist. Stichworte können zum Beispiel sein: das Waschen und das Bügeln, die Haltbarmachung von Lebensmitteln ohne Kühltruhe oder auch nur die Herstellung von Butter. Wir gewinnen Respekt vor jenen Menschen, die ihren Alltag mit harter Arbeit verdienen mussten.

Gibt es einen Gegenstand, der ­Ihnen ganz besonders am Herzen liegt?
Ja, eine Flasche, die im Glas die Inschrift «Brunnenverwaltung Schenkenberg» trägt. Ich habe zufällig gehört, dass sich einige Flaschen erhalten haben, in die vor etwa 100 Jahren Schinznacher Mineral­wasser abgefüllt wurde. Eine echte Trouvaille!

Wie sehen Sie die Zukunft des ­Museums?
Dank unserem überaus engagierten Team sind wir auf gutem Weg. Es braucht fantasievolle Personen, die sich um das Museum kümmern. Und natürlich sind wir auf ein Echo angewiesen, auf Besuchende, die unsere Tätigkeit durch ihr Erscheinen würdigen. Die Bedeutung der Sammlung bleibt gleichermassen hoch.

Haben Sie einen Wunsch bezüglich des Museums?
Jawohl! Ich hatte die Idee, Dorf- oder Museumsgespräche zu organisieren und Menschen einzuladen, die das alte Schinznach erlebt haben und von damals erzählen. Es würde mich enorm freuen, wenn sich dieser Gedanke umsetzen liesse.