Funktionalität und Opulenz

Fast drei Jahre lang wurde das Hauptgebäude der PDAG saniert, nun ist es wieder ­bezogen. Die Presse war zu einem Rundgang eingeladen.
Mit der Inbetriebnahme des Hauptgebäudes haben die PDAG die Gesamtsanierung ihres Klinikareals abgeschlossen.(Bild: leh)

Windisch – Stattlich war der Bau aus dem Jahr 1872 schon vor der Sanierung, nun erstrahlt das Hauptgebäude der PDAG auf dem Areal Königsfelden in neuem Glanz. Gemeinsam mit dem Zürcher Architekturbüro HBF Huggenbergerfries und der Kantonalen Denkmalpflege Aargau haben die PDAG dem Gebäude eine zeitgemässe Infrastruktur gegeben – dies im Einklang mit den historischen Schutzanforderungen. Die Gesamtkosten für das Bauvorhaben beliefen sich auf rund 36 Millionen Franken, wobei sich die kantonale und nationale Denkmalpflege mit einem Förderanteil von 2,5 Millionen Franken beteiligten.
Konkret wurden unter anderem die IT erneuert, der Erdbebenschutz verbessert sowie energetische Optimierungen durch neue Verglasungen und eine effizientere Estrichdämmung umgesetzt.

Verdeckte Strukturen freigelegt
Im Rahmen der Sanierung des Hauptgebäudes, die zugleich den Abschluss der 14 Jahre dauernden Gesamt­sanierung des Klinikareals bedeutet, haben Handwerker jahrzehntelang verdeckte Strukturen freigelegt. Die repräsentativen Bereiche im zentralen ehemaligen Verwaltungstrakt bekamen dadurch ihre frühere Pracht zurück.
Besonders imposant ist der grosse Festsaal: Seine marmorierten Säulen und Pilaster zeigen teilweise wieder die Originalfassungen. Wo gesicherte Befunde fehlten, entschieden sich die Verantwortlichen für eine gestalterische Interpretation mit einer gau­frierten Velours-Wandbespannung. Es dominiert ein üppiges Purpur, das an edle Königspaläste erinnert. Kombiniert ist das royale Ambiente mit modernem, stimmigem Licht. Der Saal wird im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen zum Thema Psychiatrie künftig wieder der Öffentlichkeit zugänglich sein, wie die PDAG am Rundgang mitteilte.

Vorträge im grünen Saal
Eine ähnliche Atmosphäre vermittelt ein Saal ganz in kräftigem Grün, in dem einst der Klinikdirektor mit seiner Familie hauste. Hier hielten die Verantwortlichen vor den Medien ihre einleitenden Vorträge, bevor es zum Rundgang durch das Gebäude ging.
CEO Beat Schläfli begrüsste die Anwesenden: «Es ist gelungen, den Charakter dieses einzigartigen Orts zu bewahren und gleichzeitig eine zeitgemässe, hoch funktionale Arbeits- und Behandlungsumgebung zu schaffen», sagte er. «Hier trifft Geschichte auf moderne Psychiatrie.» Dann informierte Schläfli über aktuelle Entwicklungen der PDAG und sprach über die grössten Herausforderungen der kommenden Jahre.
Marc Walter, Klinikleiter für Psychiatrie und Psychotherapie, referierte anschliessend zum Thema ­«Moderne Psychiatrie: Risiken und Chancen». Er verglich die Psychiatrie der Gründungszeit der Klinik um 1872 mit der Psychiatrie von heute und nannte einige konkrete Zielsetzungen der PDAG, zum Beispiel die Abschaffung der Fixierungen oder die Vermeidung der stationären Akut­psychiatrie.
Eva-Maria Pichler, ärztliche Leiterin des Zentrums für Abhängigkeitserkrankungen, sprach ihrerseits über das Thema «Suizidprävention: Risiken frühzeitig erkennen, Möglichkeiten und Grenzen reflektieren», bevor ­Thomas Zweifel, Leiter Betriebe, die Sanierung des Hauptgebäudes seit dem Architekturwettbewerb von 2012 erläuterte.

Der sanierte Festsaal ist in edlem Purpur gehalten. (Bild: zVg)

Therapieräume statt Betten
Das im Jahr 1872 eröffnete Hauptgebäude ist mit seinen fast 10 000 Qua­dratmetern Bruttogeschossfläche das älteste Bauwerk der PDAG auf dem Areal Königsfelden und ein Baudenkmal von kantonaler und nationaler Bedeutung. In den letzten 150 Jahren wurden an dem klassizistischen Bau im Rahmen einer Erweiterung der Versorgung zahlreiche An- und Umbauten vorgenommen. Mit der Inbetriebnahme des modernen «Magnolia»-Gebäudes im Jahr 2020 hat sich die Rolle des historischen Hauptgebäudes schliesslich gewandelt: Statt Bettenstationen beherbergt es heute Therapieräume, die sowohl für die ambulante Versorgung als auch für die Behandlung stationärer Patientinnen und Patienten genutzt werden können.
Beim Rundgang zeigte sich: Bei der Sanierung wurde generell sehr auf das Licht geachtet. Für die Aussenfenster wurde sogenanntes gezogenes Glas verwendet, dessen unregelmässige, wellige Oberfläche den Fenstergläsern des 18. und 19. Jahrhunderts nachempfunden ist und welches das Licht auf angenehme Weise bricht. Im Inneren wurde modernes Isolierglas verwendet. Die Farbgebung ist, abgesehen von den festlichen Räumen in Purpur und Grün, meist hell und unauffällig, dies im Einklang mit dem spartanischen Grundcharakter der Therapieräume.
Ein Detail, das die Krux zwischen Modernisierung und Denkmalschutz aufzeigt: Die Spannteppiche im Treppenhaus konnten zwar entfernt werden. Die Treppen aus Stein sind nun freigelegt. Die dünnen Metallstangen, die den Teppich auf den Stufen befestigten, mussten jedoch belassen werden. Sie sind denkmalgeschützt und «zieren» nun ohne Sinn und Aufgabe das Treppenhaus.