Sitzung unter erschwerten Bedingungen

Fragen und Ergänzungen blieben im Einwohnerrat am vergangenen Freitag nicht aus, aber alle Anträge passierten glatt und ohne Kontroversen.
Stadträtin Alexandra Dahinden kühlt sich ab vor Sitzungsbeginn. (Bild: pbe)

Brugg – Es ging an diesem Abend nur marginal um Fussball. Im Vordergrund standen an der Sitzung des Einwohnerrats am vergangenen Freitag vielmehr die hohen Temperaturen. Für ­einige Abkühlung sorgten zwar grosse Ventilatoren, aber auch nur für jene Beneidenswerten, die in deren Nähe ihre Sitzungsplätze hatten. ­Andere bedienten sich kleiner Handventilatoren oder wedelten sich mit einem Fächer etwas Luft zu. Zu Spitzenzeiten waren neun Fächer in ­Betrieb, was fast einem Fünftel des Einwohnerrats entspricht.
Eine besonders gewiefte Einwohnerrätin hatte sich ein garantiert kühlendes Tuch um die Schultern gelegt. Andere ertrugen die klimatischen Verhältnisse stoisch und litten still vor sich hin. Das machte sich besonders bei längeren Voten bemerkbar, die dazu führten, dass manche Ratsmitglieder zunehmend ins Leere starrten oder den Blick aufs Parkett, auf die Deckel der Mineralwasser­flaschen oder auf die eigenen Fingernägel richteten. Einige Votanten hielten sich vorbildlich und formulierten ihre Anliegen loud ’n’ clear, bei anderen versickerte die Stimme buchstäblich in den hohen Temperaturen.
Dann doch noch ein wenig Fussball: Nach 90 Minuten ordnete Ratspräsidentin Julia Geissmann eine ­«Hydration-Brake» an – der Saal leerte sich. Und doch verdient es Respekt, dass eine grosse Mehrheit um 22 Uhr beschloss, die Sitzung noch nicht abzubrechen, sondern zwei weitere Traktanden zu behandeln, deren Dringlichkeit offensichtlich einleuchtete. Und so wurde eine weitere Stunde erklärt, diskutiert, erwogen, gefragt, geantwortet – und geschwitzt.

Die Ratsbeschlüsse des Abends
Trotz dieser Umstände fanden die 49 anwesenden Ratsmitglieder unter anderem zu folgenden Entscheidungen: Sie genehmigten die Rechenschaftsberichte und die Rechnungen 2025 der Einwohnergemeinden Brugg und Villnachern. Sie stimmten der Erhöhung der Tranche des Globalbudgets um jährlich 40 000 Franken auf total 80 000 Franken für die Jahre 2026 und 2027 im Rahmen der Wirkungsorientierten Verwaltungsführung bei der Feuerwehr Brugg zu.
Ja sagten sie auch – unter Vorbehalt der Zustimmung der übrigen Trägergemeinden – zur Überführung der ­Regionalen Integrationsfachstelle ab dem 1. Januar 2027 in den Regelbetrieb samt Bereitstellung der für den Betrieb notwendigen 200 Stellenprozent sowie zu den jährlich wiederkehrenden Personalkosten von derzeit 274 500 Franken und den jährlich wiederkehrenden Betriebskosten von 62 900 Franken. Zustimmung gab es ausserdem für die Entnahmen des jährlichen Beitrags der Stadt Brugg an die Regionale Integrationsfachstelle in Höhe von 50 600 Franken ab dem Jahr 2027.
Der Einwohnerrat genehmigte schliesslich die dauerhafte Anpassung im Stellenetat und den anteilmässigen Kredit ab November 2026 in Höhe von 22 000 Franken und den jährlich wiederkehrenden Kredit in Höhe von 132 000 Franken. Und er ­bewilligte einen Verpflichtungskredit von 106 500 Franken zulasten der ­Erfolgsrechnung für die Einführung der Schulverwaltungslösung Pupil. Der Kredit umfasst die einmaligen externen Projekt- und Einführungskosten, den internen Projektaufwand sowie eine Projektreserve von 20 Prozent.

Und es ward Licht!
Zwei Persönlichkeiten sollen an dieser Stelle anerkennend hervorgehoben werden: Nach genau 3 Minuten und 41 Sekunden Ratstätigkeit erhob sich ein Mitglied der GLP und ging gemessenen Schrittes Richtung Tür, wo sich die Lichtschalter befinden, und betätigte diese – es ward Licht!
Und ein sprachlich gewandter Freisinniger meinte zur erschwerten Verständlichkeit einiger Voten: «Es könnte ja sein, dass aus diesem Grund nicht immer zum Stadtrat durchdringt, was vom Einwohnerrat vorgetragen wird.» – Wer weiss?