Bözberg – Der ortsansässige alt Brunnenmeister Hansruedi Frei hat eine interessante Broschüre über das Thema Wasser erstellt. Sie erzählt die spannende Entwicklungsgeschichte rund ums blaue Gold während der knapp letzten 200 Jahre auf dem Bözberg und «im Mündel». Auf 80 Seiten erfährt der Laie, wo überall Quellen, Sodbrunnen und öffentliche Brunnen zu finden sind oder waren. Mittels historischer Kartenausschnitte und Fotos kann man sich gut orientieren.
Fronarbeit und Deuchel
Geologisch ist der Bözberg aus Kalken und Dolomit mit vielen Fugen, Klüften und Brüchen sowie undurchlässigem Mergel und Ton beschaffen. In der Summe fliesst – wie im Jura üblich – das Gros des Felsgrundwassers in die Täler ab, was eine regelmässige Grundversorgung mit diesem lebenswichtigen Medium jahrhundertelang erschwerte. Ungeachtet dessen, dass vor dem 20. Jahrhundert pro Person, einschliesslich Gewerbe, Haushalt und Vieh, und pro Tag nicht mehr als 40 Liter Wasser verwendet wurden. Und das, obwohl man aus jener Zeit auf dem Bözberger Plateau, inklusive Linn und Gallenkirch, von nicht weniger als 47 öffentlichen Brunnen, 50 Sodbrunnen und 103 Quellen weiss.
Letztere allerdings waren nicht alle gefasst. Der Not gehorchend entstanden sogenannte Brunnengenossenschaften, an deren Brunnen auch das Vieh getränkt wurde. Die um die Tröge anfallende «Schorete» – Kot und Schlamm – war bei den Landwirten als Dünger begehrt und wurde versteigert.
Als Zuleitung dienten damals sogenannte Holz- oder Tondeuchel, das Durchbohren der hölzernen Exemplare verlangte zweifellos grössere Kraftanstrengung. 1846 stand eine Sanierung der Brunnenleitungen an, ein Jahr später Grabarbeiten. Sie wurden im Gemeindewerk, also gewissermassen in Fronarbeit erledigt. Natürlich kam es immer wieder zu Verunreinigungen durch Jauche oder zur Rationierung infolge langer Trockenheit. Dann musste man auf Feuerweiher oder Tümpel ausweichen, und das wertvolle Nass wurde in speziellen «Bücki» transportiert. Kein Wunder, dass man in jenen Jahren das Wasser mehr schätzte als den Most. In Extremzeiten trieb man das Vieh zum Tränken gar hinunter bis zur Aare. Dass Streitereien nicht ausblieben – wer mag anderes erwarten.
Die Ueberthaler bauten 1906 die erste Wasserversorgung auf dem Bözberg, mit Gussleitungen, Reservoir und Hydranten. Auch Gallenkirch und Linn einigten sich nach anfänglichen Querelen auf eine gemeinsame Lösung, sodass bereits 1911 sämtliche Haushalte der beiden Gemeinden einen Anschluss ihr Eigen nannten. 1913 war es in Oberbözberg so weit, denn mangelnde Wasserqualität und Löschkapazität verlangten nach Ausbau und Sanierung. Unterbözberg wiederum schloss sich schliesslich 1921 dem Linn-Gallenkirch-Verbund an. Weil aber der Wasserverbrauch stetig zunahm und unter dem Druck des Trockenjahres 1947 gründete man 1948 die VWV, die Vereinigte Wasserversorgung Bözberg. 30 Jahre später wurde Mönthal integriert. Seit damals bezieht die VWV Grundwasser über das Stufenpumpwerk Chessler in Villnachern; 2022 betrug dieser Anteil 80 Prozent des Gesamtverbrauchs.
Moderne Wasserversorgung
Heute präsentiert sich die Bözberger Wasserversorgung mit moderner Leitzentrale. Sie zählt 688 Wasserabonnenten und bewirtschaftet 213 Hydranten. Über 115 sogenannte Logger wird das ganze Netz ständig hinsichtlich Lecks überwacht, UV-Anlagen halten das Wasser keimfrei, Trübungsmessungen finden permanent statt, und alle sensiblen Installationen werden gegen Einbrüche überwacht. Kurz: Der Bözberg und Mönthal sind heute wassertechnisch bestens aufgestellt.