«Es zählt, was ich tat»

Am 30. November wird der Brugger Stadtrat gewählt. Acht Kandidierende stellen sich für fünf Sitze zur Verfügung. Der «General-Anzeiger» stellt jede Woche eine(n) von ihnen vor: Neben Fragen zu politischen Inhalten stellen sich die Kandidierenden persönlichen Themen.
Stadtratswahlen: Heute mit Patrick von Niederhäusern. (Bild: zVg)

Brugg – 15 Fragen zur Politik

Bekannt ist, dass ein Exekutivamt nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen für Sie bereithält. Warum kandidieren Sie trotzdem, obwohl ­bekannt ist, dass man es nie allen recht ­machen wird? 
Gerade weil es nie möglich ist, es allen recht zu machen, empfinde ich dieses Amt als besonders sinnstiftend. Mein Antrieb ist nicht das Streben nach allgemeiner Zustimmung, sondern der Wunsch, Verantwortung zu übernehmen und unser Zusammenleben aktiv mitzugestalten. So bin ich mit Herzblut, Idealismus und Überzeugung bereit, Verantwortung zu tragen und nach Lösungen zu suchen, die dem Gemeinwohl dienen – selbst wenn das bedeutet, unbequeme Entscheidungen zu vertreten. 

Denn nur so kann man als Exekutivmitglied wirklich etwas bewegen. Im Mittelpunkt steht für mich der Wunsch, einen robusten Beitrag für unsere Gemeinschaft zu leisten. Sogar wenn schwierige Entscheidungen anstehen oder Gegenwind aufkommt, verliere ich mein Ziel nicht aus den Augen, das Leben der Menschen in unserer Gemeinde Schritt für Schritt zu verbessern. Diese Aufgabe mit Engagement und Zuversicht anzupacken, ist für mich keine Bürde – sondern Antrieb.

Welches sind thematisch Ihre politischen Arbeitsschwerpunkte?
Ich habe mich in den letzten Jahren parteiübergreifend mit Verkehrsfragen beschäftigt und mich für gesunde Finanzen eingesetzt.

Was glauben Sie, wie könnten Sie auf der ­Basis Ihrer Ausbildung und Ihres Berufs für die Stadt Gutes tun?
Als Geschäftsführer eines Montageunternehmens bringe ich praktische Erfahrung und eine lösungsorientierte Denkweise mit. Ich bin es gewohnt, Projekte effizient zu planen und mit unterschiedlichen Menschen gemeinsam Ziele zu erreichen. Meine handwerkliche Ausbildung hat mir gezeigt, dass man präzis und verlässlich in einem Team arbeiten können muss. Das gilt auch in der Kommunalpolitik. In meinem Unternehmen habe ich gelernt, wie entscheidend es ist, Verantwortung zu tragen und nachhaltige, wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für die Stadt zu entwickeln. 

Wenn die gute Fee Ihnen drei Wünsche zum Wohl der Stadt feilböte, welche wären das?
Dass die Hauptprobleme von Brugg gelöst sind: Das zielt auf ein ausgeglichenes Budget, eine nachhaltige und solide Weiterentwicklung der Infrastruktur und eine Erhöhung der Lebensqualität.

Welches Ressort würden Sie gern über­nehmen, welches eher nicht?
Ich bewerbe mich um ein Amt in der Exekutive, und die Ressorts sind für mich alle gleich wichtig. Deshalb habe ich keine Präferenzen.

Wie «grün» sind Sie?
Die SVP war schon grün, als es die Grünen noch gar nicht gab. Nachhaltig zu agieren, ist für mich nicht nur ein Trend, sondern verpflichtet uns gegenüber unserer Umwelt und den kommenden Generationen. Privat achte ich auf ressourcenschonendes Verhalten und spare Energie, das unter anderem durch bewusst gestaltete Mobilität. Leider beleben manche Politiker heutzutage eine Ideologie ohne Rücksicht auf Verluste.

Was würden Sie der Stadt niemals wünschen?
Das sich die Drogenszene weiter ausbreitet und das Gewerbe mit Auflagen und Parkplatz­reduktionen schikaniert wird.

Was würden Sie der Stadt unbedingt (von Herzen) wünschen?
Gesunde Finanzen, die kein Vermögen brauchen, um das Defizit aufzufangen, was zwischenzeitlich leider nicht mehr gelingt.

Gibt es Fragen, die wir Ihnen noch hätten stellen müssen?
Ja, die gibt es. 

Was halten Sie von den Massnahmen zur ­Belebung der Altstadt?
Ich weiss nicht, was es bringen soll, wenn man ein paar Pflanzen in Töpfe setzt und das Gewerbe schikaniert, indem man Parkplätze aufheben will. Ich glaube nicht, dass ein paar Blumen und Sträucher Menschen in die Altstadt bringen. Es wäre besser, liberale Bedingungen für das Gewerbe zu schaffen.

Was sagen Sie zur Sicherheitslage?
Sie hat sich endlich verbessert, indem die Polizeipräsenz massiv erhöht wurde. So wie wir das in dem offenen Brief von den zuständigen Stellen forderten.

Was halten Sie vom übermässigen Wachstum der Verwaltung?
Dem muss endlich Einhalt geboten werden, denn die Bürger haben kaum bemerkt, dass die Verwaltung übermässig gewachsen ist. Das ­Angebot hat sich für sie in keiner Weise verbessert.

Was sagen Sie zur Finanzlage von Brugg?
Wir müssen endlich aufhören, immer mehr auszugeben. Der Nettoverwaltungsaufwand ist in den letzten zehn Jahren extrem gestiegen. In der betrieblichen Tätigkeit sind wir mittlerweile bei minus 11 Millionen Franken, und der Finanzertrag reicht nicht mehr aus, um dieses ­Defizit zu stopfen. 

Angenommen, Sie erhalten drei Angebote in Versform, die Ihre politische Arbeit ver­deutlichen. Welches wählten Sie?
Ich nehme diese zwei: In Brugg stehts in den Sternen: Die Stadt muss sparen lernen. Ich gab schon immer mir den Rat: Am Ende zählt nur, was ich tat. 

Und angenommen, ein Römer aus Vindonissa böte Ihnen eine Auswahl lateinischer Wahlsprüche an. Welchen wählten sie?
Das ist ganz klar, nämlich diesen: Salus populi suprema lex. Das Wohl des Volkes sei das höchste Gesetz.

16 Fragen zur Persönlichkeit 

Wie lautet Ihre gegenwärtige Lebensdevise?
Ich habe keine Devise, es sei denn diese: Man muss einfach stets das Beste geben.

Wenn nicht in Brugg, wo würden Sie leben wollen?
Ich bin im Herzen Brugger und möchte nirgendwo anders leben, aber wenn es sein muss, dann auf dem Bözberg. Denn von den Vierlinden aus sieht man wunderbar die Stadt Brugg.

Was oder wer macht Sie sowohl sachlich als auch emotional an?
Mut, der nicht selbstherrlich ist. Ich bewundere Menschen, die nicht für sich, sondern für die Sache einstehen. 

Was oder wer würde Ihren ­Tatendrang hemmen?
Überbordende Bürokratie. Je mehr Bürokratie und Vorschriften es gibt, desto weniger kann wirksam umgesetzt werden. 

Welches sind Ihre historischen Vorbilder und warum?
Jeder, der sich selbstlos für unsere Heimat, die Schweiz, eingesetzt hat. Vor allem wenn sie die Sache und nicht sich selbst in den Vordergrund stellten. 

Welche verabscheuen Sie?
Ich finde «verabscheuen» ein sehr hartes Wort, aber Personen, die egoistisch und eigennützig agieren, könnte ich hier schon meinen.

Welches sind Ihre Vorbilder der Gegenwart und warum?
Jeder, der für das einsteht, was er vertritt. Ich möchte nicht einzelne Personen erwähnen, sondern bewundere alle, die das Beste für unsere Gesellschaft geben. 

Welche Kunstausstellungen haben Sie in ­letzter Zeit besucht?
Den Gabentempel des Esaf, und in den Sommerferien war ich mit meiner Familie in der Glasi Hergiswil. Ich bin nicht so der Typ für ­irgendwelche Ausstellungen mit abstrakten ­Bildern, sondern eher bodenständig. 

Welches Buch lesen Sie gerade und warum?
Gern Bücher von Lee Child mit seiner Figur Jack Reacher. Er verwendet eine prägnante Sprache, und die Handlung ist voller Spannung und Action.

Welche Musik hören Sie am liebsten?
Je nach Stimmung, ich bin sehr offen. Meistens höre ich Radio Argovia im Büro und SRF 3 im Auto. Ich mag jedoch keine extremen Musikstile. Ich mag Ländlermusik am Schwingfest, aber ebenso Rockmusik an einem Open Air. 

Welche Eigenschaften sind für Sie ­verabscheuungswürdig?
Respektlosigkeit. Auch wenn man nicht gleicher Meinung ist, sollte man respektvoll miteinander umgehen. 

Welche Talente und Gaben möchten Sie noch besitzen?
Das wären hellseherische Fähigkeiten, damit ich wüsste, was die Zukunft bringt. 

Was wäre für Sie das vollkommene irdische Glück?
Besitze ich bereits mit meiner Frau und ­meinen beiden Kindern.

Wie lautete der Titel Ihres Lebensromans?
Zwischen Verantwortung und Leidenschaft – der Weg eines Bruggers.

Was würden Sie von Petrus gern hören, wenn Sie an der Himmelspforte ankommen?
Gut gemacht. Du hast dein Bestes gegeben.

Gibt es hier noch persönlichere Fragen, auf die Sie gern geantwortet hätten?
Ja, das sind Fragen zu meinen persönlichen Werten. Ich finde es wichtig, dass Personen in ein solches Amt gewählt werden, die sich für die Sache und in diesem Sinne für die Stadt Brugg einsetzen und nicht einer Ideologie nacheifern. Und zu meiner Erfahrung in Gesellschaft und Politik. Ich denke, ich bringe die ideale Voraussetzung für dieses Amt mit. Ich bin seit 18 Jahren selbstständig und hatte mehrere Hochs, aber auch Tiefs. Ich kann schnelle Entscheidungen treffen und die daraus entstehenden Konsequenzen aushalten. Zudem bin ich seit 18 Jahren in diversen politischen Ämtern tätig und kenne deshalb die Abläufe und Mechanismen.