Ganz Lengnau träumt von der Liebe

Sechs humorvolle Figuren streiten in der neuen Komödie des Theaters Lengnau um einen Wohnraum und ihre Zukunftsperspektiven.
Im komödiantischen Zweiakter «Huusfründe» wurden alte und neue Lieben gesucht, vor allem aber eine Unterkunft. (Bild: sma)

Lengnau – Die beiden alten Schulfreundinnen Gretli (Barbara Lüscher) und Dora (Erika Werder) sitzen gemeinsam in der neuen Wohnung von Gretli und schwelgen in alten Zeiten: Früher, ja da gab es noch Romantik und echte Männer. Während Gretli sich lieber für Abenteuer auf der ganzen Welt entschieden hat, bleibt ihrer Freundin vor allem die Erinnerung an den bunten Abend des Turnvereins Lengnau. Ihr Freddie, der konnte immerhin mit einem Dreifachsalto auf den Bettkasten springen. Heute dagegen kann man schon schnell mal beim Spagat steckenbleiben.

Am vergangenen Freitag feierte das neue Stück des Theaters Lengnau sein Debüt. Kurz nach 20 Uhr öffnete sich unter dem Applaus des Publikums der Vorhang in der Mehrzweckhalle Rietwiese. Beim Zweiakter «Huusfründe» handelt es sich um eine Komödie über das Leben, die Liebe und den ganzen Rest.

Bereits seit Bestehen des Theatervereins werden Komödien aufgeführt. «Dieses Genre passt sehr gut zu uns, da wir alle sehr humoristisch sind und gerne ein dementsprechendes Hobby pflegen», erzählt OK-Mitglied Matthias Haag. Man habe zudem sehr viele Stammgäste, die gerne jedes Jahr zum Lachen kommen.

Friends
Nach und nach trudeln die «Hausfreunde» in Gretlis Wohnung ein, auch weil die Tür von einer der Figuren demoliert wurde. So läuft regelmässig eine ältere und leicht verwirrt wirkende Frau (Irène Vögeli) durch das Wohnzimmer. Und auch der Hausverwalter (Joel Schüpbach) sorgt in jeder der Szenen für Trubel. Denn ganz so ernst hat Gretli die monatlichen Zahlungen für ihre Behausung nicht genommen.

Als auch noch Gretlis ehemaliger Liebhaber Alfredo (Daniel Moser) und Doras Enkelin Minnie (Aline Koller) vor der Tür stehen, ist das Ensemble vollständig und das Chaos perfekt. Dann darf auch mal kräftig auf den Tisch gehauen oder der Spiess umgedreht und für einmal der Mann von der Hausverwaltung über die Bühne gejagt werden. Das Set bleibt dabei durch alle sechs Szenen identisch und zeichnet sich vor allem durch die zentral gelegene Hängematte aus – denn irgendwo müssen die ungebetenen Hausgäste ja auch schlafen.

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Die Akteure auf der Bühne suchen nicht nur eine Wohnung. (Bilder: sma)

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Shadow

Der Goldene Clown
Die überzogenen Figuren mit ihren leichten Generationenkonflikten kamen gut beim Publikum an. Da dürfen dann auch mal alle etwas vulgärer durcheinanderreden, wenn die Enkelin ihrem Grosi erklären muss, was ein One-Night-Stand ist oder eben der Macho dem Weichei beibringt, was denn «die Frauen» eigentlich wollen. Es sind nämlich Liebeserklärungen, die das andere Geschlecht «noch lieber hat als neue Schuhe».

Dass Alfredo, Preisträger des Goldenen Clowns, seine Auftritte in Las Vegas gegen Freienwil eintauschen musste, ist schon sehr charmant und schafft auf eine angenehme Art einen regionalen Bezug im Stück, welches ursprünglich vom Zürcher Charles Lewinsky und Siegfried Ostermeier geschrieben wurde.

Insgesamt ist das Stück trotz zahlreicher Konfliktlinien dann doch recht konfliktfrei. Man akzeptiert gemeinsam die Umstände und wünscht sich eine gute Fee, welche die Wohnungsprobleme löst. Leise Kritik an Altersheimen hat hier schon Platz, die Anti-Regina-Bachmann-Haltung möchte man aber dann doch nicht zu laut zelebrieren.

Am Ende wird mitgeklatscht und es läuft «We Are Family» für die neuen WG-Mitbewohnenden. Für das Geburtstagskind Barbara Lüscher gab es an diesem Abend neben dem Applaus des Publikums sogar noch zwei Blumensträusse.

«Das Wochenende dürfen wir als einen weiteren Erfolg verbuchen, die Premiere hat super geklappt», sagt Matthias Haag. Am Samstag durfte man zudem vor einer ausverkauften Halle spielen, und man freue sich nun auf das zweite Aufführungswochenende. Und mit Blick auf das nächste Jahr möchte man wieder etwas experimentierfreudiger sein beim Theater Lengnau.

Freitag, 23. Januar, und Samstag, 24. Januar, jeweils 20 Uhr
Mehrzweckhalle Rietwiese, Lengnau