Bewusstsein für Herausforderungen

Christian Buser ist anlässlich der ersten Sitzung des Einwohnerrates zum höchsten Obersiggenthaler gewählt worden.
Einwohnerratspräsident Christian Buser neben einem Bild seiner Tochter Eline. (Bild: pg)

Obersiggenthal – Einstimmig hat der Obersiggenthaler Einwohnerrat am 15. Januar Christian Buser zu seinem neuen Präsidenten gewählt. Christian Buser wohnt im Ortsteil Nussbaumen und gehört dem Einwohnerrat seit acht Jahren an. Als Chief Development Officer bei der Grünstrom-Produzentin Aventron AG zeichnet Christian Buser für die europaweite Akquisition, Entwicklung sowie den Bau von Kleinwasserkraftwerken, Windparks und grossen Solaranlagen verantwortlich. Hierbei nimmt er auch die Rolle als Bauherr, beziehungsweise Projektleiter, für spannende Projekte, wie etwa die grösste alpine PV-Anlage Sedrun Solar sowie auch Windparks in Deutschland und Frankreich, wahr. Die «Rundschau» hat mit ihm über seine neue Aufgabe gesprochen.

Christian Buser, worauf freuen Sie sich besonders?
Das Präsidium erlaubt es mir, den Politikbetrieb nach acht Jahren als Einwohnerrat nochmals von einer anderen Perspektive erleben zu dürfen, und ich bin mir bewusst, dass die inhaltliche Mitwirkung etwas in den Hintergrund gerät. Als studierter Geograph habe ich eine sehr interdisziplinäre Ausbildung erhalten und bin es gewohnt, aus zahlreichen Fakten ein Gesamtbild zu konstruieren und zu interpretieren. Dieses methodische Rüstzeug hilft bestimmt auch bei der Behandlung politischer Geschäfte. Ich bin mir der Verantwortung, der Prozesse und Wege, aus welchen am Schluss Entscheidungen hervorgehen, die auch breit akzeptiert werden, bewusst.

Nehmen Sie sich Ihre Vorgängerin zum Vorbild?
So wie Mara Jenni in ihrer unbeschwerten und klaren Art den Rat durch die Sitzungen geführt hat, ist sie sicher Vorbild. Sie hat immer den Überblick behalten und gutes Gespür bewiesen, wenn sich eine Diskussion zu wiederholen beginnt, wann man zur Abstimmung schreiten kann und wann doch noch neue Argumente und Aspekte eingebracht werden. Ich bin teilweise sehr ungeduldig und kann meinen Ärger, wenn es nicht vorwärts geht, nur schlecht zurückhalten. Trotzdem hoffe ich, dass es mir gelingen wird, mit der notwendigen Ruhe die Sitzungen zu leiten.

Bemerken Sie im Einwohnerrat einen Unterschied von damals zu heute?
Die ersten Jahre meiner nun achtjährigen Mitwirkung im Einwohnerrat waren thematisch ausserordentlich stark dominiert durch die angespannte Finanzlage der Gemeinde. Dies äusserte sich in einer eher aggressiven, konfrontativen Diskussionskultur. Zwischenzeitlich hat sich die Diskussionskultur meines Erachtens stark verändert, und alle Parteien sind bemüht, sich konstruktiv einzubringen und im Idealfall einen tragfähigen Kompromiss zu erreichen.

Wo besteht in Obersiggenthal ­Verbesserungspotential?
Ich stelle fest, dass das Bewusstsein hinsichtlich der Klimaveränderung und der Biodiversität noch nicht allen bewusst ist. Hier werden in diesem Zusammenhang mit Hitze- und Starkregenereignissen und Ähnlichem Herausforderungen auf den Siedlungsraum zukommen, welche durch gezielte Begrünung mit angepassten Baum- und Pflanzenarten sowie Siedlungsentwässerung gelöst werden sollten. Dies sollte schon in der Planung berücksichtigt werden, so dass etwa bei Projekten automatisch Klimaanpassungsmassnahmen einfliessen sollten.

Worauf legen Sie Ihr politisches ­Augenmerk und was ist Ihnen ­wichtig?
Ich werde auch während meiner Präsidialzeit die Legislaturziele der Mitte-Fraktion Obersiggenthal mittragen. Im Vordergrund stehen dabei eine attraktive Gemeindeinfrastruktur und ein vielfältiges Freizeitangebot, eine vernünftige, einwohnerfreundliche Verkehrsplanung sowie ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit den Gemeindefinanzen. Bei der Infrastruktur und beim Hochbau stehen verschiedenste Investitionen an. Diese gilt es, umsichtig und mit Weitsicht zu planen und umzusetzen. Dabei gilt es Nachhaltigkeit und Klimaschutz unbedingt zu berücksichtigen. Die gilt auch für die anstehende BNO-Revision, die ­angegangen werden soll. Als wichtig erachte ich auch bezahlbaren und
umweltfreundlichen Wohnraum, generationenübergreifenden und interkulturellen Austausch sowie eine ­zeitgemässe und bildungsfreundliche Schule.

Und womit verbringen Sie Ihre ­Freizeit?
Die Freizeit verbringe ich sehr gerne draussen, sei es outdoor zu Fuss, mit dem Gravel-Bike, mit dem Kanu auf dem Fluss, beim Klettern oder im Winter auf den Tourenskis in den Bergen. Zuhause bin ich gerne im Garten oder beim Kochen. Entspannung finde ich auch beim Lesen eines Buches. Ich schätze es aber auch, dass man nach einer hitzigen Einwohnerratssitzung parteiübergreifend zusammensitzt, etwas trinkt und den gemeinsamen Austausch über politische Themen, den Alltag und auch persönliche Aspekte pflegt. Dieses Klima und die Verbundenheit müssen unbedingt beibehalten und gepflegt werden.