Kirche, Bücher und Politik

Elisabeth Keller-Huppenbauer ist 93-jährig gestorben. Sie war zweimal Pfarrfrau, vierfache Mutter, Buchhändlerin und Brugger Einwohnerrätin.
Elisabeth Keller-Huppenbauer fiel es nicht schwer, sich immer wieder auf Neues einzustellen. (Bild: zVg)

Brugg – Als jüngste Tochter eines Methodistenpfarrers blieb Elisabeth Keller-Huppenbauer zeitlebens mit der Kirche verbunden. Sie wuchs wohlbehütet auf, liebte die Musik, das Lesen und die Sprachen. Nach dem Schulabschluss arbeitete sie als Sekretärin in einer Uhrenfabrik in La Chaux-de-Fonds und danach als Französischkorrespondentin auf dem Zentralsekretariat der Gewerkschaft VPOD in Zürich. In dieser Zeit lernte sie ihren ersten Mann, den Theologen Hans Walter Huppenbauer kennen.

An dessen erster Pfarrstelle im ländlichen Mandach kamen zwischen 1958 und 1963 ihre vier Kinder zur Welt. Aber die Mutter und Pfarrersfrau war nicht auf das Leben in einem so kleinen Dorf vorbereitet – zudem fehlte ihr der Blick in die Ferne, an den sie sich von der Bergwelt her gewohnt war. Darum fiel ihr der Entschluss, im Auftrag der Basler Mission mit der Familie nach Ghana zu gehen, nicht schwer.

Ein neues Wirkungsfeld
Die Rückkehr in die Schweiz führte sie nach Brugg, wo Hans Walter Huppenbauer zum Stadtpfarrer berufen wurde. Für seine Gattin öffnete sich ein neues Wirkungsfeld: Sie wurde in die Schulpflege gewählt und gehörte zu den ersten Frauen, die nach der Einführung des Frauenstimm- und Wahlrechts für die SP im Brugger Einwohnerrat Platz nahmen. Als die Kinder grösser wurden, begann sie samstags in der Buchhandlung Effingerhof zu arbeiten. Sie bestand auch die Buchhändlerprüfung, was sie später zur Leitung der grossen Buchhandlung im Neumarkt II befähigte.

Zwei glückliche Umstände
Das berufliche Standbein und die persönliche Selbständigkeit kamen ihr zustatten, als ihr Gatte vom Stadtpfarramt in das Zentralsekretariat der internationalen Kooperation Evangelischer Kirchen und Missionen wechselte und die Familie 1981 verliess. Zwei Jahre später wurde die Ehe geschieden. In der schwierigen Situation halfen Elisabeth Huppenbauer zwei glückliche Umstände: Sie konnte voll als Buchhändlerin einsteigen, und sie heiratete 1985 den verwitweten Umiker Pfarrer Werner Keller. Dies sei eine ihrer besten Entscheidungen gewesen, schrieb sie im Lebenslauf.

Das Paar verbrachte bis zu Werner Kellers Tod im Jahr 2012 glückliche Jahre in einem Eigenheim im Brugger Stadtteil Langmatt. Vieles aus der nahen und weiten Welt verband sie. Der aus Hottwil gebürtige Werner Keller war in der Kirche Mandach ordiniert worden, der späteren Wirkungsstätte der Huppenbauers, beide waren eine Zeitlang in Afrika sowie für die Basler Mission tätig, und sie behielten bis zu ihrem Tod das Interesse am Weltgeschehen und die Kontaktfreude zu den Menschen.

Elisabeth Keller-Huppenbauer blieben persönliche Schicksalsschläge nicht erspart, wie eine schwere Erkrankung im Winter 2002 und der plötzliche Tod von Sohn Markus im Jahr 2020. Die letzten fünf Jahre verbrachte sie im Alters- und Pflegezentrum Sanavita in Windisch, zuerst in einer Wohnung, dann in einem Zimmer – umgeben von ihren Schätzen. Sie las viel, malte und pflegte den Kontakt zu ihren Lieben. Seit dem letzten Oktober war sie sechsfache Urgrossmutter. Im Dezember erkrankte sie an einer schmerzhaften Gürtelrose. Sie verstarb unerwartet schnell, jedoch auf den Tod gefasst, wie die Angehörigen aus Markierungen in Büchern, die sie noch in den letzten Wochen bestellt hatte, entnehmen konnten.