Klangbild aus Klassik und Moderne

Mit der Veröffentlichung seiner ersten CD erreicht der Spreitenbacher Geiger Silvan Dezini einen Meilenstein in seiner noch jungen Karriere.
Silvan Dezini erreicht einen Meilenstein in seiner Karriere als Violinist. (Bild: zVg)

Spreitenbach – Der Namen Silvan Dezini ist in der Region längst geläufig. Nicht zuletzt ist der junge Violinist wegen der Konzerte in der Klosterkirche Wettingen mit ihm und dem klein besetzten Ostinato-Ensemble bekannt. Die von ihm ins Leben gerufene Ostinato-Konzertreihe erfuhr erst im Herbst in Wettingen eine Fortsetzung, bei der mitunter Felix Mendelssohn Bartholdys Violinkonzert in d-Moll zur Aufführung kam.

Der 24-Jährige entdeckte bereits in seiner frühen Kindheit die Geige und die klassische Musik für sich. «Eigentlich wollte ich schon immer professioneller Musiker werden», reflektiert Dezini. Diesem Ziel hat er seither sein Leben untergeordnet und durfte dafür bereits erste Erfolge verbuchen. «Es ist intensiv und erfordert grosse Flexibilität. Doch schliesslich ist die Musik für mich nicht einfach ein Beruf, sondern eine Berufung.»

Gegenwärtig macht Silvan Dezini einen Master in Pädagogik an der Hochschule der Künste Bern. Damit ihm daneben genügend Zeit für sein Engagement als Solist bleibt, hat er sich bewusst dazu entschieden, das Studium zu strecken. Staub vom veralteten Klassikbild pusten und verkrustete Konzertrituale aufbrechen sind Dezini zwei wichtige Anliegen bei seiner Arbeit als Musiker. Eine Frucht dieser Entscheidung erscheint am 10. Februar in Form seines ersten eigenen Albums «Vivaldi & Müller».

Silvan Dezini gehört zu den vielversprechensten Violinisten in der Region. (Bild: zVg)

Moderne Betrachtung
Die CD-Aufnahme, die er und das Ostinato-Ensemble für das Schweizer Label Claves eingespielt haben, besteht im Kern aus Antonio Vivaldis «Vier Jahreszeiten». Die vier Violinkonzerte aus dem Jahr 1725 begleiten Silvan Dezini seit vielen Jahren, gehören gleichzeitig aber zu den bis heute am meisten eingespielten Werken. «Ich habe mir deshalb überlegt, wie man neu an die ‹Vier Jahreszeiten› herangehen könnte. Bei meiner Suche stiess ich auf das ‹Prélude und drei Intermezzi› von Fabian Müller», erläutert Dezini. Diese hatte der Schweizer Komponist 2016 eigens für Antonio Vivaldis wohl berühmtestes Werk verfasst. Anders als bei den meisten Interpretationen der «Vier Jahreszeiten» wechseln sich in Dezinis Debütalbum Klassik und Moderne ab.

Fabian Müller stammt ursprünglich aus Lengnau, wuchs in Zürich auf und ist heute einer der bekanntesten zeitgenössischen Schweizer Komponisten. Er studierte Violoncello und Komposition, mitunter am Konservatorium Zürich sowie am «Aspen Music Festival and School» in Colorado. 2002 nahm David Zinman mit dem Philharmonia Orchestra London eine Porträt-CD mit Werken Müllers auf; es folgten viele weitere Einspielungen, zuletzt eben jene von Silvan Dezini.

Müllers Werke werden international von renommierten Orchestern aufgeführt und sind in bedeutenden Konzertsälen sowie bei internationalen Festivals zu hören. «Bei den Proben und Aufnahmen war Fabian Müller teilweise selbst zugegen», erzählt Dezini. «Schliesslich geht es bei so einem Projekt auch darum, die Vorstellungen des Komponisten umzusetzen.»

Selbstzweifel überwinden
Die Aufnahme seines Debütalbums markiert einen wichtigen Schritt im Werdegang des jungen Geigers. «Diese CD ist auch eine Art Visitenkarte für mich als Musiker, von der ich mir erhoffe, dass sie mir neue Türen öffnen wird», bekräftigt Dezini, der viel Zeit und Mühen in das Projekt investiert und dabei auch von Selbstzweifeln nicht verschont geblieben ist. «Ich habe mich hin und wieder gefragt, ob ich überhaupt gut genug bin und ob es mir zusteht, eine CD zu veröffentlichen», gesteht er. «In diesen Momenten konnte ich mich aber auf die Unterstützung meines Umfelds verlassen.»

Bis zur fertigen Aufnahme war sich Silvan Dezini selbst der schärfste Kritiker: «Natürlich sucht man dabei immer nach Möglichkeiten, sich noch zu verbessern und noch etwas mehr aus sich herauszuholen.» Erst mit etwas zeitlichem Abstand habe er sich erlaubt, seine Arbeit grosszügiger zu beurteilen. «Schlussendlich bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.»

Neben der Konzeption und der eigentlichen Umsetzung stellte vor allem die Finanzierung des Vorhabens für den jungen Geiger eine Herausforderung dar. Über 30 Stiftungen ersuchte er um Förderbeiträge, bis die Mittel für das Projekt beisammen waren. Zudem investierte er gut ein Jahr, bis aus der Idee eine fertige CD wurde. «Das lag natürlich auch daran, dass es mein erstes Album war», weiss Dezini. «Wenn man sich erst einmal ein Netzwerk aufgebaut hat, geht das natürlich schneller.» Genau das will auch er erreichen, und wenn weiterhin alles nach Plan läuft, wird man wohl noch des Öfteren von Silvan Dezini hören.