Einblicke in das Ansiedlungsprojekt

Das interessierte Publikum informiert sich anhand der bereitgestellten Dokumente und Planunterlagen. (Bild: pg)

Wettingen – Im April 2025 sorgte die begründete Geheimhaltung des internationalen Industriekonzerns, der Interesse bekundete, sich auf einer Fläche von zehn Hektaren im Tägerhardächer anzusiedeln, für Kritik. Trotz der Tatsache, dass durch den Bau des Campus landwirtschaftlich genutzte Fruchtfolgeflächen betroffen sind und das Nutzungsrecht für den Kiesabbau durch die Tägerhard Kies AG entfällt, stimmten die Ortsbürger einer Landabgabe im Baurecht mit 116 Ja zu 50 Nein zu.

Als bekannt wurde, dass sich Hitachi möglicherweise in Wettingen ansiedeln möchte, wurde auch darauf hingewiesen, dass das Unternehmen als Standort für den Schweizer Hauptsitz mehrere Optionen prüft. Dies hinderte die Wettinger Ortsbürger nicht daran, am 20. Januar sowohl den Baurechtsverträgen zwischen der Ortsbürgergemeinde und Hitachi als auch der Aufhebung, beziehungsweise der Anpassung des bestehenden Dienstbarkeitsvertrags mit der Tägerhard Kies AG, deutlich zuzustimmen. Beide unterstehen dem fakultativen Referendum.

Langfristige Stabilität
Rund 80 Personen folgten vergangene Woche der Einladung zur öffentlichen Informationsveranstaltung ins Tägi, um sich durch Gemeindeammann Markus Haas, den mandatierten Alt-Gemeindeammann Roland Kuster und weiteren Fachpersonen über den aktuellen Stand des Ansiedlungsprojekts informieren zu lassen. Haas wies einleitend erneut darauf hin, dass seitens Hitachi weitere Standorte geprüft werden, was allerdings von zahlreichen Teilnehmenden hinterfragt wurde, da diesbezüglich bisher nichts an die Öffentlichkeit gelangt sei und das ordentliche planerische Verfahren mit einem engen Zeitstrahl ausgestaltet sei. «Sowohl für die Gemeinde als auch für den Kanton Aargau ist es wichtig, langfristige Investitionen zu begünstigen. Es ist uns auch wichtig, um Spekulationen vorzubeugen, Transparenz zu schaffen und eine nachhaltige wirtschaftliche und tragfähige Ansiedlung zu realisieren und offen zu kommunizieren», so Haas.

Die Veranstaltung diente dazu, den laufenden Prozess verständlich zu machen und die nächsten Schritte aufzuzeigen. Haas zeigte sich zuversichtlich, dass Wettingen und der Aargau die Auflagen zu erfüllen vermögen. «Eine Ansiedlung dient der wirtschaftlichen Förderung und einer langfristigen Stabilität. Gleichzeitig kann ein wichtiger Beitrag zur Steuer- und Wirtschaftsbasis der Gemeinde erreicht werden», stellte Haas fest.

Zielbild 2035
«Obwohl es sich um ein komplexes Vorhaben handelt, bei dem unterschiedliche Themen aufeinander abgestimmt werden müssen, soll alles trotz der Eile – der Baustart ist für Mitte 2027 angedacht – sorgfältig geprüft und abgestimmt werden», versprach Roland Kuster den Anwesenden. «Die Richtplananhörung basiert auf dem Zielbild 2035, das in diesem multifunktionalen Raum alle Ansprüche berücksichtigt. Auch der Kanton hat im Entwicklungsleitbild Schwergewichte festgelegt, und mit den Gemeinden Würenlos, Neuenhof und Killwangen wird auch der Umgang mit der Landschaftsspange thematisiert. Ein ÖV-Ausbau sowie eine S-Bahn-Haltestelle sind bereits im Wohnungsschwerpunkt enthalten.»

Der Zeitstrahl sieht die Anpassung des Richtplans bis zum kommenden Sommer und die Überprüfung des Sachplans bis zum Herbst vor. Gegen Jahresende entscheidet der Einwohnerrat über die Teilrevision der Nutzungsplanung. Danach kommt es zum Baubewilligungsverfahren. Sollte sich Hitachi für Wettingen entscheiden, erfolgt die Ansiedlung in zwei Phasen. In einer ersten Phase sollen bis ins Jahr 2030 1000 bis 1200 Arbeitsplätze entstehen. Die zweite, noch nicht endgültig festgelegte Phase sieht bis ins Jahr 2037 gesamthaft rund 3000 Arbeitsplätze vor. Die geschätzten Steuereinnahmen werden in der ersten Phase mit drei bis fünf Millionen Franken und in der zweiten Phase mit bis zu zehn Millionen Franken beziffert. Im Jahr 2028 laufen die Pachtverträge der durch die Landwirte bewirtschafteten Flächen aus. In Zusammenarbeit mit dem Bauernverband werden Nachfolgelösungen angestrebt.

So soll der Hitachi-Campus in Wettingen nach Abschluss der zweiten Bauphase aussehen. (Bild: pg)

Transparent kommunizieren
Nach den Redebeiträgen nahmen viele Anwesende die Gelegenheit wahr, Fragen, Meinungen und Sorgen zum Projekt Hitachi einzubringen. Dabei zeigte sich, dass das Vorhaben mehrheitlich als Chance für Wettingen und die Region wahrgenommen wird. Lob gab es auch für die offene und transparente Information. Bedenken wurden in erster Linie hinsichtlich der Mobilität geäussert und ein direkter Anschluss an die Autobahn angeregt. Weiter wurden Sorgen betreffend die bestehende Energie-Infrastruktur und die Auswirkungen einer Ansiedlung auf den Stromtarif in Wettingen geäussert.

Sowohl Roland Kuster als auch Gemeindeammann Markus Haas bekundeten den Willen, das Stimmungsbild aufzunehmen, gestellte Fragen und Feedbacks in die laufende und weiterführende Planung einzubringen und auch künftig offen zu kommunizieren und dadurch eine breite Akzeptanz zu erreichen.