Italo-Hits mit Inspiration und Mehrwert

Roberto De Luca möchte anderen mit seiner Geschichte Mut machen. (Bild: zVg)

Wettingen – Ein Solothurner bringt seine Show mit Italo-Evergreens ins Tägi

Roberto De Luca, was verbindet Sie mit dem Italiener, den Toto Cutugno 1983 in seinem Hit «L’Italiano» besang?
Mein Anliegen ist es, in meiner Show «Grüezi Italia» Italien so darzustellen, wie es wirklich ist, und nicht wie im Songtext Klischees aneinanderzureihen. Für mich besteht die Schweiz ja auch nicht nur aus «Chueli» und Schoggi. Trotzdem ist das Lied ein Klassiker, der nie fehlen darf. Ausserdem habe ich eine ganz besondere Erinnerung an Cutugno.

Welche?
Mein Vater hat in den Siebziger- und Achtzigerjahren viele italienische Stars in die Schweiz gebracht. Ich war sechs Jahre alt, als er im Saal des Restaurants «Löwen» das erste Konzert mit Cutugno veranstaltete. Kurz vor seinem Tod 2023 bin ich ihm wiederbegegnet, als er – bereits krank – im Hallenstadion einer «La Notte Italiana» beiwohnte. Und er hat mich – über dreissig Jahre nach unserer damaligen Begegnung – wiedererkannt! 

Ist es nicht ein Widerspruch, wenn Sie gegen Italien-Klischees kämpfen und mit Ihren Italo-Hits viele ­Erinnerungen wecken?
Die teils wechselnden Lieder, die ich in meinen Programmen interpretiere, sind in meinen Augen alle fantastisch. Klassiker, für die ich mich auch deshalb nicht entschuldigen muss, weil es mein oberstes Ziel ist, das Publikum gut zu unterhalten. Ich will jedoch den Zuhörenden, von denen zwei Drittel Schweizer sind, mit meinen Erzählungen zwischen den Songs mehr über die wahre Geschichte der italienischen Einwanderer vermitteln.

Wie sah diese im Falle Ihrer Familie aus?
Mein Nonno lebte in der Nähe von Gallipoli und war berufstätig, als ein Bauunternehmer aus der Region Solothurn nach Apulien kam, um gute Handwerker abzuwerben. Er versprach ihnen ein besseres Leben, aber mein Grossvater hatte überhaupt kein schlechtes Leben. Er wohnte in seinem mediterranen Haus mit Marmorböden, nur ein paar Minuten vom Meer entfernt, und nicht in einer Baracke im nebligen Mittelland.

Trotzdem sagte er zu?
Ich denke, es war vor allem Neugier. Eigentlich wollte er auch nur ein, zwei Saisons bleiben, aber nach drei Jahren im Baugeschäft liess er weitere Mitarbeiter aus Apulien nachkommen.
Am Ende blieb er dreissig Jahre. Nach seiner Pensionierung kehrte er mit meiner Nonna nach Gallipoli zurück, um dort seinen Lebensabend zu verbringen, doch kam er nicht viel weiter als bis zum Bahnhof. Wenig später starb er an einer Krankheit, von der er nichts gewusst hatte.

Welche Rolle spielte Ihr Grossvater in Ihrem Leben?
Er war aus verschiedenen Gründen eine sehr wichtige Person und hat mich auch zu meiner Show inspiriert. Er verteidigte die Schweiz immer, obwohl er für die Schweizer immer «der Tschingg» blieb. Kulturell und in seiner Lebensart blieb er in seiner italienischen Blase hängen und realisierte nicht einmal, dass sich die Welt in seiner Heimat weitergedreht hatte. Trotzdem war es schön, bei meinen Grosseltern aufzuwachsen. Meine Eltern, mit denen ich heute leider nur noch den nötigen Kontakt pflege, gaben mich bei ihnen ab, als ich erst einige Monate alt war, um sofort genügend Zeit zu haben, um arbeiten zu gehen. Ich spreche offen darüber, da es vielleicht anderen Betroffenen hilft, mit dieser Erfahrung umzugehen.

Weshalb haben Sie Ihre vierte Show «La Dolce Vita» getauft?
Das süsse Leben ist weder in Italien noch in der Schweiz, sondern dort, wo man sich zuhause fühlt. Ein Song, der dieses Gefühl besonders in mir weckt, ist «Tornerò». Ich bin überzeugt, dass ich nicht der Einzige bin, hatten bei «Grüezi Italia» doch viele schon beim Intro Tränen in den Augen. Die Single von «I Santo California», die 1974, drei Jahre vor meiner Geburt, ein Hit war, bekam ich später von meinem Grossvater geschenkt. Aus diesem Grund haben wir das Lied auch mit einem Video hinterlegt, in dem die Szenen am Bahnhof im Süden an das Gesungene erinnern sollen.

Wie hat sich Ihre Show weiterent­wickelt?
Sie wird nicht nur optisch und vom Sound her spektakulärer. Die Band, die mich begleitet, besteht aus hochkarätigen Musikern, die sonst mit Grössen wie Andrea Bocelli, Eros Ramazzotti und Marco Masini zusammenarbeiten.

Haben Sie eigentlich privat den gleichen Look wie die Bühnenfigur Roberto De Luca?
Die Unterschiede liegen nur im Detail. Ich trage schon seit ich 18 Jahre alt war einen Bart, bin überall tätowiert und ein totaler Fan der Brillen des Herstellers Swisshorn, für den ich sogar ein eigenes Modell entwerfen durfte.

Haben Sie Ihre Sommerferien bei Ihrer Verwandtschaft in Italien ­verbracht?
Natürlich, und ich habe meinen Vater dafür gehasst, dass er mich jeden Juli kommentarlos ins Auto verfrachtete und 1500 Kilometer nach Apulien fuhr. Gerade, wenn ich mich eingelebt hatte, ging es nach Hause. Ich hatte mir geschworen, dass ich dies niemals machen würde, falls ich einmal Vater würde. Und jetzt mache ich genau das Gleiche! Dabei zerreisst es mir fast das Herz, wenn mein Sohn auf der Rückfahrt bis Mailand weint, weil er bei den Cousins im Süden bleiben wollte. Die Trennung schmerzt jedoch auch mich, weshalb ich zum Abschied immer noch eine Runde durchs Dorf drehe.

Wann sind Sie Musiker geworden?
Ich habe schon früh Piano zu spielen begonnen, als Blasmusiker das Konservatorium besucht und an Festen gesungen. Ich hatte auch Bands, mit denen ich schon damals bekannte italienischsprachige Lieder sang und auf lokaler Ebene bekannt wurde. Eher zufällig bin ich mit 19 in die Mailänder Musikszene hineingerutscht. Die Pendelei zwischen der dortigen Studio- und Livearbeit und meiner Lehre als Maschinenbauzeichner war sehr anstrengend.
2007 lernte ich in Zusammenhang mit einer Sendung des Schweizer Fernsehens meinen heutigen Geschäftspartner, Freund und «Grüezi Italia»-Koproduzenten TJ Gyger kennen. Von da an war ich nur noch in verschiedensten Funktionen für Künstler wie I Quattro, Büetzer-Buebe oder Trauffer tätig, darunter als Musiker, Produzent, Tourmanager und Produktionsleiter.

Wie entstand Ihr kürzliches Duett mit Trauffer?
Marc verpflichtete mich 2016 als Tourmanager, was ich immer noch bin. Aus der Zusammenarbeit ist schnell Freundschaft geworden. Nun ist er für mich wie ein Bruder. Als ich 2019 mit meiner Show «Grüezi Italia» aufzutreten begann, realisierten wir, dass wir im Grunde dasselbe machen: Wir besingen unsere Heimat. Letztes Jahr bat ich ihn um seine Meinung zu einem Lied, das ich gerade schrieb, und es gefiel ihm so gut, dass er es mit mir zusammen singen und auf sein nächstes Album nehmen wollte. Aus dem Duett «Bella Vita» wurde eine Single, zu der wir auch ein Video drehten. Dafür flogen wir für eine Woche nach Apulien, wo ich Trauffer und dem ganzen Team auch meine zweite Heimat zeigte.

Wie waren die Reaktionen?
Marc hat mich und das, was ich mit «Grüezi Italia» mache, noch besser verstanden und mich eingeladen, bei seinen drei Hallenstadion-Konzerten mit ihm aufzutreten. Nicht nur mit «Bella Vita», sondern auch mit einem phantastischen Italo-Medley. Das war eine Geste, die mich sehr berührt hat.

Freitag, 13. Februar, 19.30 Uhr
Tägi, Wettingen