Ein fairer Sportsmann und Ammann

Auensteins Bevölkerung hat sich beim Abschied vom 97-jährigen Hans Rudolf Brugger nochmals seiner Verdienste um das Dorf erinnert.
Hans Rudolf Brugger war durch und durch Auensteiner. (Bild: zVg)

Auenstein – Die Stimmberechtigten von Auenstein wählten den erst 24-jährigen Bankkaufmann und späteren kantonalen Steuerkommissär Hans Rudolf Brugger kurz nach dessen Rückkehr von einem dreijährigen beruflichen Aufenthalt in der Romandie 1953 in den Gemeinderat und gleichzeitig zum Vizeammann. Er war als Sohn des früh verstorbenen «Bären»-Wirts von Kindsbeinen an mit dem Dorf vertraut – und die Bevölkerung vertraute ihm. Sie übertrug ihm schon nach zwei Jahren das Gemeindeammann-Amt, das er 26 Jahr lang, bis 1981, mit Umsicht, Konzilianz und Akzeptanz ausübte. Diese Wertschätzung war an der Abdankungsfeier in der vollbesetzten Dorfkirche und beim öffentlichen Apéro mit der Musikgesellschaft Auenstein in der Turnhalle nochmals spürbar. 

Pfarrer Rolf Nünlist würdigte Hans Rudolf Bruggers Verantwortungsbewusstsein und Bescheidenheit sowie dessen Verbundenheit mit Auenstein. Heimatliebe drückte auch die Wiedergabe von Giuseppe Verdis unsterblicher Melodie «Va’, pensiero, sull’ali dorate» aus – ein Lieblingsstück des Verstorbenen. Das Lied des Gefangenenchors aus «Nabucco» handelt von der Sehnsucht nach der Heimat. In dem selber verfassten Lebenslauf, den der jüngste der vier Söhne, Franz, vorlas, ging der 97-Jährige mehr auf sein familiäres Umfeld und weniger auf das öffentliche Wirken ein.

Gemeindeentwicklung geprägt
Hans Rudolf Brugger hängte das Engagement für die Gemeinde und weitere Institutionen nie an die grosse Glocke. So zählte er beim Rücktritt in einem Zeitungsinterview ungern die während seiner Amtszeit verwirklichten Werke auf – es waren viele. Aber er fügte schlicht hinzu, das Erreichte sei nicht sein eigenes Verdienst. Unbestreitbar lenkte er mit Geschick Auensteins grossen Wachstumsschub zwischen 1953 und 1981 von 800 auf 1200 Einwohnern und den Wandel vom Bauern- und Arbeiterdorf zur beliebten Wohngemeinde am Südhang der Gisliflue. 

Die Gemeinde hatte Nachhol­bedarf. Die Dorfstrassen wurden asphaltiert, ein neues Schulhaus, eine Turnhalle und ein Gemeindeverwaltungszentrum gebaut sowie die leistungsschwache, quellenbasierte Wasserversorgung durch ein Grundwasserpumpwerk ersetzt. Ebenfalls als nachhaltig erwies sich die Güterregulierung; sie erleichterte die Nutzung des Grundbesitzes und ermöglichte die Anlage des neuen, ortsbildprägenden Rebbergs. Hingegen fallierte die neue Bauordnung, was der Ammann bedauerte. Aber er respektierte das Verdikt ohne Resignation. Persönliche Animositäten mied er. 

Ausgezeichneter Leichtathlet
Wegen einer schweren, zunächst falsch eingeschätzten Erkrankung hatte Hans Rudolf Brugger die Grenadier-Rekrutenschule abbrechen, aber seine sportliche Betätigung schliesslich doch nicht aufgeben müssen. Er war Sektionsturner und Leichtathlet, Aargauer Meister in mehreren Disziplinen, Instruktor, Vorstandsmitglied und Technischer Leiter im Aargauischen Leichtathletikverband sowie von 1958 bis 1969 Präsident des Kreisturnverbandes Brugg mit insgesamt 26 Sektionen – fast in jeder der damals noch 32 existierenden Bezirksgemeinden gab es einen Turnverein. Dem TV Auenstein widmete er die Jubiläumsschrift zum 75-jährigen Bestehen.

Der frühe Tod der Gattin Hedi prägte seinen dritten Lebensabschnitt. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, blieb aber wach im Geist und nahm im hohen Alter dankbar die Unterstützung von Haushalt-Spitex und Mahlzeitendienst in Anspruch. Nach kurzer Krankheit ist er am 12. Januar im Kantonsspital Aarau gestorben.