Noch nie haben die Menschen so viel fotografiert wie heute. Möglich macht dies das mittlerweile omnipräsente Smartphone, welches dank seiner Software auch dann ansprechende Bilder generiert, wenn man sich weder um Lichtverhältnisse noch um Schärfe kümmert. Was zeichnet in unseren technologiegetriebenen Zeiten ein gutes Bild aus? Das Storytelling, die Geschichte hinter dem Bild, der Kontext. Das wird an der 21. Ausgabe der Werkschau «Photo Schweiz» deutlich, wo aktuelle Arbeiten von über 300 zeitgenössischen Schweizer Fotografinnen und Fotografen gezeigt werden. Sie findet vom 6. bis 10. Februar im Kongresshaus Zürich statt und ist jeweils von 11 bis 20 Uhr geöffnet. Gründer und Produzent der Werkschau ist Michel Pernet, der mit seiner Familie seit 2008 in Ehrendingen lebt.
Das schnellste Informationsmedium
Pernet ist eigentlich Jurist und Journalist, wurde aber im Verlauf seiner Karriere zum Kommunikationsberater und Kulturveranstalter mit eigenen Agenturen. Auf die Idee einer populären Werkschau für Fotografie kam er aus verschiedenen Gründen. «Zum einen war da der Blickwinkel und die Faszination des Journalisten», sagt Pernet. «Dank vieler fremder Augen Geschichten zu entdecken und die Welt zu sehen, das hat mich fasziniert.» Fotografie sei – aller Technologie zum Trotz – das schnellste Informationsmedium und werde es auch bleiben. Zum anderen ahnte Pernet früh, dass die Fotografie sich als eigenständige Kunstform etablieren und ein breites Publikum ansprechen würde, «weil sie weniger elitär ist als bildende Kunst». Also nutzte er die Gelegenheit, eine grosse Fabrikhalle in einer eventarmen Zeit – zwischen Weihnachten und Neujahr – zu mieten. Schon die erste Ausgabe 2005 zeigte Arbeiten von 60 Fotografinnen und Fotografen. «Da half mir mein Netzwerk als Journalist und Partyveranstalter», so Pernet. Heute ist die «Photo Schweiz» die grösste und wichtigste Werkschau für Schweizer Fotografie und gilt auch als eine der grössten in Europa. «Wer hätte das gedacht», meint Pernet schmunzelnd. Wichtig sei ihm, dass die Werkschau Spass mache, so gibt es etwa an der «Photo Schweiz» coole Bars und Cafés. Und es legen auch während der ganzen Werkschau DJs auf. «Ich hasse diesen Museumsmief. Kultur muss Spass machen und inspirieren, nicht belehren», sagt der Ehrendinger.
Vier Fotoschaffende aus Baden
Herauszuheben ist die Sonderausstellung der von Fachleuten gefeierten Porträtfotografen Mathias Braschler und Monika Fischer aus Wildegg. Das Paar begann 2003 gemeinsam zu fotografieren und hat inzwischen für seine herausragende Fotografie zahlreiche renommierte Auszeichnungen bekommen – so den World Press Photo Award. Der Bogen der Porträtierten reicht von Promis wie Roger Federer und Wendy Holdener bis hin zu Bauern in der Sahelzone. Auch Fotografinnen und Fotografen aus Baden sind mit ihren Arbeiten vertreten. So Manuela Furger, Marin Puskaric, Natalia Samsonova und Ivo Dominique Stalder.
Spannend ist nicht nur die Werkschau, sondern auch die Biographie und die vielen Tätigkeiten von Michel Pernet. Der heute 53-Jährige ist als Spross einer Juristenfamilie in der Stadt Zug aufgewachsen. Bereits am Gymnasium organisierte er Parties, Konzerte und Ausstellungen für Jugendliche. Diese Tätigkeit setzte er während seines Jus-Studiums sowie journalistischen Engagements bei der «NZZ» und der «Sonntagszeitung» fort und erfand etwa die Bingo-Show, für deren Moderation er später Beat Schlatter dazu nahm. Die Show wurde sehr erfolgreich.
Heute hat Pernet ein Portfolio von verschiedenen Agenturen, dazu gehören die Kommunikationsagenturen Blofeld und Elliott. Pernet prägt bis heute die Kommunikation der Sendergruppe 3+ und ihrer bekannten Sendungen, wie «Der Bachelor», «Höhle der Löwen», «Sing meinen Song», «Bauer, ledig, sucht». Immer wieder arbeitet er auch im Kundenauftrag mit bekannten Persönlichkeiten zusammen. Exemplarisch dafür ist der aus Rumänien stammende deutsche Sänger, Gitarrist und Komponist Peter Maffay, dessen Drache Tabaluga er in der Schweiz bekannt machte. Für einen gemeinsamen Song brachte er Maffay gar mit Gölä zusammen. Auch arbeitete er mehrmals für den Kaffeemaschinenhersteller Jura mit Roger Federer zusammen, und liess den Tennisstar erstmals von einem 3D-Drucker reproduzieren.
Ein gutes Netzwerk
Neben vielen Bahnhofstrasse-Eröffnungen und Filmpremieren, von «Star Wars» bis «James Bond», die er organisierte und kommunizierte, war eines seiner persönlichen beruflichen Highlights die Schweizer Flagge, die er mit 700 Kindern aus der ganzen Schweiz am 1. August 2012 zum 100-Jahre-Jubiläum von Pro Juventute auf die Rütliwiese zeichnen durfte. «Kommunikation muss kreativ und zuweilen auch überraschend sein, nur dann funktioniert sie. Schön ist, wenn man Kunden hat, die einem vertrauen und bei kreativen Ideen mitziehen.»
Seine Passion bleibt aber – trotz mannigfaltiger Kommunikationsmandate – die Kultur. Neben der «Photo Schweiz» hat Pernet 2008 in Davos das «Songbird Festival Davos» gegründet, heute das grösste Festival für Schweizer Singer-Songwriter. Und auch das Wissenschaftsfestival «Kluge Köpfe erklären die Welt» ist seine Idee, mit welchem er wissenschaftliches Wissen in ein populäres Publikum tragen will. Dabei treffen sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Denkerinnen, Machern und Visionärinnen in der Innerschweiz «mit ganz normalen Leuten wie mir», erzählt Pernet. Auf den Podien sind Namen wie Daniel Cohn-Bendit, Doris Dörrie, Jakob Augstein, Bertrand Piccard, Joschka Fischer, Sibylle Berg, Bertrand Piccard und Richard David Precht.
Übrigens: Michel Pernets 18½ Jahre alter Sohn Matthieu wandelt bereits in den Fussstapfen seines Vaters. Am 7. März steigt im «Werkk» Baden die erste von Matthieu organisierte Party – das passt zum Start des Frühlingssemesters.