Wohnen im «Schlüsselareal»

Am 8. März wird über die Baurechtsvergabe im «Vorder Chilefeld» abgestimmt. Am Montag brachte sich der Gemeinderat in Position.
Gemeinderat Reto Candinas (links) und Bauplaner David Beerli an der Medienkonferenz in Windisch. (Bild: leh)

Windisch – Dass der Gemeinderat für die Abstimmung vom 8. März ein Ja empfiehlt, ist bekannt. An einer Medienkonferenz erläuterten Gemeinderat Reto Candinas und Raumplaner David Beerli am Montagnachmittag nun ihre Position. Dabei nannte Candinas das Gebiet «Vorder Chilefeld» in Unterwindisch ein «Schlüsselareal» der Gemeinde. Es sei das einzige Gebiet, in dem die Gemeinde eine grosse Fläche an eigenem Land besitze.

Der grosse Vorteil der Baurechtsvergabe statt eines Verkaufs liege im langfristigen Werterhalt für die Gemeinde, so Candinas. Das Land verbleibe im Eigentum der öffentlichen Hand, während gleichzeitig ein jährlich wiederkehrender Baurechtszins generiert werde. Dieser ­betrage derzeit 110 400 Franken und sichere der Gemeinde stabile Einnahmen über die gesamte Laufzeit.

Anders als bei einem Verkauf profitiere Windisch zudem auch künftig von allfälligen Landwertsteigerungen und behalte nach Ablauf des Baurechts ­erneut die volle Verfügungshoheit über das Areal. Der finanzielle Effekt eines Verkaufs wäre hingegen einmalig und hätte keinen nachhaltigen ­Einfluss auf die Verschuldungssituation. «Der strategische Mehrwert der Baurechtsvergabe wäre wiederum, dass die Gemeinde ihren Einfluss auf das Bauland längerfristrig halten könnte», ergänzte der Raumplaner David Beerli.

Bezahlbare Mieten
Die Argumente des Gemeinderates für ein Ja an der Urne sind nachvollziehbar. Doch worum geht es bei der Vorlage genau?
Die Gemeinde möchte im Gebiet «Vorder Chilefeld» eine neue Wohnüberbauung mit rund 36 Wohneinheiten schaffen. Das Areal wird derzeit als Schrebergarten genutzt, ist bei der letzten Zonenplanrevision jedoch als Wohnzone mit Gestaltungsplanpflicht festgelegt worden. Nun soll das Land nicht verkauft, sondern im Baurecht vergeben werden. Und damit auch Familien mit Kindern in Windisch ausreichend Wohnraum zu bezahlbaren Mieten finden können, soll die Gemeinde auf ihrem Bauland Wohnungen zur Kostenmiete ermöglichen, so die Vorlage. «Dabei würden die Mieter nur die tatsächlichen Kosten bezahlen», erklärte Reto Candinas vor den Medien. Wohnungen zur sogenannten Kostenmiete seien in der Regel 10 bis 20 Prozent günstiger als übliche Mieten.

Wohnen statt Schrebergärten. Auf dem Gebiet, auf dem sich heute vor allem Schrebergärten befinden, sollen erschwingliche Wohnungen entstehen. (Bild: leh)

Der Einwohnerrat hat der Vergabe der Grundstücke im Eigentum der Gemeinde Windisch mit einer Fläche von 5343 Quadratmetern im Baurecht mit 21 zu 15 Stimmen zugestimmt. Da Beschlüsse über den Erwerb und die Veräusserung von Grundstücken inklusive Baurecht, die den Betrag von drei Millionen Franken überschreiten, dem obligatorischen Referendum unterstehen, kommt es nun zur Abstimmung. Der Wert des vorliegenden Baurechtsvertrags mit einer Laufzeit von 99 Jahren und dem jährlichen Baurechtszins von derzeit 110 400 Franken liegt mit einem Vertragswert von rund 11 Millionen Franken deutlich über dieser Grenze.

Baubeginn im Jahr 2030
Bei einem Ja der Stimmbevölkerung am 8. März würde die Gemeinde in einem nächsten Schritt einen kombinierten Investoren- und Architekturwettbewerb lancieren. Dabei würde einerseits das beste Gesamtkonzept für das Areal gesucht, zum anderen der geeignetste Baurechtsnehmer für die Parzellen der Gemeinde. «Unser Ziel wäre dann, bis Ende 2027 ein Richtprojekt zu haben», sagte David Beerli. «Wenn alles rund läuft, hätten wir bis 2029 die Baubewilligung – Baubeginn wäre dann 2030. Bei einem Nein an der Urne müssten wir wiederum eine Standortbestimmung über das weitere Vorgehen vornehmen», so Beerli. Überbaut werde das Areal auf jeden Fall.

Reto Candinas gab sich vor den Medien abschliessend sehr zuversichtlich. «Der Gemeinderat ist überzeugt, dass mit einer Annahme der Vorlage die Weichen gestellt würden für einen gesicherten jährlichen Ertrag für die Gemeinde und für ein qualitativ hochwertiges Wohnungsangebot vor allem für Familien», sagte der Gemeinderat. Er glaube an ein Ja an der Urne. Ein Selbstläufer werde die Abstimmung jedoch nicht, wie Candinas warnte. Dies habe der Widerstand aus der Mitte und von rechts im Einwohnerrat gezeigt.