Das geteilte Glück

Generell 5 überraschte mit einem Abend zwischen Konzert, Theater und Performance, der die Grenzen traditioneller Musikdarbietung sprengte.
Die Formation Generell 5 in Nussbaumen. (Bild: isp)

Nussbaumen – Die Ankündigung war mutig, fast schon etwas verwegen: «Was ist das grösste musikalische Glück? Wir spielen die Antwort.» Mit diesem selbst­sicheren Versprechen auf dem Einladungsflyer und in Inseraten und Aufrufen in den sozialen Medien hatte die Blechmusikformation Generell 5 am vergangenen Samstagabend in die Aula Unterboden geladen. Doch was die fünf Musiker dann auf die Bühne brachten, übertraf alle Erwartungen und bewies, dass ihre Ankündigung keineswegs zu hoch gegriffen war.

Minimalistische Bühne
Bereits beim Betreten der Aula Unterboden war klar, dass das kein gewöhnliches Konzert werden würde. Die minimalistische, aber einladende Bühnengestaltung schuf eine intime Atmosphäre, die Nähe zwischen Musikern und Publikum versprach. Regisseur Daniel Koller, der das Format mitentwickelt hatte, verwandelte den Saal in einen Raum der Begegnung. Am Boden «verstreut» lagen klassische Blas­instrumente, ein Alphorn, ein Kornett, eine Handorgel, eine Basstrompete, aber auch durchsichtige Gartenschläuche, ein Megafon, ein rotes ­Miniklavier, Glasflaschen, ein Waschbrett, ein Seifenblasendöschen und ein Fussschlagzeug.
Gleich zu Beginn der rund 1½-stündigen Show hatten die fünf Musiker von Generell 5, Patrik Arnold (Trompete), Christoph Luchsinger (Trompete), Thomas Gmünder (Waldhorn), Xaver Sonderegger (Posaune) und Markus Hauenstein (Tuba), mit Stromproblemen bei den Grossscheinwerfern zu kämpfen. Doch sie lösten das Malheur so galant und humorvoll, dass unklar blieb, ob der Vorfall Teil des Programms war.

Blechbläser bechreiten neue Wege. (Bild: isp)


Als der kleine Zwischenfall behoben war, folgte ein klangvoller Balanceakt zwischen unterschiedlichsten musikalischen Genres und Darstellungsformen. Die fünf Blechbläser bewegten sich spielerisch zwischen bekannten Werken, jazzigen Improvisationen, eingängigen Songs und traditioneller Volksmusik. Konzert, Theater und Performance verschmolzen zu einem organischen Ganzen, das Genregrenzen aufhob – und das mit einem Hauch Swissness.
Generell 5 überzeugten mit legendären Songs wie «W. Nuss vo Bümpliz» oder «Lueget vo Bärge und Tal», Letzteres begleitet von Alphorn und Talerschwingen. Auch «Swiss Lady» von der Pepe-Lienhard-Band durfte nicht fehlen. Eindrucksvoll war, wie Generell 5 das Publikum einbezog: Die Zuhörenden wurden zu aktiven Mitgestaltern, summten Melodien, klatschten Rhythmen oder bildeten in drei Gruppen einen stimmigen Dreiklang beim «Buurebüebli». Ein erhabener Moment. Diese Interaktionen entstanden nie gezwungen, sondern entwickelten sich natürlich aus dem Fluss des Abends.

Vielseitig und überraschend
Als das Ensemble nach zwei Zugaben die Bühne verliess, war die Begeisterung des Publikums greifbar. Viele Besucherinnen und Besucher verweilten noch lang in der Aula, diskutierten über das Erlebte und tauschten Eindrücke aus. «So etwas habe ich noch nie erlebt», war mehrfach zu hören. Ebenso die Frage, wann Generell 5 wieder in der Region auftreten werde.
Mit ihrem Programm «Glück» zeigte die Formation, dass klassische Konzertformate keineswegs ausgedient haben. Sie müssen nur mutig neu gedacht werden. Die Suche nach dem musikalischen Glück führte hier nicht zu einer eindeutigen Antwort, sondern zu einem vielschichtigen Erlebnis, das jeder für sich selbst interpretieren konnte. Ein Abend, der Mut machte. Zum Experimentieren, zur Offenheit, zum gemeinsamen Glück.