Vom Schlosser zum Manager

Hugo Herde brachte es vom Maschinenschlosserlehrling bei der BBC zum Konzern­manager bei Sulzer. Nun ist er mit 86 Jahren verstorben.
Hugo Herde: Er war international tätig, aber zeitlebens in der Region Brugg verwurzelt. (Bild: zVg)

Windisch – Was dereinst aus ihm werden würde, stand nicht über Hugo Herdes Wiege. In seinen Erinnerungen hinterliess er den Satz, seine Karriere habe ihn selbst überrascht. Doch der Erfolg kam nicht aus dem Nichts. Er war auf Einsatz, Optimismus und Zuverlässigkeit zurückzuführen – aber auch ­guten wirtschaftlichen Umständen sowie fordernden und fördernden Vorgesetzten zu verdanken. Hugo Herde verkörperte Heimatverbundenheit und Weltläufigkeit. Sein Leben lang blieb er in der Region Brugg sesshaft. Hingegen erstreckte sich sein beruf­liches Tätigkeitsfeld über mehrere Länder und Kontinente.
Er kam 1939 in Windisch als zweiter Sohn einfacher Eltern, die aus ­Zürich hergezogen waren, zur Welt. Die Schul- und Lehrjahre ergänzte er mit Sprachaufenthalten. Er brach die vierte Bezirksschulklasse in Brugg im damals noch freiwilligen 9. Schuljahr ab, um als Bäckerausläufer in Genf Französisch zu lernen. Und am Tag nach dem Abschluss der Maschinenschlosserlehre bei der BBC Baden reiste er nach England und besuchte eine Sprachschule. Nach der Rekruten-, Unteroffiziers- und Feldweibelschule machte er am Institut Minerva, Zürich, eine Zusatzausbildung in Wirtschaft. Danach übernahm er als technischer Kaufmann erste Kaderstellen bei einer Stahlhandelsfirma und einem Grossküchenhersteller.

International tätig
1970 bekam Hugo Herde ein Angebot als Gruppenleiter im Kundendienst für Gasturbinenanlagen der neu gegründeten Brown Boveri Sulzer Turbomaschinen AG. Bei der Auflösung dieses Joint Venture vier Jahre später bot ihm Sulzer eine Aufgabe im Bereich der Wartung von Gasturbinen und Kompressoranlagen an. Der Einstieg war nicht einfach, aber er öffnete ihm den Weg zu internationaler Betätigung. Auf Bermuda-Island sowie im Golf von Suez akquirierte er erste Aufträge und erkannte, dass in der Instandhaltung der Turbomaschinen weltweit ein grosses Auftragspotenzial steckt. Schweizer Know-how und Zuverlässigkeit waren gefragt.
Demzufolge wurde die Erschliessung neuer Märkte zu einer wichtigen Funktion Hugo Herdes. Er begriff aber schnell, dass nicht alle Dienstleistungen von der Schweiz aus erbracht werden können. Servicestützpunkte in anderen Ländern waren gefragt. Schon der erste Schritt gelang. Sulzer erwarb und betrieb ab 1987 mit Erfolg eine Firma im Servicemarkt in Huston, USA, mitten im ­Petroindustriegürtel, wo unzählige rotierende Maschinen der Wartung bedurften. Auf Hugo Herdes Visitenkarte stand die Bezeichnung «Chairman of the Board of Directors» – Verwaltungsratspräsident.
1995 kam in Indonesien, 60 Kilometer ausserhalb der Hauptstadt ­Jakarta, ein asiatischer Service- und Wartungshub dazu. Dabei machte Hugo Herde prägende Erfahrungen mit anderen wirtschaftlichen, sozialen und ethisch-religiösen Gepflogenheiten sowie korruptionsanfälligen politischen Strukturen. Er lernte aber auch wissensbereite, arbeitswillige und flexible einheimische Arbeitskräfte schätzen. Als der Zerfall der ­lokalen Währung das Zentrum gefährdete, stellte er dessen Fortbestand mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln sicher.

Regional verankert
Nach intensiver Berufstätigkeit liess sich Hugo Herde Anfang der 2000er Jahre vorzeitig pensionieren. Das verschaffte ihm mehr Zeit für ­Familie und Freundeskreis, Reisen und Hobbys. Er hatte seine Gattin Rita in England kennengelernt. Sie bekamen drei Kinder und neun Enkel. 1971 bezogen sie ein Eigenheim im neuen Wohnquartier Soorematten in Hausen. Hugo Herde wirkte in der Schulpflege, der Feuerwehr und in der CVP-Ortspartei mit.
Er engagierte sich zudem als Wintertourenchef in der SAC-Sektion Brugg. Zur Entlastung vertauschte das Ehepaar vor 15 Jahren Haus und Garten mit einer Wohnung im Laur-Park in Brugg. Gesundheitliche Gründe bewogen das Ehepaar vor einem Jahr zum Umzug in eine neue Alterswohnung mit Anschluss an das Sanavita-Alters- und -Pflegeheim in Windisch. Dort ist Hugo Herde Ende Februar nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben.