Brugg – Im hellen Raum der Freizeitwerkstatt an der Schulthess-Allee 4 surren die Nähmaschinen, Stoffe sind ordentlich gestapelt, zwischendurch erklingt herzhaftes Lachen. Das neue Nähatelier des von Caritas Aargau geführten kirchlichen regionalen Sozialdienstes ist ein Ort, an dem Frauen zusammenkommen, sich gegenseitig unterstützen und kreativ sind.
Das Projekt, das es seit etwa einem Dreivierteljahr in Brugg gibt, richtet sich an Frauen mit eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten. «Viele Teilnehmerinnen haben früher gern genäht, aber zu Hause fehlt oft das passende Material oder der Raum», erklärt Projektleiterin Anna Parini-Schmid. «Im Nähatelier finden sie alles, was sie brauchen, und vor allem Menschen, die sie ermutigen.»
Beitrag zur Integration
Zur Verfügung stehen Nähmaschinen, Bügeleisen, Stoffe und Fäden. Ob neue Kleidungsstücke entstehen, alte repariert oder verändert werden, unterstützt werden die Teilnehmerinnen von freiwilligen Schneiderinnen und Handarbeitslehrerinnen. «Ich helfe hier, weil ich selbst gern nähe und sehe, wie viel Freude es bereitet», erzählt Silvia Ledergerber aus Riniken, eine der Helferinnen. Doch das Nähatelier will mehr als nur handwerkliches Können fördern. Es stärkt das Selbstvertrauen und schafft Verbindungen. Zwischen Stoffbahnen und Stecknadeln entstehen Gespräche. Nicht selten entwickeln sich daraus neue Freundschaften.
«Hier fühle ich mich verstanden», sagt eine Teilnehmerin mit Migrationshintergrund, die seit Kurzem dabei ist. «Ich komme jeden Freitag, weil es mir guttut, unter Frauen zu sein und etwas Eigenes zu schaffen.» Das Angebot versteht sich auch als Beitrag zur gesellschaftlichen Integration. «Gerade in den kurzen Kaffeepausen, die wichtig sind und die ein integrierender Bestandteil dieser Nähateliers, entstehen schöne Gespräche, und man kann sich ungezwungen austauschen», so Anna Parini-Schmid.
Begegnungen auf Augenhöhe
Frauen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund bringen ihre Fähigkeiten ein und lernen voneinander. So entstehen nicht nur neue Kleider, sondern auch Begegnungen auf Augenhöhe. Faden für Faden und Stich für Stich.
Interessierte Frauen sind eingeladen, vorbeizuschauen oder sich bei Parini-Schmid zu melden. Ebenso willkommen sind Spenden: Wer beim Frühjahrsputz Stoffreste oder eine ungenutzte Nähmaschine findet, kann sie gern dem Atelier schenken. Die Kosten für den Besuch des Nähateliers betragen 10 Franken, wer eine Kultur-Legi besitzt, darf das Nähatelier unentgeltlich nutzen. Das Projekt wird vom Kanton sowie vom Migros-Kulturprozent und weiteren Stiftungen finanziell unterstützt. Das Projekt gibt es auch in Aarau, Baden und Wohlen.