Neue Ära in der Stadtbibliothek

Die Stadtbibliothek steht unter neuer Leitung: Claudia Muhmenthaler folgt auf Cécile Bernasconi. Sie bringt Erfahrung und frische Ideen mit.
Claudia Muhmenthaler ist neue Leiterin der Stadtbibliothek Brugg. (Bild: isp)

Brugg – Die Stadtbibliothek steht vor einem Generationenwechsel. Am 1. Mai übernimmt Claudia Muhmen­thaler die Leitung, eine Fachfrau mit breiter Erfahrung und einer Leidenschaft für Information, Menschen und Kultur. Die 38-jährige gebürtige Baslerin bringt nicht nur fundiertes Fachwissen, sondern ebenso Begeisterung, Lebensfreude und viel Herzblut für die Welt der Bücher mit. In ihrem neuen Amt möchte sie Bewährtes pflegen, Weiterentwicklungen sorgfältig prüfen und die Bibliothek als ­lebendigen Treffpunkt für alle Generationen stärken.
Auf die Stelle aufmerksam wurde sie durch die Ausschreibung, und sofort war klar: Diese Aufgabe passt ausgezeichnet. «Die Leitung der Stadtbi­bliothek Brugg gibt mir die Möglichkeit, die fachliche und betriebliche Verantwortung zu übernehmen, ohne den direkten Kontakt zur täglichen Arbeit zu verlieren», sagt Claudia Muhmentaler. «Ich kann meine bisherige Leitungserfahrung einbringen und ausbauen, bleibe aber weiterhin im lebendigen Alltag einer Bibliothek tätig. Das gefällt mir besonders.»

Von Basel nach Biel und Chur
Dass sie für diese Position bestens ­gerüstet ist, zeigt ihr beruflicher Weg. Vor und während des Bachelor of ­Science in Information und Dokumentation mit den Vertiefungsrichtungen Bibliotheks- und Archivwissenschaften arbeitete sie in der Universitäts­bibliothek Basel. Seither war sie tätig in verschiedensten Bereichen des Bibliotheks- und Archivwesens: vom Firmenarchiv von Novartis über das Stadtarchiv Biel bis zur Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung (BIZ) Biel. In den Archiven lernte sie, historische Bestände zu pflegen und digitale Informationsflüsse zu organisieren. Während ihrer Zeit bei der BIZ absolvierte sie berufsbegleitend den Master of Science in Business Administration mit Schwerpunkt Information und Data-Management.
2019 zog sie nach Chur, wo sie in der Stadtbibliothek als Teamleiterin den Kundendienst und die Postfiliale verantwortete. «Es war eine sehr bereichernde Zeit. Die Arbeit mit Menschen, das gemeinsame Finden neuer Ideen und das Weiterentwickeln von Serviceangeboten. Vom Ausbau digitaler Ressourcen bis zu zeitgemässen Veranstaltungsformaten konnten wir dort vieles bewegen.»

Claudia Muhmenthaler freut sich auf die neue berufliche Herausforderung. (Bild: isp)

Teil des kulturellen Lebens
In Brugg will sie nun auf diesem Fundament aufbauen. «Mein wichtigstes Ziel ist, dass die Bibliothek Brugg weiterhin die Bedürfnisse der Bevölkerung erfüllt und als unverzichtbarer Raum für Menschen, Medien und Ideen wahrgenommen wird. Ich habe das Glück, ein engagiertes Team und eine hervorragend funktionierende Bibliothek übernehmen zu dürfen. ­Bevor ich jedoch etwas verändere, möchte ich zuerst die Menschen, die Stadt und ihre Eigenheiten kennen­lernen. Danach wird sich zeigen, wo neue Akzente sinnvoll sind.»
Dass auch im digitalen Zeitalter viel gelesen wird, daran zweifelt sie keine Sekunde. Im Gegenteil: «Lesen ist und bleibt eine zentrale Fähigkeit – vielleicht ist sie wichtiger denn je. In Brugg zeigt sich das eindrücklich: Zwischen 2022 und 2025 haben sich die physischen Ausleihen verdoppelt, von 45 000 auf 90 000 Medien», so Claudia Muhmentaler. Parallel dazu erlebe die digitale Bibliothek E-Book+, über die E-Books, Zeitschriften, Hörbücher und Filme angeboten würden, stetigen Zuwachs. «Besonders schätze ich an digitalen Medien, dass sie orts- und zeitunabhängig genutzt werden können, ob auf dem Sofa oder am Strand. So ergänzen sich ­physische Bücherregale und digitale Bibliothek bestens.» Herausforderungen gebe es jedoch ebenfalls: zum Beispiel Kosten, Lizenzbedingungen und rechtliche Fragen. «Hier sind wir als öffentliche Institution gefordert, kreative und verantwortungsvolle Lösungen zu finden.»
Bibliotheken sind für sie weit mehr als Orte zum Ausleihen. Sie versteht sie als offene Häuser der Begegnung. «Wir sind Teil des kulturellen Lebens, ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, Ideen wachsen dürfen und Kultur greifbar wird.» So verweist sie auf zahlreiche Parallelen zwischen Brugg, Chur und Basel: Lesetandems, Sprachtreffs, Erzählcafés oder Geschichtenstunden wie «Schenk mir eine Geschichte». All diese Formate schaffen Nähe und fördern den Austausch. «Ich möchte, dass die Stadt­bibliothek Brugg weiterhin ein so lebendiger Ort bleibt. Einer, der inspiriert, vernetzt und Türen öffnet.»

Mit Humor ist das Leben lustiger 
Auf ihre neue Aufgabe blickt sie mit Zuversicht: «Ich freue mich darauf, mein Wissen, meine Organisationserfahrung und meine Persönlichkeit einzubringen. Gemeinsam mit dem Team möchte ich die Bibliothek in ihrer wichtigen Rolle stärken und sie für künftige Generationen fit halten.» Was sie bei ihrer Arbeit besonders motiviert, sind nicht die grossen Projekte, sondern die kleinen Gesten. «Wenn jemand sich für einen Buchtipp bedankt oder einfach sagt: ‹Hier gefällt es mir.› Das sind die Momente, in denen ich weiss, meine Arbeit ist sinnvoll.»
Privat liest sie bevorzugt Romcoms, Fantasy und New-Adult-­Romane, greift aber auch mal zu einem Krimi oder einem Manga. Ihren Ausgleich zum Arbeitsalltag findet sie beim Kochen und Backen. Besonders zur Basler Herbstmesse und in der ­Adventszeit verwandelt sie ihre Küche in eine kleine Confiserie: «Ich mache Rahmtäfeli, gebrannte Mandeln, Weihnachtsguetsli, manchmal Pralinen oder Truffes. Weil ich das alles nicht selbst essen kann und wohl besser nicht sollte, verschenke ich vieles an Familie und Freunde.»
Und ihr Lebensmotto? «Mit ­Humor ist das Leben viel lustiger.» Eine Haltung, die man ihr sofort glaubt. Offen und voller Energie geht sie ihre neue Aufgabe an. Mit solchem Elan darf man gespannt sein, welche Kapitel sie für die Stadtbibliothek Brugg in den kommenden Jahren ­aufschlägt.