Secondhand fürs kleine Budget

Die reformierte Kirche betreibt den Treffpunkt Kleiderkarussell, wo Menschen mit einer Bezugskarte Secondhandartikel einkaufen können.
Das Kleiderkarussell feiert Jubiläum. (Bild: mg)

Birr – Daniela Hausherr, Sozialdiakonin der reformierten Kirche Birr, steht in den Räumen des Treffpunkts Kleiderkarussell und freut sich. Denn am 2. Mai feiert der Treffpunkt das zehnjährige Bestehen des Kleiderkarussells. «An diesem Jubiläum können alle bei uns einkaufen.» Sie erwähnt das, weil der Einkauf sonst Personen mit einer Bezugskarte vorbehalten ist.
Wer für kleines Geld gebrauchte, gut erhaltene Kleidung für die ganze Familie, Accessoires, Schuhe sowie Spielsachen und Haushaltsgegenstände kaufen möchte, erfährt in einem persönlichen Erstgespräch, ob er eine Bezugskarte erhält. Mit dieser darf man ausschliesslich für seine eigene Familie sehr günstig im Treffpunkt Kleiderkarussell einkaufen, der Weiterverkauf ist untersagt.
Am letzten Samstag eines jeden Monats dürfen nicht nur Bezugsberechtigte einkaufen, sondern alle. Für «Kartenlose» gelten aber etwas höhere Preise, unschlagbar günstig ist es denoch und nachhaltig sowieso.

Daniela Hausherr inmitten von Verkaufsartikeln des Treffpunkts. (Bild: mg)

Nachfolger der Kleiderbörse
«Das Kleiderkarussell ging aus der Kinderkleiderbörse hervor, die wir früher im Pfrundhaus in Lupfig hatten. Das Interesse daran war mit der Zeit nicht mehr so gross, aber die Leute traten an mich heran und sagten, sie hätten viele Kleider für Erwachsene oder seien auf der Suche nach Kleidung und Schuhen», so ­Daniela Hausherr.
Sie organisierte mit Freiwilligen vor elf Jahren zuerst im Kirchgemeindehaus in Birr einen entsprechenden Verkauf, der an einem Nachmittag pro Woche stattfand. «Es war jedoch sehr anstrengend, weil wir jedes Mal alles ein- und ausräumen mussten, da der Raum auch für viele andere Anlässe benötigt wurde», so die engagierte Sozialdiakonin.
Als sie einmal mit dem Velo durch Birr fuhr, entdeckte sie ein Mietangebot für Gewerberäumlichkeiten. Sie meldete sich. «Und nun sind wir mit dem Treffpunkt Kleiderkarussell seit zehn Jahren an der Wydenstrasse. Wir sind seither auch selbsttragend.» Kleider, Schuhe, Spielzeug oder zum Beispiel Haushaltsgegenstände, alles in sauberem, gutem Zustand, können zu den Öffnungszeiten vorbeigebracht werden.

Team mit 27 Freiwilligen
Betrieben wird der Treffpunkt mit dem Einsatz von 27 Freiwilligen, zurzeit alles Frauen aus verschiedenen Ländern. «Wir suchen dauernd weitere Freiwillige, gern auch Männer, die diese nachhaltige Arbeit unterstützen möchten», so Daniela Hausherr.
Die Motivation der Freiwilligen ist unterschiedlich: Während Flüchtlinge durch ihre Mitarbeit vor allem Inte­gration erleben und neue Kontakte zu Einheimischen pflegen – und dadurch Deutsch lernen können, ist es für andere sinnstiftend, im Laden zu helfen und ihr Verkaufsflair vor Ort auszuleben. Wichtig: Man kann sehr flexibel sein und ist nicht an fixe Einsätze gebunden. Möchte man spontan in die Ferien oder hat einen Termin, lässt sich im Team immer einen Ersatz finden.