«Kultur als Ort der Reflexion»

Das Pfingstfestival in Brunegg vereint Kammermusik und ­Literatur. Writer in Residence ist der Aargauer Schriftsteller Andreas Neeser.
Der Aargauer Schriftsteller Andreas Neeser stellt gemeinsam mit dem afghanischen Autor Azizulah Ima sein neues WErk «Morgengrauengewässer» vor. (Bild: Xenja Zezzi)

Brunegg – Seit elf Jahren steht das Schloss ­Brunegg an Pfingsten jeweils im Zeichen der klassischen Musik. Renommierte internationale Namen der Kammermusik spielen dann auf dem Hügel oberhalb der Gemeinde auf Einladung des Intendanten Jürg Dähler und des Schlossbesitzers Thomas von Salis. Mit dabei sind zunehmend auch Künstlerinnen und Künstler anderer Genres.

Writer in Residence ist dieses Mal der Aargauer Schriftsteller Andreas Neeser. Sein literarisches Werk umfasst ­Romane, Erzählungen, Gedichte, Theaterstücke, Libretti und Kinder­bücher, wobei er für seine Arbeiten bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde. Neesers neueste Publikation heisst «Morgengrauengewässer».

Neben Andreas Neeser sind die Autorinnen und Autoren Azizulah Ima aus Afghanistan​, Oksana Maksymchuk aus der Ukraine und Manfred Papst am Pfingstfestival dabei, dazu zehn junge Autoren und Autorinnen aus der Region – sowie der bekannte deutsche Schauspieler Thomas Loibl. Und auch das musikalische Programm ist hochkarätig, unter anderem mit der deutschen Sopranistin Sophie Klussmann, dem preisgekrönten Oboisten und Dirigenten Heinz Holliger, dem Winterthurer Streichquartett, dem US-amerikanischen Lautenmeister Hopkinson Smith oder Jürg Dähler an der Violine.

Jürg Dähler ist Violinist und Intendant des Pfingstfestivals. (Bild: Rainer Suck)

Jürg Dähler, wie kamen Sie als ­Intendant des Festivals auf den diesjährigen Writer in Residence, Andreas Neeser?
Im Rahmen des letztjährigen Festkonzerts für unseren Förderverein wurde das musikalische Programm des jetzigen Pfingstfestivals vorgestellt. Die literarischen Beiträge waren zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht festgelegt. Wir wollten den Mitgliedern des Fördervereins die Möglichkeit geben, ihre Ideen gerade zu aktueller Literatur in das Programm einfliessen zu lassen. So kam unter anderem der Aargauer Autor Andreas Neeser ins Gespräch, mit dem ich in der Folge den Kontakt suchte. Es war ein Kontakt, der sich auf Anhieb als stimmig und ausgesprochen fruchtbar erweisen sollte.

Andreas Neeser stellt am Festival eigene Texte, aber auch andere
Autoren vor. Was hat es damit auf sich?

Andreas Neeser hat mit seinem jüngsten Buch «Morgengrauengewässer» einen Dialog mit dem afghanischen Schriftsteller Azizullah Ima verfasst. Wir werden Ausschnitte aus diesem ungemein spannenden Dialog nun live auf der Bühne erleben können. Als Leiter des Treffpunkts Text, des literarischen Begabtenförderungsprogramms der Alten Kanti ­Aarau, konnte Neeser zudem zehn junge Autoren und Autorinnen aus der Region gewinnen, die im letzten Jahr Texte zu den Konzertthemen des Festivals entwickelt hatten. Die Einbindung von kulturinteressierten Jugendlichen ist uns ein zentrales ­Anliegen. So werden dieses Jahr beispielsweise zahlreiche junge Musiker und Musikerinnen am Eröffnungskonzert oder im Format «Rising Stars» auftreten.

Welchen musikalischen Programmpunkt würden Sie persönlich besonders hervorheben?
Ich wollte dieses Jahr ein Programm machen, das sich bewusst mit zentralen Fragen unserer Zeit auseinandersetzt. Ein stark politisches Programm also, in dem Musik und Literatur Stellung beziehen – Stellung zu schwierigen Themen wie Krieg und Tod, aber ebenso zu etwas leichterer Kost wie Kommunikation, Humor oder Liebe. So gesehen bieten alle acht Anlässe die Möglichkeit, Kultur als einen Ort der Reflexion wahrzunehmen. Es ist mir unmöglich, hier eine musikalische Präferenz auswählen zu wollen. Wir überlassen das gern unserem Publikum.

Das Festival begann 2015 als reines Kammermusikfestival, heute vereint es Literatur und klassische Musik. Könnten Sie sich vorstellen, das Konzept weiter auszubauen – zum Beispiel in Richtung Tanz?
Das Verknüpfen unterschiedlicher Kunstformen ist mittlerweile ein tragendes Konzept an unserem Festival. So hatten wir an der letzten Ausgabe zum Beispiel einen waschechten Musiktheaterbeitrag mit der Aufführung von Franz Kafkas «Elf Söhne». Musik und Literatur befruchten sich an unserem Festival besonders glücklich. Aber wir haben schon Ideen für andere Kunstformen durchgedacht. So könnte es gut sein, dass in Zukunft neben Literatur und Theater sogar Malerei, Tanz oder Performance bei uns Platz finden.

Freitag, 22. Mai, bis Montag, 25. Mai
Schloss Brunegg