Der lange Weg zum ersten Kranz

Nach gesundheitlichen Rückschlägen gewinnt der Untersiggenthaler Florian Hitz am Solothurner Kantonalschwingfest seinen ersten Kranz.
Florian Hitz (rechts) in Aktion. (bild: zVg)

Untersiggenthal – Als Florian Hitz Anfang Mai am Solothurner Kantonalschwingfest in Stüsslingen aufgerufen wird, um seinen ersten Eichenlaubkranz entgegenzunehmen, wirkt er für einen Moment wie jemand, der die Zeit anhält. Die rund 20 Meter, den Gang entlang durch das applaudierende Publikum im Festzelt, saugt er komplett auf und geniesst. «Was lange währt, wird endlich gut», murmelt er leise, fast ungläubig, während die Ehrendame ihm den Kranz aufsetzt. Es ist ein Satz, der seine letzten Jahre im Schwingsport präziser kaum beschreiben könnte.

Der 26-Jährige aus Untersiggenthal reiht sich mit diesem Erfolg in eine beeindruckende Tradition ein. Nach Beier Josef (2-facher Eidgenosse), Hitz Oskar, Bieri Max, Pulfer Werner, Beier Andreas, Umbricht Valentin und natürlich 3-fach Eidgenosse Bieri Christoph, ist er nun bereits der achte Kranzschwinger aus der schwingbegeisterten Gemeinde.

Der Kranzgewinn ist das höchste Ziel im Schweizer Schwingsport. Die besten Teilnehmer eines Fests werden mit einem Eichenlaubkranz ausgezeichnet. Um den Kranz zu holen, müssen Schwinger in der Regel 56,50 Punkte oder mehr erreichen. Den Rekord hält übrigens mit 151 Kränzen der Schwingerkönig Arnold Forrer.

Gegen alle Widerstände
Sein Weg dorthin begann früh. Mit sieben Jahren stand Florian zum ersten Mal im Sägemehl des Schwingklubs Baden-Brugg. «Beim Schnuppertag hat’s mich einfach gepackt», erinnert er sich. Erstaunlich, denn niemand in Florians Familie war bis anhin mit dem Schweizer Nationalsport Schwingen in Kontakt gekommen.

Was folgte, waren erfolgreiche Jungschwingerjahre, über 30 Zweigauszeichnungen und im Jahr 2015 die Teilnahme am Eidgenössischen Nachwuchsschwingertag – wo nur die 50 besten Schweizer Jungschwinger eines Jahrgangs teilnehmen dürfen – dem Höhepunkt seiner Jugendzeit.

Es folgt der Übergang zu den Aktiven, der sich als Herausforderung herausstellte. Florian Hitz ist 175 cm gross und 95 kg schwer, also keiner der mit schwingerischen Gardemassen gesegnet ist. Er musste härter trainieren und mehr investieren. Und dann kamen die Verletzungen. Zwei Kreuzbandrisse innert drei Jahren, zweimal ein Jahr Pause, ständige Physiotherapie. Zweimal die Frage: Weitermachen oder aufgeben? «Meine Knie haben mich zweimal im Stich gelassen, aber mein Herz für diesen Sport nie», erzählt der Schwinger.

Viele hätten die Zwilchhose an den Nagel gehängt. Nicht Florian. Er fand immer wieder neue Motivation, kämpfte sich zurück ins Sägemehl und bewies, dass ein wahrer Schwinger nicht am Boden liegen bleibt, sondern einmal mehr aufsteht, als er geworfen wurde. «Natürlich zweifelt man. Aber irgendwie habe ich immer gewusst: Ich bin noch nicht fertig», sagt er. Es ist dieser innere Kompass, der ihn durch die Durststrecken führte. Immer wieder war er nahe am Kranz, immer fehlte ein Hauch. Doch er blieb dran, suchte neue Motivation, kämpfte sich zurück und stand nun endlich ganz oben.

«In diesem Moment, als ich den Kranz auf dem Kopf spürte, fiel die Anstrengung von tausenden Trainingsstunden und zwei harten Jahren der Rehabilitation von mir ab. Der Kranz bleibt ein Leben lang», hält der Untersiggenthaler Schwinger fest.

Der Lohn der Beharrlichkeit
Der Kranz am Solothurner Kantonalschwingfest in Stüsslingen hat für Florian Hitz deshalb eine besondere Bedeutung. Er ist ein Symbol für Beharrlichkeit und für die Fähigkeit, Rückschläge nicht als Ende, sondern als Teil des Weges zu sehen. «Es ist ein unglaubliches Gefühl. Nicht nur für mich, auch für meine Familie und alle, die mich all die Jahre begleitet und an mich geglaubt haben», sagt Florian Hitz. Und er weiss: Mit diesem Kranz beginnt etwas Neues.

Als Technischer Leiter des Schwingklubs Baden-Brugg trägt er Verantwortung für die nächste Generation. Gleichzeitig will er selbst weiter angreifen. «Ich habe gezeigt, dass man mit mir rechnen muss», berichtet er mit einem Lächeln. 

Wer den Neukranzer einmal live erleben möchte, kann das am Samstag, 23. Mai,  tun. Sein Schwingklub Baden-Brugg organisiert das Brugger Schachen-Schwinget, wo Florian Hitz als Technischer Leiter die Anmeldungen koordiniert, beim Aufbau mithilft und natürlich selbst als Aktivschwinger teilnimmt.