Zwischen Limmat und Lebenslust

Aus Neugier wurde eine Leidenschaft, die Ladina Panier bis zum Schweizer-Meister-­Titel führte und heute ihren Alltag prägt.
Ladina Panier in den Farben des Ruderclubs Baden. (Bild: zVg)

Baden – Der Rudersport ist in Ladina Paniers (15) Familie tief verwurzelt. Mutter und Grossmutter waren bereits erfolgreich in der Ruderszene unterwegs. Als Ladina Panier selbst zum ersten Mal in ein Boot stieg, ahnte niemand, wie schnell aus Neugier ­Leidenschaft werden würde. «Schon nach dem ersten Training spürte ich einen Sog, der mich bald regelmässig auf die Limmat führte», sagt Ladina Panier.
Bis heute fasziniert sie am Rudern die Vielseitigkeit: die wechselnden Landschaften, die Stimmungen des Wassers, die verschiedenen Bootskategorien wie Einer, Doppelzweier oder Doppelvierer. Vor allem aber liebt sie es, ihre Grenzen stetig zu verschieben: technisch, körperlich und mental. Ihr Alltag ist geprägt von ­Disziplin: Schule bis am Nachmittag, danach Lernen und anschliessend Training, manchmal sogar zweimal täglich. Ein Rhythmus, der viel fordert, ihr aber auch Struktur gibt.

Erfolg durch Haltung
Als sie 2025 Schweizer Meisterin wurde, hatte sie nach dem Zieleinlauf wenig Zeit für Emotionen, denn sie musste sofort ihr Boot weitergeben, während noch unklar war, ob ihre Teamkollegin Edna Adinegoro das Podest erreicht hatte. Als feststand, dass Edna Adinegoro Bronze gewonnen hatte, war die Freude umso grösser.
Nicht nur über den eigenen Titel, sondern über das gemeinsame Podest. «Für mich hängt Erfolg nicht nur von einem Faktor ab, sondern von vielen, zum Beispiel Freundschaften, Training und Mindset sowie Rückschlägen», sagt die Schülerin. Als sie mit dem Rudern begann, war die Konkurrenz anderer Anfängerinnen gross. Doch sie blieb dabei, verlor ihre Ziele nie aus den Augen und entwickelte eine Beharrlichkeit, die sie bis heute prägt. 
Mischa Frank (55) ist Headcoach beim Ruderclub Baden. Er betreut und coacht ein Team von rund 25 Juniorinnen und Junioren: «Ladina ­Panier  ist ein Ausnahmetalent, doch in ihrer Stärkeklasse gibt es weitere Sportlerinnen mit viel Potenzial, zum Beispiel Edna Adinegoro und Alessio Zani.
Ladina Panier sowie Alessio Zani besitzen eine Swiss-Olympic-­Talent-Card, was zusätzlich natürlich motiviert.» Mischa Frank erkennt meist schnell, ob eine Ruderin oder ein Ruderer die nötige Anlage für eine sportliche Karriere mitbringt. Wie sich ein junges Talent körperlich entwickle und wie sich das familiäre Umfeld verändere, lasse sich jedoch nie genau vorhersagen. «Wichtig ist, dass die Jungtalente meine Inputs sofort umsetzen können, Freude am Training haben und den Ehrgeiz mitbringen, wirklich etwas erreichen zu wollen», so der Trainer.

Olympische Träume
Ladina Paniers Trainingsalltag ist härter, als viele Aussenstehende vermuten. Auch begegnet sie immer wieder falschen Vorstellungen über ihren Sport. Zum Beispiel dass Ruderinnen vorwärts rudern, dass die Kraft nur aus den Armen kommt oder dass lediglich im Sommer auf dem Wasser trainiert wird. Die Realität ist komplexer, technisch und körperlich anspruchsvoller, und genau das reizt sie. An schwierigen Tagen findet sie Motivation in ihren Zielen und in den Menschen um sie herum. Der Ruderclub Baden ist für sie nicht nur Sportverein, sondern ein Ort grosser Unterstützung durch Trainer, Ehrenamtliche und ältere Mitglieder. Besonders wertvoll sind für sie die Freundschaften innerhalb der Trainingsgruppe, die weit über den Sport hinausreichen.
Ladina Panier arbeitet derzeit auf weitere Medaillen an der Schweizer Meisterschaft und ihre ersten internationalen Juniorenrennen hin. Für kommende Wettkämpfe möchte sie vor allem ihre Vorbereitung optimieren. Kleine Dinge wie Sonnenbrille, Wasserflasche, Startnummer oder ­Ruder, die im entscheidenden Moment zählen. Das Rennen selbst würde sie nicht verändern. Ihr grosser Traum: die Olympischen Spiele. Das passt zu ihrer Zielstrebigkeit, ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Motivation. Abseits des intensiven Trainings findet sie einen Ausgleich bei Musik, beim Kochen, Babysitten und mit Freunden sowie ihrer Katze. Geprägt hat sie zudem die Begegnung anlässlich eines Kindertriathlons mit der Olympia­siegerin Nicola Spirig, die ihr zeigte, wie weit man mit Selbstvertrauen kommen kann.

Zuhause und Zukunft
Der Ruderclub Baden hat in den letzten Jahren viel in den Jugendsport investiert. So wurde unter anderem ein Profitrainier angestellt, während sich viele Trainier ehrenamtlich engagieren. Für Ladina ist der Verein fast ein zweites Zuhause. Ein Ort, an dem sie Kraft schöpft.
Ihre Familie und die Schule Spreitenbach unterstützen sie stark, dispensieren sie von Lektionen und ermöglichen ihr, den Schulstoff im Selbststudium zu erarbeiten. «Nach den Sommerferien werde ich an der Kantonsschule Baden in der Taff-Klasse (Talente mit ausserschulischem Fokus fördern) starten. Es ist ein weiterer Schritt auf einem Weg, der noch lang nicht zu Ende ist», reflektiert Ladina Panier. Sie gilt als selbstbewusst, zielstrebig und motiviert. Eigenschaften, die sie nicht nur als Sportlerin, sondern als Persönlichkeit auszeichnen. Und während sie neben dem Rudern auch schwimmt oder gelegentlich an Triathlons teilnimmt, bleibt das Wasser ihr wichtigster Ort – dort, wo sie nicht nur rudert, sondern wächst.