Rieden – Es gibt Menschen, die sprechen über Wein, und es gibt Menschen, die leben ihn. Urs Podzorski gehört zweifellos zu Letzteren. Wer ihm zuhört, spürt sofort, dass Wein für ihn kein unpersönliches Konsumgut ist, sondern eine lebendige Geschichte. Erzählt von der Natur und geprägt von den Händen derer, die sie pflegen.
Die Wurzeln im Rebberg
Urs Podzorskis Reise beginnt dort, wo die Qualität jedes edlen Tropfens ihren Ursprung hat: tief in der Erde, zwischen den Rebstöcken. Als gelernter Winzer, mit dreijähriger Ausbildung EFZ, kennt er das Handwerk von der Pike auf. Er weiss, wie sich die Erde nach einem Frühlingsregen anfühlt, wie viel Arbeit in jeder einzelnen Traube steckt und wie viel Geduld nötig ist, bis aus einer Blüte ein grosser Wein wird. Während seiner Studienzeit als Umweltingenieur an der ZHAW Wädenswil und an der ZHAW Winterthur arbeitete Urs Podzorski an einer renommierten Adresse des Landes: der Weinhandlung Baur au Lac Vins. Hier lernte er die internationale Weinwelt kennen, doch sein Herz schlug schon immer für die lokale Weinwelt.
Konsequent folgte der nächste Schritt: Knapp vier Jahre lang leitete er als Rebbaukommissär die Fachstelle Weinbau im Kanton Aargau. Eine prägende Zeit, die seine Perspektive für immer verändern sollte. «In dieser Zeit habe ich ein grosses Gespür für unsere Winzerinnen und Winzer entwickelt», erzählt der 34-Jährige mit leuchtenden Augen. Er hat gesehen, mit wie viel Herzblut, Schweiss und Leidenschaft in den Schweizer und Aargauer Weinbergen gearbeitet wird. «Vieles passiert vonseiten der Winzerinnen und Winzer intuitiv und mit einer gehörigen Portion gesundem Menschenverstand. Die Winzerinnen und Winzer lesen zwar Fachbücher oder besuchen Veranstaltungen und Weiterbildungen, aber das umfangreichste ‹Fachbuch› sind die Rebe und der Rebberg selbst. Etliches wird mit Gespür und aus dem Gefühl heraus richtig angewendet und umgesetzt.»
Einladung zum Verweilen
Wer Urs Podzorski (viele nennen ihn einfach Üggi) trifft, begegnet keinem abgehobenen Weinkritiker, sondern einem nahbaren Experten, der seine Expertise mit einer ansteckenden Herzlichkeit teilt. Er möchte Barrieren und Ängste abbauen und einen Ort schaffen, an dem sich Weinliebhaber und Neugierige auf Augenhöhe begegnen können. «Ein guter Wein widerspiegelt die Seele und die Werte des Winzers. Wenn wir naturnah geniessen, zollen wir der Natur und der harten Arbeit im Rebberg den Respekt, den sie verdienen.» Denn wer seine Arbeit im Rebberg pflichtbewusst, sauber und gut mache, könne Trauben, wenn sie geerntet seien und in Fässern lagerten, eigentlich dem natürlichen Reife- und Gärungsprozess überlassen. Das gehe mit einem gewissen Risiko einher, aber die Natur habe ihre eigenen Gesetzmässigkeiten, hier müsse der Mensch nicht zwingend nachhelfen, ist der innovative Fachmann überzeugt.
Aus dieser Verbundenheit ist ein neues Herzensprojekt entstanden: die Weinbarke in Rieden. Eine Barke ist ein Schiff, das kostbare Güter transportiert, und Urs Podzorski ist der Kapitän, der seine Gäste auf eine Entdeckungsreise mitnimmt. Die Weinbarke steht für das, was Urs Podzorski am meisten am Herzen liegt: naturnaher Weingenuss. Die Liebe zum Wein und vor allem zu den Menschen möchte Urs Podzorski weitergeben. «Ich will die Welt förmlich damit anstecken.» Das Weingeschäft befindet sich im Oederlin-Areal. Der Badener hält sich, wenn er nicht gerade im Rebberg unterwegs ist, sehr viel draussen auf und betätigt sich gern aktiv mit Wandern, Bouldern und Biken. Zudem ist er Teil der Mannschaft beim Rugby-Club Würenlos.