Mit der Kanti wird es ekstatisch

Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Baden gestalten aus philosophischen und literarischen Texten einen multimedialen Trip.
Henrik und Luka werden sich auf der Bühne im Thik mit philosophischen Texten auseinandersetzen. (Bild: isp)

Die Badener Kantischüler Henrik (18) und Luka (17) sitzen auf der Bühne des Theaters im Kornhaus (Thik) im Schneidersitz gegenüber und proben ihren Auftritt. Philosophisch sind sie, die beiden Texte von Alejandro Jodorowsky und Peter Weber-Schäfer, die sie vortragen. Die jungen Männer haben die beiden Texte miteinander verwoben, und die Geschichte, die daraus entstanden ist, handelt von einem Zenmeister und einem Mönch. Und es geht um eine Kerze. Karl Werner Modler, Philosophie- und Französischlehrer und mitverantwortlich für das Konzept sowie die Textauswahl, beobachtet aufmerksam und gibt Rückmeldungen. Bald schon ist Aufführung, und die Vorfreude steigt. «Wir sind schon ein bisschen nervös», gestehen die Jugendlichen nach dem Ende der Probe. «Vor vielen Leuten aufzutreten, braucht schliesslich Mut. Aber wir sind bereit.»

Philosophische Texte in Szene setzen
«Wir möchten jungen Menschen eine Plattform geben, auf der sie sich mit philosophischen Texten und deren Bezug zur Welt auseinandersetzen und selbst performen können», sagt Nadine Tobler, Leiterin des Thik. So sei die Idee für das Format «Die blaue Lunte» in Zusammenarbeit mit der Kantonsschule Baden entstanden. Das war 2015. Seither sind viele Produktionen buchstäblich über die Bühne gegangen, zu Themen wie Reiz, Netze, Schwindel, Lachen, Faulheit und Blitze. Jährlich finden ein bis zwei Produktionen im Rahmen des Projekts statt.

Die aktuelle Ausgabe von «Die blaue Lunte» handelt von Ekstase. Seit rund zwei Monaten nähern sich fünf Kurse der Kanti Baden aus dem Ergänzungsfach Philosophie und dem Schwerpunktfach Psychologie, Pädagogik und Philosophie (PPP) diesem Thema. Menschen streben tatsächlich nach Formen der Ekstase, um aus der bekannten Realität herauszutreten und so eine Verbindung mit dem Transzendenten einzugehen. Die Praktiken, die angewandt werden, um dem manchmal so profan scheinenden Alltag zu entfliehen, sind eigentlich unbegrenzt. Man betet, meditiert, tanzt, fastet, spricht Mantras, macht Yoga oder nimmt gar unterschiedlichste Substanzen ein. Es geht um Ausbruch, Entgrenzung und Rausch, aber auch um Spiritualität, Askese und Achtsamkeit.

Spielen, tanzen und rezitieren
Bei Ekstase oder Verzückung erfährt eine Person einen Zustand übersteigerter Begeisterung, wobei sie in einen Rausch von solchem Ausmass gerät, dass sie die Kontrolle über sich verliert. «Wir haben uns in diversen Formen dem Begriff angenähert», berichtet Modler. «Die Schülerinnen und Schüler werden in Gruppen oder einzeln auf der Bühne stehen, und sie werden dabei musikalisch von Schülerinnen und Schülern der Musiklehrpersonen Harald Stampa (Gitarre) und Antje Maria Traub (Klavier) unterstützt. So entsteht eine literarisch-musikalische Soiree von rund 15 Nummern, bei denen performt, getanzt, gesungen oder auch heiter rezitiert wird.»

Die Herangehensweise der Schülerinnen und Schüler sei sehr unterschiedlich gewesen, ergänzt Colin Schatzmann, Deutsch- und Philosophielehrer und Mitverantwortlicher für Konzept und Textauswahl. Man darf also gespannt sein. Wer Lust auf einen multimedialen ekstatischen Trip hat, hat heute Donnerstag Gelegenheit dazu.

Donnerstag, 21. Dezember, 20.15 Uhr
Theater im Kornhaus, Kronengasse 10, Baden